Ostern: "Es gibt Eierknappheit" - Expertin mit düsterer Prognose
Autor: Daniel Krüger
Deutschland, Donnerstag, 05. März 2026
In Deutschland ist die Nachfrage nach Eiern derzeit deutlich stärker als das Angebot. Zu Ostern wird sich die Lage laut Experten wahrscheinlich merklich verschärfen.
Update vom 05.03.2026: Kurz vor Ostern wird die Eierlage "herausfordernd"
Noch gut einen Monat bis Ostern - und es werden weniger Eier produziert als nachgefragt. Das liegt unter anderem an der Vogelgrippe. Wie gefüllt werden die Osternester in diesem Jahr? Wer in diesen Tagen Eier erwerben möchte, muss manchmal improvisieren: Die Regale in Supermärkten und Discountern sind teilweise nicht so gut bestückt wie gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die Auswahl ist mancherorts begrenzt. Auch von einer Eier-Krise ist gelegentlich die Rede. Wie stellt sich die Lage dar? Die Branche spricht von einer angespannten, aber stabilen Situation: "Die Situation bleibt aufgrund der Vogelgrippe für die gesamte Branche herausfordernd", sagte beispielsweise ein Sprecher der Rewe Gruppe.
Man stehe in engem Austausch mit Lieferanten und sei flexibel aufgestellt, um die Versorgung zu garantieren. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, die Versorgung sei wieder stabil. Auch Marktexperten sehen keine Krise. "Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit", sagt Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG). "Die Regale sind nicht leer, man sieht aber Lücken. Teilweise ist die Auswahl kleiner." Grund dafür sei auch die außerordentlich hohe Nachfrage. Zu Ostern könne es schwieriger werden, weil mehr Eier gekauft werden.
Ähnlich bewertet der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, die Situation. Der Markt sei nach wie vor sehr knapp versorgt, aber er sei versorgt. Zusätzlichen Druck erzeugten saisonale Effekte: Vor Ostern kaufen demnach auch Färbereien große Mengen Eier, die dem Markt vorübergehend fehlen. Einzelne Sortierungen, also zum Beispiel je nach Haltungsform und Größe, könnten daher auch einmal nicht verfügbar sein. Gravierende Engpässe könne er aber nicht feststellen, sagte er. Wegen der Vogelgrippe mussten im vergangenen Jahr mehrere Hunderttausend Tiere gekeult werden. Der Wiederaufbau der Bestände benötigt jedoch Zeit. Da der Lebensmittelhandel bevorzugt beliefert wird, sind Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker von der Knappheit betroffen. "Da wird schon mal eine Rezeptur gestreckt und ein Ei weggelassen, weil Eier schwerer zu bekommen sind", sagt Beck.
Deutlich gestiegene Nachfrage nach Eiern - aber Probleme mit Mindestlohn und Energiekosten
Das Angebot ist auch durch Änderungen in der Haltungsstruktur begrenzt. Ende 2025 gingen die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung aus der Produktion. Diese Eier waren vor allem für die verarbeitende Industrie bedeutsam. Die fehlenden Mengen müssten ersetzt werden, sagt Charlotte Wilmes von der Landwirtschaftskammer NRW. Dadurch komme es zu veränderten Warenströmen, was den Druck auf dem Markt zusätzlich erhöhe. Zwar wurden der MEG zufolge 2025 rund 0,5 Prozent mehr Eier produziert. Die Nachfrage ist jedoch noch stärker gestiegen. Das wirkt sich auf die Preise aus: Im vergangenen Jahr zahlten Kunden im Geschäft im Durchschnitt 2,02 Euro für 10 Eier aus Bodenhaltung.
Derzeit kostet die günstigste Packung vielerorts 2,49 Euro. Neben Angebot und Nachfrage nennt Beck noch weitere Kostentreiber wie den gestiegenen Mindestlohn, höhere Mautgebühren und Energiekosten. "Viele Betriebe würden gern mehr produzieren. Die ganze Branche klagt darüber, wie schwierig es ist, eine Baugenehmigung zu bekommen." Außerdem seien weniger Eier aus den Niederlanden eingeführt worden. Die höheren Preise führen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern aber nicht zu Zurückhaltung. "Von zehn Eiern bekommt man mehrere Leute satt. Für das Geld gibt es kein Schnitzel. Im Vergleich zu anderen Eiweißlieferanten sind Eier immer noch günstig", sagt Beck.
Proteinreiche Ernährung sei derzeit gefragt. Eier profitieren auch davon, dass ihnen nicht mehr das Image anhaftet, eine Cholesterin-Bombe zu sein. Der langfristige Trend zeigt ohnehin nach oben. Bereits 2024 erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland einen Höchststand: Laut vorläufigen amtlichen Zahlen wurden rechnerisch pro Person im Schnitt 249 Eier gegessen – 10 mehr als im Vorjahr. Bis 2035 wird mit einem Wachstum des globalen Eiermarktes um 22 Prozent gerechnet.
Update vom 30.01.2026: "Wird gerade weniger produziert" - muss der Osterkorb heuer leer bleiben?
Der Eiermarkt gerät zunehmend unter Druck: Die Anzeichen, die sich bereits während der Weihnachtszeit gezeigt hatten, haben sich im Januar noch verstärkt. Führungskräfte aus dem Lebensmittelhandel bestätigen eine angespannte Versorgungslage, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ). Ein Einkaufsverantwortlicher einer Discounterkette prognostiziert eine lange Durststrecke: Nach seiner Einschätzung könnte es bis zu vier Monate dauern, bis sich die Situation vollends entspanne und wieder Normalbestände zur Verfügung stünden.