Oster-Phänomen in Deutschland: Seit "Vierteljahrhundert" nicht erlebt
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Deutschland, Mittwoch, 01. April 2026
Ostern 2026 ist aus Sicht des Handelsverbands Bayern eine Zäsur. Auch bundesweit wächst die Sorge.
Die Konsumentinnen und Konsumenten tätigen vor Ostern so wenige Einkäufe wie seit Jahren nicht mehr. Der Handelsverband Bayern prognostiziert im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von nahezu sieben Prozent auf 336 Millionen Euro. Dies erklärte Verbandssprecher Bernd Ohlmann auf Nachfrage. In den letzten Jahren hätten die Umsätze zumindest immer leicht zugenommen. Ein Supermarkt verkauft sogar keine Traditions-Osterhasen mehr, weil es sich nicht lohnt.
"Die Kaufzurückhaltung, die steigenden Spritpreise, die Energiepreise, die weltpolitischen Krisen, all das schlägt durch", sagte Ohlmann. "Und das merkt auch der Osterhase in diesem Jahr." An einen so deutlichen Umsatzrückgang in der Vergangenheit könne er sich nicht erinnern - "und ich bin schon ein Vierteljahrhundert dabei".
40 Prozent wollen bei Osterkäufen sparen - Handelsverband alarmiert
Ein durchschnittlicher Haushalt gibt laut Zahlen des Handelsverbands normalerweise etwa 50 Euro für Osterartikel aus: Schokolade und andere Süßigkeiten, Blumen, Dekorationsartikel und Spielwaren. Spürbar ist die Kaufzurückhaltung nach Ohlmanns Worten auch bei Schokolade, die im vergangenen Jahr erheblich teurer geworden ist. "In Bayern werden jedes Jahr so rund 25 Millionen Osterhasen verkauft im Ostergeschäft. Aber die Leute steigen einfach auf andere Süßigkeiten um." Die Entwicklung sei bereits vor Weihnachten spürbar gewesen: "Die Leute haben einfach nicht so viel Schokolade gekauft."
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Der bundesweite Einzelhandel rechnet im diesjährigen Ostergeschäft mit einem Umsatzminus von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet Erlöse von etwa 2,1 Milliarden Euro. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage in seinem Auftrag hervor. 500 Konsumentinnen und Konsumenten wurden dafür vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln befragt. Viele Menschen in Deutschland halten sich einer Umfrage zufolge tatsächlich mit Ostereinkäufen zurück. 40 Prozent beabsichtigen, in Supermärkten und Discountern weniger für Osterartikel auszugeben als im vergangenen Jahr. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsunternehmens YouGov hervor.
52 Prozent geben an, gleich viel einkaufen zu wollen, 6 Prozent planen mit höheren Ausgaben. Frauen sind nach Angaben von YouGov besonders zurückhaltend. 46 Prozent möchten weniger ausgeben als im Vorjahr, bei Männern liegt der Anteil bei 34 Prozent. YouGov-Marktforscherin Silvia Rothmann-Falk nennt dafür mehrere Gründe. "Wir stellen aktuell fest, dass das Ostergeschäft im Lebensmitteleinzelhandel stark von Preisbewusstsein geprägt ist." Neben gestiegenen Preisen trägt auch ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein in den Familien dazu bei, dass Verbraucher selektiver einkaufen oder ganz verzichten. YouGov hat mehr als 2000 Menschen ab 18 Jahren befragt.