Nutri-Score ändert sich drastisch - das musst du jetzt beachten
Autor: Strahinja Bućan
München, Freitag, 27. März 2026
Viele gesundheitsbewusste Kunden orientieren sich beim Einkauf am Nutri-Score. Doch stand die Ampel-Kennzeichung wegen unklarer Spielregeln immer wieder in der Kritik. Nun soll sich das ändern.
Seit Jahresbeginn 2026 gilt für den Nutri-Score eine neue Berechnungsmethode. Hersteller, die die fünfstufige Farbskala von A bis E nutzen, müssen ihre Produkte nun nach angepassten Kriterien bewerten. Ziel ist es, den Gehalt von Zucker, Salz, Ballaststoffen und weiteren Nährstoffen transparenter zu machen und die Kennzeichnung stärker an aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen anzulehnen. Nun erläutert der Tüv Süd, was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher ändert und wie der neue Nutri-Score funktioniert.
Der Nutri-Score ist eine erweiterte Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Er soll Menschen ohne spezielles Ernährungswissen dabei unterstützen, Produkte innerhalb einer Warengruppe zu vergleichen – etwa verschiedene Frischkäsezubereitungen, Chips oder Joghurts. Entwickelt wurde das System von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Bewertet wird vor allem mit Blick auf ernährungsbedingte Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Tüv erklärt - so funktioniert der neue Nutri-Score
Um die Kennzeichnung an aktuelle Ernährungsempfehlungen anzupassen, wurde die Berechnung des Nutri-Score laut dem Tüv umfassend überarbeitet. Die neue Methode fällt in mehreren Punkten strenger aus, insbesondere bei stark verarbeiteten Produkten mit viel Zucker, Salz oder Süßstoffen. Viele dieser Lebensmittel schneiden dadurch schlechter ab als bisher. Das soll Hersteller motivieren, Rezepturen stärker an gesundheitlichen Kriterien auszurichten.
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Zu den wichtigsten Änderungen gehört, dass Zucker und Salz schneller negativ ins Gewicht fallen. Neu ist zudem, dass auch der Einsatz von Süßstoffen Minuspunkte bringt, damit Zucker nicht einfach durch Süßungsmittel ersetzt wird. Davon betroffen sind dem Tüv zufolge etwa Softdrinks und Müslis, die nun häufig schlechter bewertet werden. Allerdings können Produkte mit hohem Protein- oder Ballaststoffgehalt einen besseren Score erreichen – etwa Milchprodukte, Nüsse oder Hülsenfrüchte, sofern sie wenig Zucker und Salz enthalten. Rotes Fleisch erhält allerdings maximal zwei Punkte für Eiweiß, was meist zu einem C oder schlechter führt; bei Ballaststoffen wurde die Mindestmenge für eine positive Bewertung angehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reform betrifft pflanzliche Öle und Nüsse. Gesunde Fette mit vielen ungesättigten Fettsäuren erhalten nun eine günstigere Einstufung. Damit wird ein Schwachpunkt des alten Systems korrigiert, bei dem der naturgemäß hohe Fettgehalt etwa von Olivenöl zu schlechten Noten führte. Für Verbraucherinnen und Verbraucher soll so besser erkennbar werden, welche Fette als ernährungsphysiologisch günstig gelten.
Experten bauen Nutri-Score um - bestimmte Lebensmittel schneiden besser ab
Auch bei Getränken wurden die Regeln angepasst. Milchgetränke und Pflanzendrinks werden nicht mehr wie allgemeine Lebensmittel, sondern wie andere Getränke bewertet – und damit strenger. Ein Nutri-Score A bleibt Wasser vorbehalten. Fettarme Milch wird in der Regel mit B, Vollmilch mit C eingestuft. Für Hersteller bedeutet das, dass bekannte Produkte trotz unveränderter Rezeptur nun sichtbar schlechter abschneiden können. In Deutschland nutzen seit 2020 immer mehr Unternehmen den Nutri-Score freiwillig. An der Optik der Kennzeichnung ändert sich laut dem Tüv nichts: Die Skala reicht weiterhin vom dunkelgrünen A für eine eher günstige Nährstoffzusammensetzung bis zum roten E für eine eher ungünstige Wahl. Die neue Berechnungsmethode greift jedoch verbindlich für alle, die das System einsetzen.
Für die Lebensmittelwirtschaft ist der Nutri-Score damit zu einem Aushängeschild geworden. Eine gute Einstufung kann als Hinweis auf eine durchdachte Rezeptur gelten. Gleichzeitig erhöht die verschärfte Bewertung den Druck auf Hersteller, Produkte mit viel Zucker, Salz oder Süßstoffen zu überarbeiten. Wer am System teilnimmt, muss sich darauf einstellen, dass sich Scores durch die Reform verschlechtern können – ohne dass sich an der Rezeptur etwas geändert hat. Trotz der Anpassungen bleibt der Nutri-Score umstritten, wie der Tüv betont. Kritiker bemängeln, die Kennzeichnung vereinfache die ernährungsphysiologische Qualität zu stark und bilde die Gesamtbewertung eines Lebensmittels nur unzureichend ab. Produkte, die früher im grünen Bereich lagen, erhalten heute mit der neuen Berechnung teilweise schlechtere Noten, obwohl sich die Inhaltsstoffe nicht geändert haben.