Neue Umlage für Gaskunden wegen nationaler Gasreserve geplant
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Mittwoch, 28. Oktober 2026
Niedrige Füllstände bei den Speichern für Gas bewegen die Öffentlichkeit. Damit soll 2027 endgültig Schluss sein: Das Energieministerium will eine strategische, nationale Gasreserve für Krisenzeiten aufbauen. Zahlen sollen die Gaskunden.
Was ist überhaupt eine Gasreserve und wie hoch ist der Anteil an den Kosten?
Die Bundesregierung will eine strategische, nationale Gasreserve für Krisenzeiten aufbauen. Nicht der Staat soll sie bezahlen, sondern die Gaskunden. Dafür hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), nach einer monatelangen Hängepartie, einen Gesetzentwurf für die Länder- und Verbändeanhörung vorgelegt. Wenn das Gesetz (Titel: Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge) 2027 von Bundestag und Bundesrat beschlossen wird, gibt es einen neuerlichen, allerdings einen kleinen Schub bei den Gaspreisen.
Beim Gas machen die Netzentgelte, dazu zählt zukünftig auch die strategische Gasreserve, für die Haushaltskunden laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aktuell etwa ein Fünftel des Preises aus. Private Haushalte müssen im kommenden Jahr mit steigenden Netzentgelten bei Gas rechnen. Immer mehr Kunden steigen auf Wärmepumpen um, dadurch verteilen sich die Netzkosten auf immer weniger Verbraucher. Hinzu kommt noch die Abgabe für die strategische Gasreserve.
Aber: "Die Steigerung der Gasnetzgebühren wird im Vergleich zu den explodierten Großhandelspreisen geringen Einfluss auf die Heizkostenentwicklung der Haushalte in Deutschland haben", erläuterte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck gegenüber der Bild-Zeitung die weiter steigenden Kosten bei Gas.
Wie lange reicht die Gasreserve?
Seine Prognose dürfte viele Gaskunden aufschrecken: "Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, in denen die Gasversorger die höheren Beschaffungskosten an ihre Kunden weitergeben. Sie werden sich je nach aktuellem Tarif zwischen 10 und 20 Prozent bewegen." Der Grund sind gestiegene Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs.
Zurück zur strategischen Gasreserve. Sie soll einen Umfang von 24 Terawattstunden (TWh) Erdgas erreichen und damit rund zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität umfassen. 24 THW sind 24 Milliarden Kilowattstunden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) dient die Reserve ausschließlich der Absicherung außergewöhnlicher Krisensituationen, etwa bei Ausfällen wichtiger Importinfrastruktur, Sabotageakten oder anderen gravierenden Störungen der Gasversorgung.
Konkret heißt es im Gesetzentwurf, dass die Gasreserve im Krisenfall den Ausfall der wichtigsten deutschen Importinfrastruktur für 30 Tage abdeckt. Beim Ausbleiben sämtlicher norwegischer Pipelineimporte würde die Gasreserve für 20 Tage reichen und 40 Tage bei Ausfall der deutschen LNG-Terminals. Die Reservekapazitäten dürfen ausschließlich nach Ausrufung der Notfallstufe durch die Bundesnetzagentur eingesetzt werden, die dann auch über die Nutzung entscheidet.
Wer bezahlt die Gasreserve?
Die Kosten für Aufbau und Vorhaltung der Gasreserve sollen über eine neue Umlage auf den Gasverbrauch finanziert werden. Das BMWE beziffert diese auf 0,29 bis 0,36 Euro je Megawattstunde.