Lebensmittelpreise seit 2006 explodiert? Was an einem viralen Kassenbon-Vergleich dran ist
Autor: Daniela Laitinen
Deutschland, Samstag, 17. Oktober 2026
Ein Einkauf für 11,90 Euro im Jahr 2006, dieselben Lebensmittel für 34,69 Euro im Jahr 2026: Ein Bild in den sozialen Medien suggeriert eine enorme Preissteigerung. Doch wie realistisch ist das? Die Verbraucherzentrale Bayern ordnet den Vergleich ein – und auch die amtlichen Zahlen zeigen, wie sich Preise und Kaufkraft entwickelt haben.
Zwei Kassenbons, 20 Jahre Unterschied und eine gewaltige Preissteigerung: Ein Bild in den sozialen Medien soll zeigen, wie teuer Lebensmittel in Deutschland geworden sind. Während ein Einkauf bei Rewe im Jahr 2006 angeblich nur 11,90 Euro gekostet hat, werden für dieselben Produkte im Jahr 2026 stolze 34,69 Euro fällig./p>
Das entspricht einer Preissteigerung von rund 191 Prozent. Die Kosten für den Einkauf hätten sich innerhalb von zwei Jahrzehnten also nahezu verdreifacht. Doch wie glaubwürdig ist dieser Vergleich? Und was sagen die offiziellen Zahlen über die tatsächliche Entwicklung der Lebensmittelpreise?
Verbraucherzentrale: Kassenbon-Vergleich ist nicht aussagekräftig
Daniela Krehl, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, hat sich die Darstellung auf Anfrage unserer Redaktion genauer angesehen. Ihr Urteil fällt kritisch aus.
Die Expertin verweist auf mehrere Unstimmigkeiten, darunter auffällig glatte Gewichtsangaben. So werden sowohl Bananen als auch Hähnchenfleisch mit exakt einem Kilogramm ausgewiesen. Das sei zwar nicht unmöglich, in dieser Kombination aber ungewöhnlich. Zudem sind Uhrzeit und Kasse bei den beiden Bons identisch. Und einen Rewe-Markt sucht man an der angegebenen Adresse vergeblich.
„Das spricht dafür, dass der Bon künstlich zusammengestellt wurde“, erklärt Krehl. Als Beleg für die tatsächliche Preisentwicklung sei er deshalb ungeeignet.
Lebensmittel seit 2021 rund 30 Prozent teurer
Dass Lebensmittel in Deutschland erheblich teurer geworden sind, steht allerdings außer Frage. Nach Angaben der Verbraucherzentrale kosten sie im Durchschnitt heute rund 30 Prozent mehr als 2021.
Besonders kräftig stiegen die Preise in den Jahren 2022 und 2023. Als Ursachen nennt Krehl unter anderem höhere Kosten für Energie, Dünger und Futtermittel, internationale Krisen, Arbeitskräftemangel sowie klimabedingte Ernteausfälle.