Holunderbeeren: Warum die gesunden Früchte gefährlich sein können

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Holunderbeeren stecken voller Vitamine und Antioxidantien. Roh enthalten sie jedoch Giftstoffe und sind erst nach dem Kochen unbedenklich.

Wer an Hecken oder Waldrändern tiefdunkle Holunderbeeren entdeckt, begegnet einer der bekanntesten Heil- und Nutzpflanzen Mitteleuropas. Die Früchte beeindrucken nicht nur optisch, sondern enthalten auch reichlich Vitamine, Mineralstoffe und antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe.

So wertvoll diese Inhaltsstoffe sind, gibt es doch eine entscheidende Einschränkung: Im rohen Zustand können Holunderbeeren gesundheitsschädlich sein.

Giftstoffe in rohen Holunderbeeren: Symptome und Risiken

Laut dem Verbraucherportal ÖKO-Test enthalten rohe Holunderbeeren das cyanogene Glykosid Sambunigrin, das im menschlichen Körper zu Blausäure umgewandelt werden kann. Dieser sekundäre Pflanzenstoff dient dem Schwarzen Holunder als natürlicher Fraßschutz, kann bei Menschen jedoch zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Typische Symptome nach dem Verzehr größerer Mengen roher Beeren sind laut MDR Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Bauchkrämpfe.

Reife Beeren gelten zwar als weitgehend Sambunigrin-frei, doch selbst dann können empfindliche Personen und Kinder auf den Rohverzehr mit Unwohlsein reagieren. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen betont, dass einige wenige rohe Beeren bei gesunden Erwachsenen meist keine Symptome auslösen. Dennoch wird vom rohen Verzehr grundsätzlich abgeraten.

Damit das Gift unschädlich wird, sollten Sie die Beeren mindestens 20 Minuten bei über 80 Grad Celsius erhitzen. Erst dann sind die Glykoside zersetzt und die Holunderbeeren sicher genießbar, ob als Saft, Mus, Gelee oder Sirup.

Vitamine und Mineralstoffe in gekochten Holunderbeeren

Auch nach dem notwendigen Erhitzen zählen Holunderbeeren zu den nährstoffreichen Lebensmitteln mit beachtlichem Gesundheitspotenzial. Pro 100 Gramm stecken darin unter anderem Vitamin C, Vitamin A, B-Vitamine, Kalium, Calcium und Eisen.

Ebenfalls bemerkenswert ist der Anteil an sekundären Pflanzenstoffen wie Anthocyanen und Flavonoiden. Diese Farbstoffe wirken antioxidativ und entzündungshemmend und können freie Radikale im Körper neutralisieren. Zudem regen sie die Nierentätigkeit an und wirken mild abführend. Allerdings ist zu beachten: Das hitzeempfindliche Vitamin C geht beim Kochen größtenteils verloren. Dennoch bleiben die wertvollen Anthocyane und Mineralstoffe erhalten, sodass Holunderprodukte wie Saft oder Sirup eine sinnvolle Ergänzung zur gesunden Ernährung darstellen.

Die Forschung schreibt den Holunderbeeren eine besondere Rolle bei der Stärkung des Immunsystems zu. Die erwähnten Anthocyane und Flavonoide helfen auch dabei, Abwehrkräfte zu mobilisieren. Studien deuten darauf hin, dass Holunderprodukte die Dauer und Schwere von Erkältungssymptomen verringern können. Ein regelmäßiger Konsum von Holundersaft oder -sirup könnte somit einen wertvollen Beitrag zur Vorbeugung von Infektionen leisten und den Körper bei der Abwehr von Krankheitserregern unterstützen. In vielen fränkischen Gärten gedeihen Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren – und diese heimischen Beeren gelten als wahre Nährstoffbomben. Wieso diese Früchte so wertvoll für die Gesundheit sind und welche positiven Effekte sie auf unseren Körper haben, erklärt Ernährungsexpertin Anne in einem separaten Artikel.

Reife Holunderbeeren erkennen und den giftigen Zwergholunder unterscheiden

Längst nicht jeder Holunder ist gleich: Schwarzer und Roter Holunder lassen sich nach dem Erhitzen verwerten, während die Beeren des Zwergholunders (Attich) giftig sind. Der Schwarze Holunder wächst als hoher, stark verzweigter Strauch mit hängenden Fruchtdolden, der Zwergholunder hingegen bildet hochstehende Rispen und verholzt nicht.

Bei der Auswahl und Ernte helfen diese Punkte weiter:

  • Geerntet werden sollten nur vollreif gefärbte Beeren, die tief dunkelviolett bis schwarz und prall sind. Grüne oder rötliche Früchte enthalten deutlich mehr Sambunigrin und sollten vor der Verarbeitung aussortiert werden.
  • Am besten schneiden Sie ganze Dolden ab und trennen die Beeren anschließend mit einer Gabel von den Stielen.
  • Da der Saft stark färbt, empfiehlt sich das Tragen von Gummihandschuhen bei der Ernte.

Nach dem Pflücken sollten die Beeren zügig verarbeitet werden, denn lange haltbar sind sie nicht. Bis zur Weiterverarbeitung sollten die "Hollerbeeren" kühl und trocken gelagert werden. Für eine längere Haltbarkeit lassen sich die Früchte auch einfrieren: Dazu die Beeren gründlich waschen und gut abtropfen lassen. Anschließend auf einem Backblech verteilen und zunächst einzeln anfrieren. Danach können sie in Behälter oder Gefrierbeutel umgefüllt werden. So kleben die Beeren nicht aneinander.

Holundersträucher im Garten: Bedeutung für Tiere und Insekten

Fehlt ein Strauch in der Nähe, lässt sich Holunder auch im eigenen Garten pflanzen – die Pflanze ist anspruchslos und eignet sich gut als Teil einer natürlichen Hecke. Neben dem gesundheitlichen Nutzen für den Menschen leistet der Holunder einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität in unseren heimischen Gärten. Die Sträucher bieten Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Tierarten, etwa für Vögel, die seine Beeren verzehren, und Insekten, die seine Blüten als Nahrungsquelle nutzen.

Mit seinen dichten Verzweigungen bietet der Holunder vielen Insekten, darunter auch bedrohten Arten, Unterschlupf. Außerdem fördern seine Blüten die Bestäubung durch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, was wiederum die Fruchtbildung vieler Pflanzenarten unterstützt. Somit steht der Holunder in einem engen ökologischen Wechselspiel mit seiner Umwelt und stellt einen unverzichtbaren Bestandteil eines ökologischen Gartens dar.

Übrigens werden "Blaubeere" und "Heidelbeere" oft gleichgesetzt, doch tatsächlich unterscheiden sich die beiden Beerenarten. Wir erklären, wie sie sich hinsichtlich Geschmack und gesundheitlicher Wirkung unterscheiden.

Holunderblüten ernten und zu Sirup oder Tee verarbeiten

Neben den Beeren lohnen sich auch die Blüten des Holunders, die von Mai bis Juli blühen. Für die Ernte eignen sich ganze Dolden mit vollständig geöffneten Blüten am besten an einem trockenen, sonnigen Vormittag und möglichst abseits viel befahrener Straßen. Geschnitten werden die Dolden am besten mit einer Schere und in einem Korb gesammelt, da Plastiktüten die empfindlichen Blüten schnell verderben lassen. Waschen sollte man die Blüten nicht, weil dabei Aroma und Blütenstaub verloren gehen. Läuse lassen sich durch kräftiges Ausschütteln entfernen.

Für Sirup werden die frischen Blüten mit Wasser, Zucker und Zitronen oder Zitronensäure angesetzt, einige Tage gezogen, anschließend abgeseiht und kurz aufgekocht. Getrocknete Blüten eignen sich dagegen für Tee: Pro Tasse rechnet man etwa ein bis zwei Teelöffel, die mit heißem Wasser übergossen werden und einige Minuten ziehen sollten. Holunderblütentee gilt als traditionelles Hausmittel bei Erkältungen. Ungeöffnet und kühl sowie dunkel gelagert hält sich der Sirup in der Regel mehrere Monate.

Vorschaubild: © Aritha/Pixabay