Druckartikel: Hähnchenfleisch nicht waschen: Experten warnen vor Küchenfehler

Hähnchenfleisch nicht waschen: Experten warnen vor Küchenfehler


Autor: Alexander Böhm

Deutschland, Sonntag, 11. Oktober 2026

Viele waschen Hähnchenfleisch vor dem Braten, doch das ist kontraproduktiv. Experten rat von dem verbreiteten Küchen-Fehler ab und empfehlen ein anderes Vorgehen.


Rohes Hähnchenfleisch vor der Zubereitung unter fließendem Wasser abzuspülen, klingt zunächst hygienisch. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen verbreiteten und womöglich fatalen Küchen-Fehler. Denn das Waschen kann Krankheitserreger in der Küche verteilen und damit das Infektionsrisiko erhöhen. Sicherer ist es, das Fleisch direkt zu verarbeiten und vollständig durchzugaren.

Warum man rohes Hähnchenfleisch vor dem Braten nicht waschen sollte

Auf rohem Geflügel können Krankheitserreger wie Campylobacter und Salmonellen vorkommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät deshalb ausdrücklich, Geflügelfleisch nicht abzuwaschen, da sich Keime über Spritzwasser verteilen können. Beim Abspülen können Erreger auf die Spüle, Hände, Arbeitsflächen oder Küchenutensilien gelangen. "Durch das Abspülen unter dem Wasserhahn können sich mögliche Bakterien auf die Hände übertragen und durch Wasserspritzer auf den Arbeitsflächen und sogar den Wänden verbreiten", warnen auch die Experten der Verbraucherzentrale NRW.

Kritisch wird das besonders dann, wenn die Keime anschließend auf Lebensmittel übertragen werden, die nicht mehr erhitzt werden, etwa Salat. Das Robert-Koch-Institut nennt die Vermeidung solcher Kreuzkontaminationen als wichtige Schutzmaßnahme gegen Campylobacter-Infektionen. Rohes Geflügel und verzehrfertige Lebensmittel sollten deshalb möglichst getrennt vorbereitet werden.

Campylobacter ist laut dem BfR der häufigste Erreger bakterieller Darminfektionen in Deutschland. Jährlich werden dem RKI rund 40.000 bis 50.000 Erkrankungen gemeldet. Ob Geflügel belastet ist, lässt sich weder am Aussehen noch am Geruch erkennen.

Wie man Hähnchen stattdessen vorbereitet

Das BfR empfiehlt, rohes Geflügel direkt zu verarbeiten. Ist die Oberfläche sehr feucht, kann sie mit Küchenpapier abgetupft werden. Das Papier gehört danach sofort in den Müll. So lässt sich überschüssige Flüssigkeit entfernen, ohne sie mit Spritzwasser in der Umgebung zu verteilen.

Besondere Vorsicht ist auch bei tiefgekühltem Geflügel nötig. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, es im Kühlschrank aufzutauen und die austretende Flüssigkeit aufzufangen. Auftauwasser darf nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Tiefkühlen macht belastetes Fleisch außerdem nicht keimfrei, da Campylobacter dadurch zwar reduziert, aber nicht zuverlässig abgetötet werden.

Frisches Geflügel sollte laut BfR bei höchstens vier Grad Celsius gelagert und bis zum Verbrauchsdatum verarbeitet werden. Im Kühlschrank gehört es so verpackt, dass austretende Flüssigkeit keine anderen Lebensmittel erreicht. Sinnvoll ist dafür ein möglichst tiefer Platz im Kühlschrank, damit nichts auf darunter gelagerte Lebensmittel tropfen kann.

Hygiene ist beim Kochen oberstes Gebot

Nach Kontakt mit rohem Geflügel sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden. Messer, Schneidebretter und andere benutzte Utensilien müssen vor der nächsten Verwendung mit warmem Wasser und Spülmittel gereinigt werden. Gegartes Fleisch sollte zudem nicht auf einen ungewaschenen Teller zurückgelegt werden, auf dem zuvor das rohe Hähnchen lag. Gerade solche kleinen Trennungen machen die Hygiene beim Kochen deutlich sicherer.

Den eigentlichen Schutz vor möglicherweise vorhandenen Krankheitserregern übernimmt die Hitze. Nach Empfehlung des BfR sollte Geflügelfleisch im Inneren mindestens 70 Grad Celsius für zwei Minuten erreichen. Im Zweifel lässt sich das mit einem Fleischthermometer kontrollieren. Ein Abwaschen kann diesen Schritt nicht ersetzen.

Ein weiterer beliebter Küchen-Fehler ist das Aufhängen des feuchten Spüllappens am Wasserhahn. Doch auch hier gilt: Was praktisch wirkt, ist für die Küchenhygiene keine gute Lösung.