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Gefährlicher Küchenfehler: Hähnchenfleisch niemals waschen


Autor: Alexander Böhm

Deutschland, Dienstag, 20. Oktober 2026

Viele waschen Hähnchenfleisch vor dem Braten – dabei ist das riskant. Experten warnen: Keime können sich durch Wasser in der Küche verbreiten.
Das Abspülen von rohem Hähnchenfleisch vor der Verarbeitung erscheint zunächst sinnvoll, ist jedoch ein weit verbreiteter und potenziell gefährlicher Fehler in der Küche.


Rohes Hähnchenfleisch vor der Zubereitung unter fließendem Wasser abzuspülen, wirkt auf den ersten Blick hygienisch. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um einen verbreiteten und womöglich fatalen Küchen-Fehler. Das Waschen kann Krankheitserreger in der Küche verteilen und so das Infektionsrisiko erhöhen. Sicherer ist es, das Fleisch direkt zu verarbeiten und vollständig durchzugaren.

Rohes Hähnchenfleisch nicht waschen: Gründe und Risiken

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät ausdrücklich, Geflügelfleisch vor dem Verarbeiten nicht abzuwaschen, da sich Keime über Spritzwasser verteilen können. Beim Abspülen können Erreger auf die Spüle, Hände, Arbeitsflächen oder Küchenutensilien gelangen. "Durch das Abspülen unter dem Wasserhahn können sich mögliche Bakterien auf die Hände übertragen und durch Wasserspritzer auf den Arbeitsflächen und sogar den Wänden verbreiten", warnen auch die Experten der Verbraucherzentrale NRW.

Besonders problematisch wird es, wenn die Keime anschließend auf Lebensmittel übertragen werden, die nicht mehr erhitzt werden, etwa Salat. Das Robert-Koch-Institut nennt die Vermeidung solcher Kreuzkontaminationen als wichtige Schutzmaßnahme gegen Campylobacter-Infektionen. Rohes Geflügel und verzehrfertige Lebensmittel sollten deshalb möglichst getrennt vorbereitet werden.

Den Angaben des BfR zufolge ist Campylobacter der häufigste Erreger bakterieller Darminfektionen in Deutschland. Dem RKI werden jährlich rund 40.000 bis 50.000 Erkrankungen gemeldet. Eine Belastung von Geflügel ist weder am Aussehen noch am Geruch erkennbar. Wie verbreitet die Campylobacter-Belastung bei Supermarkt-Hühnchen ist, zeigt eine Untersuchung von 13 Hähnchenproben aus Discountern, Supermärkten, Frischetheken und Metzgereien: Sechs davon waren mit Campylobacter belastet. Ein Ratgeber zu Keimen in Lebensmitteln gibt zudem einen Überblick über Salmonellen, Noroviren und Schimmelpilze und zeigt, wie sich das Risiko minimieren lässt.

Hähnchen richtig vorbereiten: Tipps zum Abtupfen, Auftauen und Lagern

Laut BfR sollte rohes Geflügel direkt verarbeitet werden. Ist die Oberfläche sehr feucht, lässt sie sich mit Küchenpapier abtupfen, das danach sofort in den Müll gehört. So wird überschüssige Flüssigkeit entfernt, ohne sie mit Spritzwasser in der Umgebung zu verteilen.

Auch tiefgekühltes Geflügel erfordert besondere Vorsicht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, es im Kühlschrank aufzutauen und die austretende Flüssigkeit aufzufangen. Auftauwasser darf dabei nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Tiefkühlen macht belastetes Fleisch außerdem nicht keimfrei, denn Campylobacter wird dadurch zwar reduziert, aber nicht zuverlässig abgetötet.

Bei höchstens vier Grad Celsius sollte frisches Geflügel laut BfR gelagert und bis zum Verbrauchsdatum verarbeitet werden. Im Kühlschrank muss es so verpackt sein, dass austretende Flüssigkeit keine anderen Lebensmittel erreicht. Ein möglichst tiefer Platz im Kühlschrank ist dafür sinnvoll, damit nichts auf darunter gelagerte Lebensmittel tropfen kann.

Küchenhygiene beim Hähnchen: Diese Maßnahmen schützen vor Keimen

Im Alltag sind vor allem folgende Punkte entscheidend:

  • Die Hände nach Kontakt mit rohem Geflügel gründlich mit Wasser und Seife waschen
  • Messer, Schneidebretter und andere benutzte Utensilien vor der nächsten Verwendung mit warmem Wasser und Spülmittel reinigen
  • Gegartes Fleisch nicht auf einen ungewaschenen Teller zurücklegen, auf dem zuvor das rohe Hähnchen lag

Gerade solche kleinen Trennungen machen die Hygiene beim Kochen deutlich sicherer. Der eigentliche Schutz vor möglicherweise vorhandenen Krankheitserregern liegt in der Hitze. Nach Empfehlung des BfR sollte Geflügelfleisch im Inneren mindestens 70 Grad Celsius für zwei Minuten erreichen. Bei Unsicherheit lässt sich dies mit einem Fleischthermometer kontrollieren. Ein Abwaschen kann diesen Schritt nicht ersetzen.

Campylobacter-Infektion erkennen: typische Symptome

Eine Campylobacter-Infektion äußert sich typischerweise durch Durchfall, der teils auch blutig sein kann, sowie durch Bauchschmerzen, Fieber, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Beschwerden treten in der Regel zwei bis fünf Tage nach dem Verzehr eines belasteten Lebensmittels auf und klingen meist innerhalb weniger Tage wieder ab.

Treten solche Symptome auf, sollte zeitnah ein Arzt aufgesucht werden, vor allem bei blutigem Durchfall, hohem Fieber oder anhaltenden Beschwerden. Selten können Campylobacter-Infektionen auch Erkrankungen des Nervensystems nach sich ziehen. Bei Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung ist daher ein zeitnaher Arztbesuch ratsam.

Ein weiterer beliebter Küchen-Fehler ist das Aufhängen des feuchten Spüllappens am Wasserhahn. Doch auch hier gilt: Was praktisch wirkt, ist für die Küchenhygiene keine gute Lösung.