Gastwirt rechnet mit Gästen ab - fränkischer Experte ordnet Online-Debatte ein
Autor: Karin Seibold
61476 Kronberg, Montag, 26. Oktober 2026
"Danke für nichts" - mit diesen Worten rechnet ein Gastwirt online mit Gästen ab, die eine große Reservierung zehn Minuten vorher abgesagt haben. Mit seinem Post geht er viral, hat schon hunderte Kommentare provoziert. Und ein fränkischer Experte gibt dem Kollegen aus Kronberg im Taunus Recht.
"An die zehn Gäste, die spontan entschieden haben, nicht zu kommen", beginnt der Post, den das Wirtshaus aus Hessen vor ein paar Tagen auf Facebook veröffentlicht hat. Für 20 Uhr sei für die zehn Personen reserviert gewesen, schreibt der Wirt weiter - um 19.50 Uhr hätten sie telefonisch mitgeteilt, dass sie nicht kommen würden. Und er erklärt auch im Namen seiner Mitarbeiter: "Offen gestanden fehlt uns für solches Verhalten jegliches Verständnis."
Die Mitarbeiter des betroffenen "Gasthaus zum grünen Wald" hätten andere Gäste wegschicken müssen, um die reservierten Plätze freihalten zu können. "Eine Reservierung ist für uns schließlich nicht einfach nur ein Eintrag im Reservierungsbuch. Sie bedeutet Planung, Vorbereitung, Personaleinsatz und nicht zuletzt auch wirtschaftliche Verantwortung", schreibt der Wirt.
Auf Facebook wird der Fall in alle Richtungen diskutiert
"Das ist mehr als ärgerlich", pflichtet ihm auch eine Nutzerin auf Facebook bei. "Wenn 10 Gäste nicht kommen, haut das locker ein Loch von 300 Euro in die Kasse", schreibt auch eine andere Frau. "Also, für mich ist es selbstverständlich, rechtzeitig abzusagen", erklärt auch eine weitere. Und eine schreibt: "Wie wäre der Aufschrei groß, hätte der Gastronom 10 Minuten vorher abgesagt." Doch andere Nutzer verstehen den Frust des Wirtes nicht. Den Gästen könnte ja spontan etwas dazwischengekommen sein, mutmaßen sie. "Unfall, Trauerfall oder ähnliches", glaubt einer. Und eine Frau fragt: "Habt ihr ansonsten nur zwei Gäste pro Abend, dass der Wegfall der zehn Personen so ein großes Drama ist?"
Kollegen in Franken verstehen den Frust des hessischen Wirts
Doch auch Florian Rose, Regionalgeschäftsführer Franken des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA in Nürnberg, pflichtet dem enttäuschten Wirt aus Hessen bei. Auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern erklärt er: "Ja, den Ärger kann ich absolut nachvollziehen. Wir beobachten eine deutliche Zunahme von Reservierungen, bei denen Gäste ohne Absage nicht oder nur teilweise erscheinen. Dass Wirte darüber frustriert sind, ist verständlich." Eine so kurzfristige Stornierung seit damit nahezu gleichzusetzen, erklärt Rose. Natürlich könne "immer mal etwas dazwischen kommen", dafür habe jeder Verständnis. "Aber in dieser Häufigkeit ist das keine Wertschätzung der harten Arbeit unserer Gastronomen gegenüber."
Deshalb sind verfallene Reservierungen für Wirte ein Problem
Kurz zuvor abgesagte oder gar einfach nicht wahrgenommene Reservierungen seien für Gastwirte ein großes Problem. Denn so kurzfristig könne ein Tisch nur noch im Ausnahmefall besetzt werden. Die Folgen fasst Rose zusammen: "Der Tisch bleibt leer, der Umsatz fällt aus, aber Personal- und Warenkosten entstehen trotzdem. Zudem wird anderen Gästen die Möglichkeit genommen, den Tisch zu reservieren."
Er wünsche sich deshalb von Gästen gegenüber den Wirtsleuten "mehr Verbindlichkeit und Fairness". Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme sei für alle Beteiligten wichtig und richtig.