Fleisch-Problem trifft Millionen Kunden - Supermärkte schlagen Alarm
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Deutschland, Mittwoch, 25. März 2026
Viele deutsche Supermärkten und Metzgereien stehen vor einem massiven Problem beim Fleischverkauf, dass sich immer weiter zuspitzt.
Sie verarbeiten Fleisch, beraten Kunden und werden dringend gesucht: In keiner anderen Berufsgruppe ist der Fachkräftemangel zuletzt so stark angestiegen wie bei Fleischfachverkäufern. Dies zeigt eine Untersuchung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2025 konnten durchschnittlich 4665 Stellen nicht mit qualifizierten Bewerbern besetzt werden - etwa 40 Prozent mehr als im Vorjahr.
"So viele wie nie zuvor", sagt Kofa-Experte Jurek Tiedemann. Der Mangel ist vielerorts offensichtlich. "Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir: Freundliche, zuverlässige und engagierte Mitarbeiter/-innen in Teilzeit/Vollzeit für", heißt es auf einem Schild an der Fleischtheke in einer Edeka-Filiale im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort.
Aus diesen Gründen will kaum noch jemand Fleischfachverkäufer werden
Auch andere Supermärkte werben auf diese Weise um Personal. Ein Grund ist der demografische Wandel. 2024 war mehr als ein Drittel der Fleischfachverkäufer über 55 Jahre alt und damit kurz vor dem Ruhestand. Der hohe Anteil älterer Mitarbeiter erhöht den Bedarf, während gleichzeitig wenig Nachwuchs nachkommt. Von 2017 bis 2024 sank die Zahl der Beschäftigten um rund 19 Prozent. Fleischfachverkäufer arbeiten hauptsächlich in Supermärkten und Metzgereien. Zur Berufsgruppe zählen unter anderem Fleisch- und Wurstwarenverkäufer sowie Metzgereifachverkäufer. Fast jede Branche sucht Auszubildende, sagt Reinhard von Stoutz, Geschäftsführer vom Deutschen Fleischerei-Verband.
Die Bereitschaft sinkt. "Dies kann damit zusammenhängen, dass es oftmals gerade in Verkaufsberufen möglich ist, sofort Geld zu verdienen, anstatt drei Jahre lang nur eine Ausbildungsvergütung zu bekommen." Zudem sind immer weniger Menschen bereit, eine Ausbildung mit frühen oder Wochenendarbeitszeiten zu beginnen. Gleichzeitig existieren falsche Vorstellungen von dem Beruf. Die Betriebe spüren den Mangel laut von Stoutz deutlich. "Wir sehen dies auch an einem überdurchschnittlich hohen Rückgang der Metzgerei-Filialen." Oft reicht das Personal nicht aus, um alle Theken zu besetzen.
Die Supermarktketten haben im Internet mehrere Tausend Stellen für ihre Bedientheken ausgeschrieben. Dierk Frauen, Edeka-Kaufmann aus Schleswig-Holstein, sagt: "Neue Fachkräfte sind kaum zu finden. Wir mussten das Lohnniveau anpassen, sonst würden wir keine Leute bekommen." Er setzt auf Quereinsteiger und Auszubildende. Viele junge Leute, die zunächst abgeneigt seien, fänden Gefallen an der Arbeit an der Theke, sagt Frauen. Dass der Beruf nicht mehr so attraktiv sei, liege auch am Image des Fleischkonsums. "Wir haben ein Nachwuchsproblem", sagt auch Karsten Pabst, Geschäftsführer von Edeka Hieber.
45 Prozent der Deutschen essen weniger Fleisch - Frischetheken in der Krise
Etwa 2300 der bundesweit 3800 Rewe-Märkte haben nach Unternehmensangaben Bedientheken für Fleisch, Wurst und Käse. Bei Edeka sind es nahezu alle der rund 7000 Filialen. Zusätzlich bieten die Ketten Fleischprodukte auch im Selbstbedienungsbereich an. Bedientheken sind auch in den meisten der 780 Kaufland-Filialen zu finden. Mangels Personal setzen einige Händler auf Mischformen und flexiblere Ladenbaukonzepte. An sogenannten hybriden Theken, die in Randzeiten auch ohne Personal auskommen, können Waren auch zur Selbstbedienung angeboten werden. Mangels Personal werden die Öffnungszeiten der Theken teilweise eingeschränkt. Eine YouGov-Umfrage vom Februar zeigt: 26 Prozent bevorzugen beim Kauf von Fleisch- oder Wurstwaren im Supermarkt die bediente Theke, 32 Prozent den SB-Bereich, 26 Prozent haben keine Präferenz.
12 Prozent kaufen die entsprechenden Produkte gar nicht. Das Konsumverhalten hat sich verändert, in Deutschland wird weniger Fleisch konsumiert als früher. Laut YouGov stieg der Anteil derer, die bewusst den Verzehr reduzieren, zwischen 2019 und 2022 von gut 38 auf fast 47 Prozent. Seitdem ist er wieder leicht zurückgegangen, auf zuletzt 45 Prozent. Laut dem Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums nehmen 24 Prozent täglich Fleisch oder Wurst zu sich, 2015 waren es noch 34 Prozent. Viele entscheiden sich für eine vegane oder vegetarische Ernährungsweise, was mit Tierschutzgründen sowie Umwelt- und Klimaschutz begründet wird. Allerdings stehen Ersatzprodukten viele Menschen kritisch gegenüber: Wie gesund ist Pflanzenwurst wirklich?