"Erstes Jahr ohne Osterhasen": Supermarkt verbannt Traditions-Süßware
Autor: Julian Drescher, Agentur dpa
Hamburg, Samstag, 28. März 2026
Schoko-Osterhasen sind heuer extrem teuer, viele Kunden sind wütend. Jetzt zieht der erste Einzelhändler Konsequenzen.
Schokolade gehört für viele Menschen zu Ostern. Doch was jahrzehntelang selbstverständlich im Osternest lag, wird für viele Verbraucher inzwischen zur Kostenfrage. Die Preise für Schoko-Osterhasen der großen Marken sind in diesem Jahr je nach Größe und Hersteller 7 bis 29 Prozent höher als noch vor einem Jahr.
Besonders der Lindt-Goldhase steht dabei im Fokus. Der glänzende Schoko-Klassiker mit dem roten Halsband ist seit Jahrzehnten eines der bekanntesten Osterprodukte überhaupt. Dass Schoko-Osterhasen 2026 für viele Verbraucher kaum noch erschwinglich sind, zeigt sich inzwischen auch im Handel. Ein Supermarktchef hat jetzt die Konsequenz gezogen.
Preis-Anstieg von 29 Prozent: Dieser Supermarkt schmeißt Schoko-Hase aus Regalen
Tarik Sarikaya betreibt in Hamburg den Nachbarschaftsmarkt "nah&frisch". In diesem Jahr suchen seine Kunden den Lindt-Goldhasen vergeblich im Regal. Wie er gegenüber der Bild erklärte, ist es "das erste Jahr ohne den Osterhasen" - eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen sei. Die unverbindliche Preisempfehlung für den Lindt-Goldhasen sei laut Sarikaya im Vergleich zum Vorjahr von 6,99 Euro auf 8,99 Euro gestiegen - ein Anstieg von rund 29 Prozent. Seine Beobachtung aus dem Laden: Kunden nähmen den Hasen in die Hand, schüttelten den Kopf und stellten ihn zurück. Am Ende bleibe er auf rund 30 Prozent der Ware sitzen. Die Reaktionen seiner Stammkundschaft auf den Verzicht seien jedoch positiv - alle hätten Verständnis.
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Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte Lindt mit, man sei sich bewusst, "dass Preisänderungen für Verbraucher und Handelspartner ein sensibles Thema sind". Hintergrund: Der Kakaopreis war 2024 zeitweise auf mehr als 10.000 Euro pro Tonne explodiert - inzwischen liegt er wieder bei knapp 2600 Euro, also etwa auf Vorkrisenniveau von 2023. Doch die Preise für Schoko-Osterhasen sind in diesem Jahr trotzdem weiter gestiegen. Lindt verweist auf langfristige Einkaufsverträge - die Lager seien noch mit teureren alten Lieferungen gefüllt.
Mit kräftigen Preiserhöhungen von gruppenweit 19 Prozent machte Lindt im vergangenen Jahr zwar deutlich mehr Gewinn - der Reingewinn lag 8,1 Prozent höher bei 726,7 Millionen Franken (806 Mio. Euro). Doch die Kaufzurückhaltung wächst: Laut dem Marktforscher NIQ sank der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten bereits im Ostergeschäft 2025 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent. Wie der Absatz 2026 ausfallen wird, steht noch aus. Günstigere Alternativen finden Verbraucher derweil bei den Eigenmarken der Discounter - ob Aldi, Lidl oder Norma: Discount-Schokolade hat in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt.