"Eberwalder"-Bratwurstfabrik schließt - "verlieren Job über Nacht"
Autor: Daniel Krüger, Agentur dpa
Britz, Freitag, 30. Januar 2026
Eine berühmte deutsche Bratwurst-Fabrik wird nach der Übernahme durch die Tönnies-Gruppe geschlossen. Jetzt äußert sich der Konzern zu harten Vorwürfen.
Fast 50 Jahre lang wurden in Britz bei Eberswalde, rund 50 Kilometer nordöstlich von Berlin, Fleisch- und Wurstwaren unter der Marke Eberswalder hergestellt. Berühmt sind vor allem die Rostbratwürste mit und ohne Darm, die deutschlandweit auf vielen Grills landen.
Seit 1977 prangt der Schriftzug "Das Original aus Brandenburg" über dem Fabriktor, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Doch nun steht das Ende bevor: Die Premium Food Group, kontrolliert von Clemens Tönnies und seiner Familie, gibt die Produktion am Standort Ende Februar auf. Ein Hersteller von Nürnberger Rostbratwürsten wurde derweil an einen chinesischen Konzern verkauft.
500 Arbeitsplätze bei Eberswalder Wurstwerken fallen weg - "unterste Schublade"
Bereits bei der Übernahme durch die Zur Mühlen Gruppe im Juni 2023 hätten viele Beobachter mit dieser Entwicklung gerechnet, zitiert die FAZ langjährige Kenner des Werks. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft dem Konzern Wortbruch vor. "Er hat gewusst, worauf er sich einlässt – und versprochen, den Betrieb zu erhalten", erklärt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Landesbezirk Ost, laut Bauernzeitung. Die Übernahme sei damals "die einzige Alternative zur Schließung gewesen. Alle wussten: Tönnies oder Stilllegung."
Nach Angaben der FAZ rechtfertigt das Unternehmen die Schließung mit dem erheblichen Modernisierungsbedarf. Die mit Ammoniak betriebene Kälteanlage müsse für einen zweistelligen Millionenbetrag erneuert werden. Weitere technische Anlagen benötigten ebenfalls eine kostspielige Modernisierung. Die NGG bestätigt diese Darstellung grundsätzlich. "Die Größenordnung stimmt", sagt Ledwig zur Bauernzeitung und beziffert den Investitionsbedarf auf "mindestens 20 Millionen Euro". Ausschlaggebend sei vor allem die veraltete Kälteanlage, zudem sei der Energiebedarf des Werks "immens hoch".
Mehr als 500 Arbeitsplätze fallen demnach weg. Die Beschäftigten erhalten laut FAZ lediglich ein Viertel eines Bruttomonatsgehalts pro Beschäftigungsjahr als Abfindung. "Die Art und Weise macht es noch schlimmer: Die Leute nach 45 Jahren mit 15.000 Euro brutto nach Hause zu schicken, das ist unterste Schublade und eines Milliardärs unwürdig", kritisiert Ledwig gegenüber der Zeitung. Die niedrigen Abfindungen sind offenbar rechtlich möglich, weil die Zur Mühlen Gruppe bei der Übernahme 2023 eine neue Gesellschaft gründete. NGG-Vertreter Ledwig sieht einen Zusammenhang mit der Übernahme des Produzenten The Family Butchers durch Tönnies im vergangenen Jahr. "Da war mir klar: Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis Eberswalde stillgelegt wird", wird er in der Bauernzeitung zitiert.
So reagieren Kunden und Angestellte auf die Schließung - "Osten wird plattgemacht"
Sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Kunden herrscht laut einem Bericht des RBB Wut, Frust und Resignation. "Wie immer im Osten – wenn uns ein Wessi aufkauft, dann wird meistens der Osten platt gemacht", wird ein Kunde zitiert. Eine Kundin berichtet davon, dass Angestellte nach vielen Jahren wieder Bewerbungen schreiben müssen und Pendler aus dem Nachbarland Polen, die "über Nacht ihren Job verlieren".
Derweil wehrt sich das Unternehmen gegen die harten Vorwürfe der Gewerkschaften. Die Schließung des Werks sei kein Plan, der bereits beim Aufkauf festgestanden habe. Dies sei "eindeutig falsch", zitiert der RBB einen Sprecher. "Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehrere Millionen Euro investiert, in Produktionsanlagen, in neue Sortimente - dafür zwischenzeitlich auch zusätzlich Beschäftigte angestellt - sowie in Marketing und Vertrieb", heißt es in dem Bericht.