"Deutschland-Korb": SPD erntet harte Kritik für Lebensmittel-Plan
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Deutschland, Dienstag, 13. Januar 2026
Die Preise für Lebensmittel haben in den vergangenen Jahren stark angezogen. Doch ein "Deutschland-Korb", den die SPD fordert, lehnen viele ab.
Das Thema bleibt den Konsumenten nicht erspart - die Angelegenheit mit den Preisen. Lebensmittel sind seit 2020 laut Statistischem Bundesamt um etwa 37 Prozent teurer geworden. Für den Wocheneinkauf, der vor mehr als fünf Jahren noch 100 Euro kostete, sind mittlerweile im Schnitt 137 Euro fällig.
Viele Menschen reagieren darauf, indem sie Preise vergleichen und gezielt nach günstigen Angeboten suchen. Ihnen bleibt ja keine andere Wahl. Oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Wie zuvor bereits die Grünen hat in dieser Woche auch die mitregierende SPD ins Gespräch gebracht, dass Handelsketten freiwillig einen "Deutschlandkorb" anbieten könnten - einen Warenkorb mit preiswerten und preisstabilen, in Deutschland produzierten Grundnahrungsmitteln.
SPD-Vorstoß: Das halten Ökonomen vom "Deutschland-Korb"
Ziel soll es sein, Verbraucher zu entlasten. Was ist davon zu halten? Der Anteil der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches sei zuletzt nicht gestiegen, sagt Maximilian Stockhausen, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft. Ein außergewöhnlich hohes Niveau, das einen so umfassenden staatlichen Eingriff rechtfertigen würde, sieht er nicht. Im Durchschnitt aller Haushalte wurden 2023 demnach etwa 14,4 Prozent der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches aufgewendet, 1998 waren es 14 Prozent.
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Die Daten basieren auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und werden nur alle fünf Jahre erhoben, zuletzt 2023. Nach dem starken Inflationsanstieg 2022 und 2023 hat sich der Preisdruck inzwischen deutlich abgeschwächt. Bei Haushalten mit einem verfügbaren Haushaltseinkommen unter 1300 Euro im Monat lag der Anteil 2023 bei rund 18 Prozent, 2018 bei 17,5 Prozent. Gestiegene Löhne und erhöhte Transferleistungen wie die Grundsicherung oder das Wohngeld hätten die entstandene Kaufkraftlücke weitgehend schließen können, so Stockhausen. Auch Kai Hudetz, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln, ist nicht überzeugt von der Idee. "Ein zusätzliches Angebot erscheint wenig hilfreich."
Discounter und Supermärkte böten insbesondere mit ihren Eigenmarken bereits ein breites Sortiment an vergleichsweise günstigen Lebensmitteln an. "Wir sehen, dass Konsumenten aktuell über eine Kombination aus Dauerniedrigpreisen und Aktionspreisen ihren Einkauf optimieren." Ob ein "Deutschlandkorb" überhaupt als attraktiv empfunden würde, sei fraglich. Kunden seien bei der Auswahl zudem anspruchsvoller geworden. Kunden kaufen wegen der gestiegenen Preise besonders preisbewusst ein, Sonderangebote gewinnen an Bedeutung. Knapp 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehen dafür laut einer YouGov-Umfrage deshalb häufig oder gelegentlich in Geschäfte, in denen sie sonst nicht einkaufen.
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Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband zeigt: 58 Prozent der Befragten machen sich Sorgen wegen der steigenden Lebenshaltungskosten. Lebensmittel sind der Bereich, in dem die Preissteigerungen am stärksten gespürt werden. "Nahrungsmittelpreise stehen besonders im Fokus der Wahrnehmung, was ein Grund dafür ist, dass die mittelfristige Inflationsentwicklung häufig überschätzt wird", sagt Silke Tober, geldpolitische Expertin beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.
Die Lebensmittelpreise hierzulande seien im internationalen Vergleich weiterhin günstig. Ein Appell an die Händler dürfte angesichts des hohen Wettbewerbs wenig bewirken. Auch Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVLH, weist den Vorschlag zurück: "Die Angebote im Lebensmittelhandel stellen tagtäglich das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Die deutschen Händler kämpfen permanent mit Angeboten um die preissensiblen Kunden." Statt Verbraucher zu verunsichern und in Märkte einzugreifen, solle die Politik Verbraucher und Wirtschaft entlasten.