Briefporto 2027: Rekord-Erhöhung um 20 Prozent geplant
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Montag, 12. Oktober 2026
Die Bundesnetzagentur plant eine Rekord-Portoerhöhung: Briefe könnten 2027 um über 20 Prozent teurer werden. Auch Pakete sind betroffen.
Das Briefporto in Deutschland soll erneut steigen, und zwar so kräftig wie nie zuvor – die Ein-Euro-Marke wird wohl erstmals fallen. Die Bundesnetzagentur hat am Montag, 12. Oktober 2026, in Bonn ihren Plan veröffentlicht, wonach die Gebühr für die Briefzustellung zum Januar 2027 im Schnitt um gut 20 Prozent steigen kann. Pakete dürften ebenfalls spürbar teurer werden.
Rekord-Preissprung bei Porto möglich: Was ein Brief ab Januar 2027 kosten könnte
Im Mittelpunkt der Planungen steht der sogenannte Preis-Erhöhungsspielraum. Dieses regulatorische Instrument legt fest, um wie viel Prozent die Deutsche Post ihre Produkte im Durchschnitt verteuern darf. Der jetzt veröffentlichte Wert von 20,35 Prozent ist zunächst ein Entwurf der Bundesnetzagentur.
Doch die bisherige Erfahrung zeigt: Den von der Behörde eingeräumten Spielraum hat der Konzern in der Vergangenheit stets voll ausgeschöpft, zuletzt 2025 mit 10,48 Prozent Preiserhöhung als bisherigem Höchstwert. Welche einzelne Briefart dann konkret wie teuer wird, entscheidet die Post anschließend selbst – sie muss dabei lediglich im Durchschnitt aller Briefsendungen innerhalb des genehmigten Rahmens bleiben.
Laut Tagesschau.de würde ein gleichmäßig auf alle Briefarten angewandter Aufschlag den Standardbrief erstmals über die symbolträchtige Ein-Euro-Marke heben – auf rechnerisch 1,14 Euro. "Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise", erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, zur Begründung. Wie die Post den Spielraum tatsächlich verteilen wird, bleibt abzuwarten. Möglich sind verschiedene Szenarien:
- Szenario 1 – Gleichmäßige Verteilung: Würde die Post die theoretisch mögliche Erhöhung von 20,35 Prozent gleichmäßig auf alle Briefarten anwenden, läge der Standardbrief (bis 20 Gramm) ab Januar 2027 bei rechnerisch 1,14 Euro statt der aktuellen 95 Cent.
- Szenario 2 – Fünf-Cent-Schritte: Erfahrungsgemäß rundet die Post gerne auf glatte Beträge. Bei Fünf-Cent-Schritten wären somit 1,10 Euro oder 1,15 Euro für den Standardbrief denkbar.
- Szenario 3 – Unterschiedliche Staffelung: Die Post könnte den Standardbrief auch moderat anheben (zum Beispiel auf 1,10 Euro) und dafür bei anderen Briefarten wie Kompakt-, Groß- oder Maxibriefen stärker zuschlagen, um den Durchschnittswert von 20,35 Prozent zu erreichen.
Chronik: So entwickelten sich die Briefpreise seit 2000
Ein Blick auf die Entwicklung der Portopreise seit der Jahrtausendwende zeigt, dass die Post gerade in den vergangenen zehn Jahren gerne an der Preisschraube dreht. Zwischen 2003 und 2012 blieb der Standardbrief unverändert bei 55 Cent, seit 2013 steigt er in Stufen. Die einzige Senkung erfolgte 2002 durch die Rundung im Zuge der Euro-Einführung auf 55 Cent, wie das Verbrauchermagazin Dr. Web dokumentiert hat. Gegenüber 2003 kostet der Standardbrief heute rund 73 Prozent mehr. Wer es beim Briefversand besonders eilig hat, kann zwar einen Prio-Brief versenden, doch dieser fristet ein Nischendasein und wurde durch die seit 2025 geltende Mehrwertsteuerpflicht deutlich teurer.
- 2000: Briefporto bei 110 Pfennig, parallel 56 Cent (Doppelwährung)
- 2002: Euro-Umstellung, Abrundung von 56 auf 55 Cent – die einzige Portosenkung der jüngeren Geschichte
- 2003 bis 2012: 55 Cent, unverändert über neun Jahre – die längste Stabilitätsphase
- 2016: 70 Cent (plus acht Cent gegenüber 2015)
- 2019: 80 Cent (plus zehn Cent) – laut T-Online der größte Einzelsprung bis dahin
- 2022: 85 Cent (plus fünf Cent), Bundesnetzagentur-Spielraum für 2022 bis 2024 bei 4,6 Prozent
- 2025: 95 Cent (plus zehn Cent, rund zwölf Prozent) – Prio-Brief, Einschreiben Eigenhändig und Nachnahme entfallen
- 2026: 95 Cent (unverändert)
- 2027 (geplant): rechnerisch 1,14 Euro bei gleichmäßiger Anwendung des Erhöhungsspielraums von 20,35 Prozent