Warnung vor Kerosin-Engpass: Ist der Sommerurlaub in Gefahr?
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Sonntag, 19. April 2026
Wegen des Iran-Kriegs droht Europa ein Kerosin-Engpass zur Hauptreisezeit. Airlines wie KLM und SAS streichen bereits Flüge, die Lufthansa legt 27 Maschinen still – und die Preise explodieren.
Ausgerechnet jetzt, kurz vor der Hauptreisezeit, droht dem europäischen Luftverkehr ein Problem von historischem Ausmaß: ein massiver Kerosin-Engpass. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnt eindringlich vor spürbaren Einschnitten im Flugangebot – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Millionen Menschen ihren Sommerurlaub gebucht haben. Die Ursache liegt Tausende Kilometer entfernt: Der Iran-Krieg hat mehr als 80 Produktionsanlagen im Nahen Osten beschädigt, die Straße von Hormus ist blockiert, und 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dem Mittleren Osten sind weggebrochen.
Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Laut IEA-Chef Fatih Birol reichen die Kerosin-Vorräte in Europa nur noch für etwa sechs Wochen – eine Prognose, die selbst Branchenkenner erschüttert. Während die Lufthansa bereits 27 Flugzeuge stilllegt und Airlines wie KLM unrentable Verbindungen streichen, explodieren die Kerosinkosten auf bis zu 200 Dollar pro Barrel. Der BDL fordert nun einen Sieben-Punkte-Plan mit der Freigabe nationaler Reserven und zusätzlichen Durchleitungsrechten für das NATO-Pipeline-System. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Sommerurlaub 2026 tatsächlich in Gefahr ist.
Kerosin wird knapp: Luftverkehr vor kritischer Versorgungslage
Während die Sommerreisezeit unmittelbar bevorsteht, wächst die Besorgnis über einen drohenden Treibstoffmangel im europäischen Luftverkehr. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) schlägt Alarm: Stockende Kerosin-Lieferungen könnten schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.
"Das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen", betont BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang gegenüber der "Welt am Sonntag". Die Branche befürchtet gravierende Auswirkungen auf die wichtigste Reisephase des Jahres.
Die Versorgungskrise hat ihre Wurzeln im anhaltenden Iran-Konflikt. Wie schnell sich die Situation entspannt, hänge maßgeblich von der Kriegsdauer ab, so der BDL. Selbst bei einem raschen Ende der Kampfhandlungen rechnen Experten nur mit einer langsamen Normalisierung der Energiemärkte. Nach Angaben des BDL sind im Nahen Osten mehr als 80 Produktionsanlagen teilweise schwer beschädigt – eine kurzfristige Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau erscheint damit unrealistisch. Die Mineralölwirtschaft geht davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar sein werden.
IEA warnt: Nur noch sechs Wochen Reserve
Besonders alarmierend sind die Einschätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA). Deren Chef Fatih Birol erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Kerosin-Vorräte in Europa möglicherweise nur noch für etwa sechs Wochen reichen. Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen, warnte die in Paris ansässige IEA. Entscheidend sei, wie viel der ausgefallenen Lieferungen aus dem Mittleren Osten durch alternative Importe kompensiert werden könne. Bislang stammten 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dieser Region.
Die Blockade der Straße von Hormus durch die Kampfhandlungen hat die Lage zusätzlich verschärft. Durch diese strategisch wichtige Meerenge können kaum noch Tanker passieren, der dpa zufolge. IEA-Direktor Birol zeichnete ein düsteres Bild: "Ich kann Ihnen sagen, dass wir bald die Nachricht hören werden, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden." Er bezeichnete die aktuelle Situation als die größte Energiekrise mit massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.