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Von skurril bis eklig: Die schrägsten Spezialitäten weltweit


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Donnerstag, 30. April 2026

Skurril und eklig: Entdecke außergewöhnliche Spezialitäten weltweit – von fermentiertem Fisch über Madenkäse bis hin zu ungewöhnlichem Kaffee. Die Welt hat einiges zu bieten.
Fermentierter Hering hat einen nach Ammoniak und Säure duftenden Geschmack.


Essen verbindet Kulturen – doch manchmal sorgt es auch für ehrfürchtiges Staunen oder blankes Entsetzen. Was in einem Land als Feinschmecker-Delikatesse gilt, kann anderswo Kopfschütteln oder Übelkeit auslösen. Kuriositäten zeigen, wie weit die kulinarische Welt wirklich reicht. Viele solcher Gerichte haben tiefe kulturelle Wurzeln. Sie sind Teil alter Traditionen, religiöser Bräuche oder saisonaler Feste. Andere wiederum entstanden aus schlichtem Pragmatismus, als es darum ging, aus dem Mangel heraus alles Essbare zu verwerten. Heute faszinieren sie Reisende, Food-Blogger und Mutige gleichermaßen.

Zwischen Ammoniak und Maden: Was bieten Schweden, Italien und Co.?

In Surströmming (Schweden) gibt es eine Delikatesse mit gewöhnungsbedürftigem Duft. Kaum öffnet man die Dose, verbreitet sich ein Geruch, der selbst Einheimische auf Distanz bringt. Der fermentierte Hering wird monatelang in Salzlake vergoren, wodurch sich ein intensiver, nach Ammoniak und Säure duftender Geruch entwickelt. Wer ihn probieren möchte, sollte das am besten im Freien tun – und mit viel Brot, Zwiebeln und Mut.

Casu Marzu (Italien) stammt aus Sardinien und hat weltweite Bekanntheit erlangt – weniger wegen seines Geschmacks, sondern wegen seines Inhalts: lebende Maden. Der Käse wird absichtlich mit den Larven der Käsefliege infiziert, um einen besonders cremigen Geschmack zu erzielen. Traditionell gilt er als Zeichen von handwerklicher Reifekunst, doch offiziell ist er in der EU verboten.

Nicht ganz so bizarr, aber ebenfalls eigen ist Haggis (Schottland) – ein mit Innereien, Hafermehl und Gewürzen gefüllter Schafsmagen. In Schottland wird er mit Begeisterung beim jährlichen Burns Supper gefeiert. Geschmacklich erinnert Haggis an eine herzhafte Wurst mit rustikalem Charakter – ein anschauliches Beispiel dafür, wie kulturelle Bedeutung kulinarische Wahrnehmung verändern kann.

Zwischen Tabu und Tradition: Was gibt es in Asien zu entdecken?

In Asien liegen Genuss und Schock oft dicht beieinander. Balut (Philippinen) ist dafür das Paradebeispiel: ein angebrütetes Entenei, das mitsamt Embryo gekocht und gegessen wird. Was für westliche Gaumen grotesk bis brutal wirken mag, gilt auf den Philippinen als Stärkungsmittel und beliebter Snack für unterwegs.

Ein Klassiker der etwas anderen Art ist Kopi Luwak (Indonesien) – einer der teuersten Kaffees der Welt. Die Bohnen passieren zunächst den Verdauungstrakt der Zibetkatze und werden anschließend gereinigt und geröstet. Durch diesen Prozess entwickeln sie ihren typisch milden, erdigen Geschmack. Die Schattenseite: intensive Tierschutzdebatten, da viele Zibetkatzen in Gefangenschaft leben müssen.

Auf vielen asiatischen Märkten gehören frittierte Insekten längst zum Straßenbild. Ob Heuschrecken, Skorpione oder Seidenraupen – sie liefern hochwertiges Eiweiß und sind überraschend knusprig. Für Einsteiger werden sie oft mit Salz, Chili oder Sojasoße gewürzt – der perfekte Protein-Snack mit Nachhaltigkeitsfaktor.

Weiteres Extremes aus aller Welt: Wo ist giftiger Hai eine Spezialität?

Wer Island besucht, stößt unweigerlich auf Hákarl – fermentierten Grönlandhai. Der Fisch ist roh giftig, da sein Fleisch hohe Mengen an Harnstoff enthält. Durch monatelanges Fermentieren und Trocknen entsteht jedoch eine essbare, stark ammoniakhaltige Spezialität, die selbst Gordon Ramsay an seine Grenzen brachte.

In China steht etwas Feineres auf dem Speiseplan:  Schwalbennestsuppe. Sie wird aus den Nestern der Salanganen zubereitet – Vögel, die ihre Nester aus ihrem eigenen getrockneten Speichel bauen. Das Ergebnis ist eine zarte, gelatinöse Suppe, der viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden – ein echter Luxusartikel.

Nicht fehlen darf das Meerschweinchen (Cuy) aus Peru, Ecuador und Bolivien. Auf den Anden-Hochplateaus ist es seit Jahrhunderten traditionelle Festtagskost. Ob gegrillt, frittiert oder als Eintopf – der Geschmack erinnert ein wenig an Kaninchen und ist für viele Reisende eine kulinarische Mutprobe. Hierzulande ist solch eine Delikatesse angesichts der beliebten Haustiere kaum vorstellbar.

Kultureller Respekt 

Ekel und Begeisterung liegen bei vielen Spezialitäten oft erstaunlich nah beieinander. Was für die einen kaum genießbar erscheint, ist für andere ein Ausdruck von Identität, Tradition und kulinarischem Stolz. Wer sich auf solche Gerichte einlässt, probiert nicht nur neue Aromen, sondern erhält auch einen direkten Einblick in fremde Lebenswelten und Esskulturen.

Ob fermentierter Hai, Madenkäse oder andere außergewöhnliche Spezialitäten: Entscheidend ist, ihnen mit Offenheit und Respekt zu begegnen. Denn hinter vielen dieser Gerichte steckt weit mehr als bloßer Schockeffekt – nämlich Geschichte, regionale Verwurzelung und jahrhundertealtes Wissen. Gerade das macht sie so faszinierend: Sie erzählen von den Menschen, die sie essen, und von den Bedingungen, unter denen sie entstanden sind.

Und wer weiß? Vielleicht entdeckst du zwischen Ammoniakduft, Insektenknuspern und Zibetkaffee deine nächste kulinarische Lieblingsgeschichte. Im schwedischen Malmö kannst du kulinarische Grenzerfahrungen erleben. Das Disgusting Food Museum präsentiert über 80 der seltsamsten Speisen der Erde – inklusive Proben für besonders Hartgesottene.