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Urlaub in China: Toiletten-Problem bremst Tourismus-Boom aus


Autor: Stefan Lutter

Peking, Dienstag, 07. April 2026

China setzt auf Tourismus als Wirtschaftsmotor. Doch die Branche kämpft mit Toiletten-Problemen, Ticketbetrug und sinkenden Ausgaben trotz Rekord-Besucherzahlen.
Der Westsee in Hangzhou, von Marco Polo im 13. Jahrhundert als schönster Ort der Welt gepriesen, zählt zu Chinas romantischsten Reisezielen und zieht Millionen Besucher an. Die Stadt verbindet jahrhundertealte Tradition mit moderner Innovation als Zentrale großer E-Commerce-Unternehmen. Doch trotz der atemberaubenden Kulisse kämpfen Touristen auch hier mit alltäglichen Problemen: überfüllte Sehenswürdigkeiten während der Hochsaison, komplizierte Ticketbuchungen und mangelnde sanitäre Anlagen, die das Reiseerlebnis trüben.


China verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz der Welt, atemberaubende Reiseziele von Shanghai bis Tibet und lockte 2025 rund 150 Millionen ausländische Besucher an – fast so viele wie vor der Corona-Pandemie. Doch während die Zahlen beeindrucken, erleben Millionen Touristen eine bittere Realität: verdreckte Toiletten ohne Papier und Seife, endlose Warteschlangen bei Eintrittskarten, irreführende Werbung und aggressive Verkäufer, die zum Kauf drängen.

Auch deshalb kündigt die Regierung eine Offensive gegen Missstände an. Sie setzt auf strengere Regulierung, besseren Verbraucherschutz und Verbesserung der Servicequalität, um das Vertrauen in Destinationen wie Beijing, Xi'an oder Guilin zurückzugewinnen und die Binnennachfrage zu stärken.

Millionen Touristen, aber kein Klo: Chinas peinliches Problem

Die Volksrepublik China sucht nach Wegen, um das schwächelnde Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Große Erwartungen ruhen dabei auf der Tourismusbranche. Allerdings kämpft der Sektor mit erheblichen Herausforderungen, die dringend gelöst werden müssen. Deshalb plant Peking künftig entschiedener gegen Missstände und betrügerische Praktiken in der Reiseindustrie vorzugehen, die für die chinesische Volkswirtschaft eine immer zentralere Rolle einnimmt.

Während einer Sitzung des Nationalen Volkskongresses in der Hauptstadt erklärte Kultur- und Tourismusminister Sun Yeli, dass sich die Branche zwar in den zurückliegenden Jahren dynamisch entwickelt habe, jedoch altbekannte Probleme weiterhin ungelöst blieben. Gleichzeitig seien neue Schwierigkeiten hinzugekommen, betonte der Minister.

Konkret benannte Sun anhaltende Komplikationen bei der Buchung von Reisen, beim Erwerb von Eintrittskarten sowie bei der Verfügbarkeit von Toiletten. Auf die alltäglichen Sorgen der Reisenden wolle man sich nun verstärkt konzentrieren, so der Minister. Für das laufende Jahr kündigte er an, dass die Behörden besonders gegen irreführende Werbung vorgehen werden. Zudem sollen illegale Geschäftspraktiken bekämpft werden, bei denen Händler Touristen zum Kauf von Waren nötigen.

Toilettenproblematik ist nicht neu

Die Toilettenproblematik ist in China kein neues Phänomen. Bereits 2015 hatte die Regierung eine "Toiletten-Revolution" ausgerufen, um die sanitären Anlagen an touristischen Orten zu verbessern. Damals warnte der Vorsitzende der nationalen Tourismusbehörde, Li Jinzao, dass mangelhafte Toiletten dem Ruf der chinesischen Tourismusindustrie schaden könnten. Trotz mehrjähriger Anstrengungen haben viele touristische Ziele das Problem schmutziger, schlecht ausgestatteter und schwer zugänglicher Toiletten nicht überwinden können, heißt es auf dem offiziellen Nachrichtenportal der chinesischen Regierung.

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Jährlich sind rund 4,3 Milliarden inländische und internationale Besucher mit diesen beschämenden Zuständen an Chinas touristischen Hotspots konfrontiert, wie das amerikanische öffentlich-rechtliche Radio- und Nachrichtennetzwerk NPR berichtet. Ausländische Touristen bezeichnen die Toilettenerfahrung als das am häufigsten beklagte Problem bei China-Reisen – viele sprechen von unvergesslichen Schockerlebnissen. Zwischen 2015 und 2017 investierte die Nationale Tourismusbehörde massiv in den Bau und die Renovierung von über 68.000 sanitären Anlagen.

Dennoch bleiben zentrale Probleme bestehen: Lange Warteschlangen während der Hochsaison, fehlende barrierefreie Zugänge für Menschen mit Behinderungen, mangelnde Wartung und unzureichende Ausstattung mit Toilettenpapier und Seife. Hinzu kommt, dass in ländlichen Gebieten und weniger entwickelten Regionen überwiegend Hocktoiletten statt westlicher Sitztoiletten dominieren, was für viele internationale Gäste eine zusätzliche Hürde darstellt.

Tourismus als Rettungsanker für schwache Konjunktur

Chinas Wirtschaft leidet massiv unter einer schwachen Konsumnachfrage. Beim Volkskongress verkündete die Regierung in Peking, in diesem Jahr "neue Spielräume für das Wachstum der Binnennachfrage" erschließen zu wollen. Eine weitere Förderung des Tourismus soll die Bevölkerung zum Geldausgeben animieren. Seit einigen Jahren investiert das Reich der Mitte massiv in Wintersport- und Freizeitangebote. Überdies wurde die Visapflicht für Dutzende Staaten – Deutschland eingeschlossen – bei touristischen und geschäftlichen Aufenthalten von bis zu 30 Tagen aufgehoben. Zentrale Maßnahmen zur Tourismusförderung sind demnach:

  • Massive Investitionen in Wintersport-Infrastruktur
  • Visafreiheit für touristische Reisen aus Dutzenden Ländern
  • Verlängerung der Feiertagswoche nach dem Frühlingsfest
  • Verstärkte Regulierung gegen betrügerische Praktiken
  • Fokus auf Verbesserung alltäglicher Reiseprobleme

Die Volksrepublik verfügt über das weltweit größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, das große Städte und regionale Knotenpunkte nahtlos miteinander verbindet. Der Luftverkehr expandiert kontinuierlich, während Autobahnen und städtische Verkehrssysteme enorme Personenströme bewältigen.

Viele Reisen, aber sinkende Ausgaben

China verlängerte außerdem die Feiertagswoche nach dem Frühlingsfest im Februar um einen zusätzlichen Tag – eine der wichtigsten landesweiten Reisezeiten. Nach offiziellen Zahlen wurden insgesamt 596 Millionen Inlandsreisen verzeichnet, was einem Zuwachs von 95 Millionen gegenüber den acht Feiertagen im Jahr 2025 entspricht. Doch die Reiselust schlug sich nicht in höheren Ausgaben nieder. Die durchschnittlichen Kosten pro Reise sanken von rund 169 Yuan (etwa 21 Euro) während der Feiertage 2025 auf etwa 150 Yuan, wie das Wirtschaftsmagazin Caixin berichtete.

Das Phänomen sinkender Ausgaben trotz steigender Reisezahlen ist nicht auf China beschränkt. Auch deutsche Urlauber reagieren auf die hohen Lebenshaltungskosten mit Sparmaßnahmen, obwohl sie weiterhin reisen möchten – ein Trend, der weltweit zu beobachten ist. Gleichzeitig stieg laut Minister Sun die Zahl ausländischer Besucher deutlich an. 2025 registrierte China 150 Millionen Touristenankünfte – ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ausgaben dieser internationalen Gäste überschritten Sun zufolge 130 Milliarden Yuan (derzeit etwa 16,2 Milliarden Euro). Damit erreichte das Land annähernd das Niveau von 2019, also das Vorkrisenniveau vor der Corona-Pandemie.

Im September 2025 veröffentlichte das Generalbüro des Staatsrats ein umfassendes Dokument mit dem Titel "Mitteilung zur Stärkung der Branchenregulierung und weiteren Normalisierung der Ordnung auf dem Tourismusmarkt". Diese wegweisende Regulierungsinitiative zielt darauf ab, die Servicequalität zu verbessern, den Verbraucherschutz zu stärken und die Marktordnung zu optimieren, so das Juristik-Fachportal LexChina.

Erhebliche Herausforderungen für China-Tourismus

Trotz der beeindruckenden Infrastruktur und der wachsenden Besucherzahlen steht die chinesische Tourismusbranche vor erheblichen Herausforderungen. Dazu zählen der intensive Wettbewerb zwischen Dienstleistern, schwankende Regulierungen und die Nachwirkungen der Pandemie, hat das Marktforschungsunternehmen Market Research Future herausgefunden. Viele erfahrene Reiseführer kämpfen noch immer mit den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Krise.

Hauptprobleme der chinesischen Tourismusbranche:

  • Schwierigkeiten bei Reisebuchungen und Ticketkauf
  • Unzureichende sanitäre Anlagen
  • Irreführende Werbung
  • Zwangspraktiken beim Verkauf an Touristen
  • Geringe Konsumfreude trotz hoher Reisezahlen

Chinesische Touristen legen heute verstärkt Wert auf ihr Budget und suchen nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, auch wenn sie grundsätzlich wieder mehr ausgeben, so das Tourismus-Fachmedium Skift. Premierminister Li Qiang sprach der Tagesschau zufolge zum Auftakt des Volkskongresses von turbulenten Zeiten und den großen Herausforderungen, vor denen China wegen "externer Faktoren" stehe.

Verbotene Stadt, Chinesische Mauer & Co. – beeindruckende Vielfalt an Destinationen

Trotz der Herausforderungen lockt China mit einer beeindruckenden Vielfalt an Reisezielen, die sowohl internationale als auch inländische Touristen anziehen. Shanghai führt die Rangliste der beliebtesten Destinationen für ausländische Besucher an, gefolgt von Beijing, Guangzhou, Xi'an, Hangzhou, Chengdu und Suzhou, wie Top China Travel berichtet. Während des Nationalfeiertags im Oktober erreichte der Zustrom internationaler Besucher in Chinas wichtigste Touristenziele ein beispielloses Niveau, ergänzt Travel And Tour World.

Die Chinesische Mauer, das größte von Menschen geschaffene Bauwerk der Welt, wird jährlich von über 10 Millionen Menschen besucht. Die Verbotene Stadt in Beijing empfing 2019 mehr als 19 Millionen Besucher, während Shanghai Disneyland ebenfalls Millionen von Gästen anzieht, so GoWithGuide. Diese historischen und modernen Attraktionen bilden das Rückgrat der chinesischen Tourismusbranche.

Zunehmend entwickeln sich auch Zweit- und Drittstädte zu beliebten Anlaufstellen für internationale Reisende. Nicht mehr nur internationale Metropolen wie Beijing und Shanghai ziehen ausländische Besucher an – auch ländliche Gebiete und Naturwunder etablieren sich als gefragte Destinationen. Im Februar 2025 lockerte China die Visabestimmungen weiter und erlaubte Reisegruppen aus ASEAN-Ländern visafreie Besuche in Xishuangbanna, einem beliebten Reiseziel in der südwestlichen Provinz Yunnan, für bis zu sechs Tage.

Die Top 10 der beliebtesten Reiseziele in China

Travel China Guide hat die Top 10 der beliebtesten Reiseziele für internationale Erstbesucher zusammengestellt, basierend auf Besucherzahlen und touristischer Bedeutung. Die Auswahl berücksichtigt sowohl klassische Sehenswürdigkeiten als auch moderne Attraktionen und spiegelt die Vielfalt des Landes wider:

  • Beijing (auf Google Maps): Kaiserliche Hauptstadt mit über 850-jähriger Geschichte. Die Verbotene Stadt beherbergt 980 Gebäude mit prächtigen Hallen und Pavillons. Die Chinesische Mauer bei Badaling ist die besterhaltene Sektion. Traditionelle Hutong-Gassen bieten Einblicke in das Alltagsleben, während olympische Sportstätten und moderne Wolkenkratzer die Dynamik der Megacity zeigen.
  • Shanghai (auf Google Maps): Internationale Finanzmetropole und Shopping-Paradies. Der Bund präsentiert koloniale Architektur entlang des Huangpu-Flusses. Gegenüber ragt die futuristische Skyline von Lujiazui mit dem Shanghai Tower, dem World Financial Center und dem Jin Mao Tower empor. Der Yu-Garten zeigt klassische chinesische Gartenkunst, während die Nanjing Road zum ausgiebigen Shopping einlädt.
  • Xi'an (auf Google Maps): Wiege der chinesischen Zivilisation und Ausgangspunkt der historischen Seidenstraße. Die Terrakotta-Armee mit über 8000 lebensgroßen Kriegern ist als achtes Weltwunder bekannt – keine zwei Gesichter sind identisch. Die 13,7 Kilometer lange antike Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert kann per Fahrrad erkundet werden. Das Muslimische Viertel mit der Großen Moschee bietet authentische Street-Food-Erlebnisse und traditionelle Architektur aus der Tang-Dynastie.
  • Guilin (auf Google Maps): Spektakuläre Karstlandschaft mit bizarren Kalksteinformationen. Die Bootsfahrt auf dem Li-Fluss von Guilin nach Yangshuo gilt als eine der malerischsten Flussrouten der Welt. Üppige Bambuswälder säumen die Ufer, während sich kegelförmige Berge im kristallklaren Wasser spiegeln. Das idyllische Yangshuo lädt zu Fahrradtouren durch die ländliche Umgebung ein.
  • Chengdu (auf Google Maps): Heimat der Riesenpandas und kulinarisches Zentrum der Sichuan-Küche. In der Chengdu Research Base können Besucher die schwarz-weißen Bären aus nächster Nähe beobachten. Die Jinli-Straße bietet authentische Sichuan-Spezialitäten und traditionelles Kunsthandwerk. Die entspannte Lebensweise und die berühmten Teehäuser machen Chengdu zu einem besonderen Erlebnis.
  • Hongkong (auf Google Maps): glitzernde Finanzmetropole und Shopping-Paradies. Der Victoria Peak bietet spektakuläre Panoramablicke über die Skyline und den Victoria Harbour. Das pulsierende Nachtleben in Lan Kwai Fong zieht internationale Besucher an. Eine abendliche Hafenrundfahrt zeigt die "Nachtansicht im Wert von Millionen Dollar" mit der berühmten Symphony-of-Lights-Show.
  • Tibet (auf Google Maps): Heilige Stätte des tibetischen Buddhismus auf über 4000 Metern Höhe. Der majestätische Potala-Palast in Lhasa thront über der Stadt und gilt als spirituelles Zentrum. Der Jokhang-Tempel empfängt täglich unzählige Pilger, die sich auf dem Barkhor-Markt tummeln. Mit 79 Gipfeln über 6000 Metern, darunter der Mount Everest, ist Tibet ein Paradies für Abenteurer und Bergsteiger.
  • Guangzhou (auf Google Maps): Dynamisches Handelszentrum mit 2.200-jähriger Geschichte. Als permanenter Austragungsort der Canton Fair ist Guangzhou ein wichtiger Knotenpunkt für internationalen Handel. Der 600 Meter hohe Canton Tower dominiert die Skyline am Pearl River. Eine nächtliche Flusskreuzfahrt zeigt die beleuchtete Metropole von ihrer schönsten Seite. Der Ahnentempel der Familie Chen und der Tempel der Kindespietät zeugen von der reichen Vergangenheit.
  • Hangzhou (auf Google Maps): "Himmel auf Erden" mit dem malerischen Westsee im Stadtzentrum. Marco Polo pries die Stadt bereits im 13. Jahrhundert als schönste und luxuriöseste der Welt. Romantische Liebesgeschichten ranken sich um den Westsee, der von Pagoden, Brücken und Tempeln gesäumt wird. Hangzhou ist berühmt für Seide und Longjing-Tee. Heute beherbergt die Stadt auch die Zentrale großer E-Commerce-Unternehmen und verbindet Tradition mit Innovation.
  • Sanya (auf Google Maps): tropisches Strandparadies mit ganzjährig 26 Grad Durchschnittstemperatur. Die Yalong Bay und Sanya Bay bieten kristallklares Wasser, weiße Sandstrände und hervorragende Bedingungen zum Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen. Wassersport wie Surfen und Jetski sind beliebte Aktivitäten. Unter Palmen können Besucher dem hektischen Stadtleben entfliehen. Sanya gilt als romantisches Honeymoon-Ziel mit spektakulären Sonnenuntergängen über dem Südchinesischen Meer.

Die chinesische Regierung hat ein Bewertungssystem für touristische Attraktionen entwickelt, bei dem die höchste Auszeichnung AAAAA (5A) an die wichtigsten und am besten gepflegten Sehenswürdigkeiten des Landes vergeben wird. Diese Klassifizierung soll Reisenden bei der Orientierung helfen und gleichzeitig Qualitätsstandards in der Branche durchsetzen.

Die wachsende Vielfalt der Destinationen zeigt, dass China bestrebt ist, sein touristisches Angebot kontinuierlich zu erweitern und sowohl kulturelle Schätze als auch natürliche Attraktionen für ein breites Publikum zugänglich zu machen.

Die Regierung setzt nun darauf, durch gezielte Reformen und eine strengere Regulierung das Vertrauen sowohl inländischer als auch internationaler Reisender zurückzugewinnen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Tourismusbranche zum erhofften Motor für Wirtschaftswachstum und Binnenkonsum zu machen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. sl/mit dpa