Die betroffenen Länder – nach Warnstufe sortiert
Der folgende Überblick sortiert die betroffenen Länder deshalb nach der Schwere der Einstufung, von der höchsten Warnstufe bis zur einfachen Hinweisanpassung.
Teilreisewarnung: Aserbaidschan – Südkaukasus, zwischen Europa und Asien
Im Südkaukasus, eingeklemmt zwischen Russland, Iran, Armenien und Georgien, liegt Aserbaidschan. Das Land erlebt seit einigen Jahren einen touristischen Aufstieg: Die Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer überrascht mit einer mittelalterlichen Altstadt (UNESCO-Welterbe), modernen Flammentürmen und einer pulsierenden Kulturszene. Rund 24.000 Deutsche besuchten das Land zuletzt jährlich.
- Einstufung: Teilreisewarnung – rechtlich gleichwertig mit einer vollständigen Reisewarnung
- Betroffene Region: Ausschließlich Karabach sowie die Grenzgebiete zu Armenien
- Grund: Bewaffneter Konflikt von 2023; Gebiete weiterhin als hochgefährlich eingestuft
- Nicht betroffen: Hauptstadt Baku und der übrige Landesteil – Reisen dorthin bleiben möglich
Teilreisewarnung: Tschad – Zentralafrika, südlich der Sahara
Der Tschad in Zentralafrika ist kaum als klassisches Urlaubsziel bekannt – deutsche Touristenzahlen existieren faktisch nicht. Das Land grenzt an Libyen, Sudan, die Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Nigeria und den Niger. Reisende, die das Land bereisen, tun dies meist im Kontext von Entwicklungshilfe, Journalismus oder extremem Abenteuerreisen.
- Einstufung: Teilreisewarnung
- Betroffene Region: Provinz Lac – Ausnahmezustand seit 7. Mai 2026
- Grund: Bewaffnete Konflikte und instabile Sicherheitslage in der Grenzregion zum Niger
- Übrige Landesteile: allgemeines erhöhtes Sicherheitsrisiko; kein Ferientourismus
Dringendes Abraten: Vereinigte Arabische Emirate/Dubai – Golfregion, Naher Osten
Schon seit Jahren gelten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am Südostufer des Persischen Golfs als eines der faszinierendsten Reiseziele weltweit. Dubai mit seinen ikonischen Wolkenkratzern, dem Burj Khalifa, der Dubai Mall und der künstlichen Palmeninsel Jumeirah zählte 2025 rund 660.000 deutsche Besucher – wie das Reiseportal touristik-aktuell berichtet, erstmals mit zwei Millionen Besuchern in einem einzigen Monat. Abu Dhabi mit dem Louvre-Ableger und der Scheich-Zayed-Moschee sowie Ras al-Khaimah als aufstrebende Öko- und Abenteuerdestination ergänzen das Angebot. Hinzu kommt: Die VAE sind das wichtigste Flugdrehkreuz für Millionen weitere Reisende auf dem Weg nach Asien, Australien und Afrika.
Das Auswärtige Amt spricht aktuell ein "dringendes Abraten" aus – keine formelle Reisewarnung, aber die schärfstmögliche Formulierung unterhalb dieser Stufe, die kein automatisches Stornorecht begründet. Hintergrund ist der Nahost-Konflikt, der Ende Februar 2026 eskalierte und zu gesperrten Lufträumen und kurzfristig abgesagten Kreuzfahrten geführt hatte.
- Einstufung: Dringendes Abraten – kein automatisches Stornorecht
- Grund: Nahost-Konflikt; Waffenruhe seit April, Lage laut Amt weiterhin "höchst volatil"
- Aktuell: Berichte über angebliche Angriffspläne der VAE gegen den Iran
- Konkrete Gefahren: Mögliche Attacken auf Hotels, Flughäfen, Wohngebäude; plötzliche Einschränkungen im Flugbetrieb
- Lokale Regeln beachten: CBD-Öl illegal; teils Null-Promille beim Alkohol; Fotografieren militärischer Einrichtungen kann Haftstrafen nach sich ziehen
- Tipp: Alternativrouten zu Umsteigeverbindungen über Dubai prüfen
Dringendes Abraten: Katar – Arabische Halbinsel, Naher Osten
Der kleine Golfstaat Katar am Nordostzipfel der Arabischen Halbinsel wurde durch die Fußball-WM 2022 international bekannt und hat seither massiv in seinen Tourismus investiert. Die Hauptstadt Doha besticht mit dem futuristischen Museum of Islamic Art, dem Souq Waqif und einer rasant gewachsenen Skyline am Corniche. Rund 165.000 deutsche Besucher zählte das Land zuletzt pro Jahr – und der internationale Flughafen Hamad International in Doha gilt als eines der modernsten Drehkreuze der Welt.
- Einstufung: Dringendes Abraten – kein automatisches Stornorecht
- Grund: Nahost-Konflikt macht die gesamte Golfregion unberechenbar (identische Ursache wie VAE)
- Tipp: Wer über Doha umsteigt, sollte dringend Alternativrouten prüfen
Sicherheitshinweis: Kenia – Ostafrika, am Indischen Ozean
Kenia im Osten Afrikas ist für deutsche Reisende vor allem als Safaridestination erster Güte bekannt: Die Masai Mara mit ihrer jährlichen Gnuwanderung, der Amboseli-Nationalpark mit Blick auf den Kilimandscharo sowie die Traumstrände der Küstenregion um Mombasa und Diani Beach locken rund 78.000 Deutsche pro Jahr an.
- Einstufung: Sicherheitshinweis – keine Reisewarnung, aber inhaltlich ernst zu nehmen
- Treibstoffengpässe: Ländliche Tankstellen werden teils gar nicht mehr beliefert
- Sicherheitslage: Teile mehrerer Countys seit März wegen Bandenangriffen als besonders gefährdet eingestuft
- Terrorgefahr: Anhaltende Bedrohung insbesondere durch die somalische Al-Shabaab-Miliz
Sicherheitshinweis: Jamaika – Karibik, Große Antillen
Die Karibik-Insel Jamaika liegt südlich von Kuba und ist weltbekannt für seine Reggae-Kultur, die Geburtsstadt von Bob Marley, Montego Bay und die weißen Strände von Negril. Rund 17.000 Deutsche besuchen die Insel jährlich.
- Einstufung: Sicherheitshinweis mit konkreten Sicherheitsrisiken
- Kriminalität: Hohe Gewaltkriminalität im gesamten Land
- Militärzonen: Selbst in Tourismusgebieten wurden zuletzt Militärzonen eingerichtet
- Empfehlung: Strikt auf gesicherte Hotelbereiche und bewachte Ausflugszonen beschränken
Sicherheitshinweis: Bolivien – zentrales Südamerika, Andenregion
Als Traumziel für Abenteuerreisen hat sich Bolivien im zentralen Südamerika in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Der Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt, der mystische Titicacasee auf 3.800 Meter Höhe – das höchste schiffbare Gewässer der Erde – sowie die koloniale Hauptstadt Sucre und die pulsierende Metropole La Paz gehören zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten des Kontinents. Tourismuszahlen speziell für deutsche Besucher liegen nicht separat vor.
- Einstufung: Sicherheitshinweis – Land aktuell praktisch abgeriegelt
- Ursache: Unbefristeter Streik der Transportgewerkschaft La Paz seit 6. Mai 2026
- Blockierte Routen: Straßen nach Uyuni, zum Titicacasee sowie nach Oruro und Cochabamba gesperrt
- Lage vor Ort: Touristen sitzen in Unterkünften fest
- Empfehlung laut Auswärtigem Amt: In der Unterkunft bleiben; Blockaden keinesfalls zu Fuß umgehen
Sicherheitshinweis: Südafrika – südliches Afrika
Das südliche Afrika und insbesondere Südafrika gehören längst nicht mehr zu den Geheimtipps. Traumhafte Nationalparks wie der Krüger-Nationalpark, die Weinregion um Stellenbosch, das spektakuläre Kapland mit dem Tafelberg und die Garden Route ziehen jährlich Hunderttausende an. Zuletzt wuchs die Zahl deutscher Besucher um 31 Prozent auf knapp 291.000. Dabei ist Südafrika kein Einzelfall: Auch klassische Urlaubsländer wie Ägypten, die Türkei oder Thailand gelten 2026 laut Auswärtigem Amt als Länder mit hohem bis kritischem Risiko – eine Einschätzung, die viele Urlauber überrascht.
- Einstufung: Sicherheitshinweis – keine formelle Warnung, aber ernst zu nehmen
- Kriminalität: Abraten vom Besuch der Innenstädte von Johannesburg, Pretoria und Durban – ausdrücklich unabhängig von der Tageszeit
- Wetterlage: Sturmböen bis 120 km/h und Überschwemmungen; mehrere Straßen unpassierbar
- Flugverkehr: Flugausfälle am Flughafen Kapstadt; Flugstatus vorab prüfen
Logistischer Hinweis: Namibia – südwestliches Afrika
Im Gegensatz dazu hat Namibia bislang nicht die ganz große Bekanntheit als Urlaubsdestination – was sich aber bald ändern könnte. Unter Naturliebhabern gilt das Land im Südwesten Afrikas als eines der spektakulärsten Reiseziele des Kontinents: Die roten Dünen der Namib-Wüste, das Tierparadies im Etosha-Nationalpark, die geisterhafte Kolmanskuppe und die Küstenstadt Swakopmund mit deutschem Kolonialerbe begeistern rund 110.000 deutsche Reisende pro Jahr.
- Einstufung: Sicherheitshinweis mit logistischem Schwerpunkt – keine Sicherheitsgefahr
- Problem: Treibstoffengpässe an mehreren Nationalpark-Lodges
- Auswirkungen: Eingeschränkte Versorgung von Unterkünften; eingeschränkte Bewegungsfreiheit in abgelegenen Gebieten
- Empfehlung: Reiseroute und Unterkunftsversorgung vorab mit Veranstalter oder Lodge klären
Logistischer Hinweis: Bangladesch – Südasien, Golf von Bengalen
Bangladesch im Süden Asiens, begrenzt von Indien und Myanmar, ist unter deutschen Urlaubern kaum präsent – das Land wird eher von Rucksackreisenden, Entwicklungshelfern und Geschäftsreisenden besucht. Sehenswert sind der Sundarbans-Mangrovenwald (UNESCO-Welterbe), die Tempelruinen von Mahasthangarh und die Fischerküste bei Cox's Bazar.
- Einstufung: Sicherheitshinweis mit logistischem Schwerpunkt – kein sicherheitsrelevanter Anlass
- Problem: Eingeschränkte Flugverbindungen über die Golfregion
- Ursache: Direkte logistische Folge der Nahost-Krise; zahlreiche Flugrouten über den Persischen Golf beeinträchtigt
- Empfehlung: Flugverbindungen und Umsteigeoptionen frühzeitig prüfen
Redaktionelle Anpassung: Fidschi, Dominica, Grenada & St. Lucia – Pazifik und östliche Karibik
Vier Destinationen am Ende der Liste verbindet, dass ihre Aktualisierungen entweder rein redaktioneller Natur sind oder nur sehr geringe Sicherheitsrelevanz haben. Fidschi, ein Inselstaat aus mehr als 330 Inseln mitten im Südpazifik, gilt als Inbegriff des Tropenparadieses mit türkisblauem Wasser, Korallenriffen und Palmenständen. Als Tauch- und Flitterwochenziel ist die Inselgruppe auch bei Deutschen beliebt. Die Änderungen im Hinweistext sind rein redaktioneller Natur – es gibt keine neuen sicherheitsrelevanten Erkenntnisse.
Die drei kleinen Inselstaaten Dominica, Grenada und St. Lucia liegen in der östlichen Karibik, entlang der Inselkette der Kleinen Antillen. Dominica ist bekannt als "Natur-Insel der Karibik" mit üppigem Regenwald und heißen Quellen. Grenada – die "Gewürzinsel" – begeistert mit Muskatnussplantagen und idyllischen Buchten. St. Lucia trumpft mit dem UNESCO-prämierten Gebirgsblick der Pitons auf.
- Fidschi: Rein redaktionelle Anpassung – keine sicherheitsrelevanten Änderungen
- Dominica: Hinweise zu Kriminalität und Protesten
- Grenada: Hinweise zu Demonstrationen
- St. Lucia: Hinweise zu Kriminalität bei Festen und an Stränden
- Für keine der vier Destinationen wurde eine Reisewarnung ausgesprochen
Was jetzt für gebuchte Reisen gilt
Die entscheidende Frage für alle, die eine der 14 Destinationen bereits gebucht haben: Was folgt daraus rechtlich? Pauschalreisende, deren Ziel unter eine Reisewarnung oder Teilreisewarnung fällt, haben in der Regel ein starkes rechtliches Argument für eine kostenfreie Stornierung und sollten ihren Veranstalter direkt kontaktieren. Bei einem dringenden Abraten – wie aktuell für Dubai und Katar – sollte der Veranstalter ebenfalls kontaktiert werden; ein automatisches Stornorecht besteht hier jedoch nicht.
In jedem Fall gilt: Nicht vorschnell selbst kündigen, sondern auf die offizielle Reaktion des Veranstalters warten. Individualreisende sollten Airline-Bedingungen und Versicherungsklauseln genau prüfen – insbesondere, ob die eigene Auslandskrankenversicherung Ausschlussklauseln für Länder mit Reisehinweisen enthält. Auch beliebte Alternativziele wie die Türkei, Griechenland, Ägypten und Zypern sind trotz der Golfspannungen weiterhin ohne generelle Reisewarnung – für viele eine relevante Option beim Umbuchen.
Das Auswärtige Amt empfiehlt grundsätzlich, die tagesaktuellen Einträge für den konkreten Zielort – nicht nur das Land, sondern die Region – regelmäßig zu prüfen. Eine Übersicht aller aktuellen Reisewarnungen ist direkt beim Auswärtigen Amt abrufbar. Ergänzend empfiehlt das Ministerium die App "Sicher Reisen" sowie die Registrierung in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND. Wie letzteres funktioniert, erklären wir in einem separaten Artikel Schritt für Schritt.
In einer Reisesaison, in der Treibstoffpreise, Flugrouten und Sicherheitslagen gleichermaßen unter Druck stehen, kann ein Blick auf die aktuellen Hinweise aus Berlin weitaus folgenreicher sein als die Wahl des günstigsten Angebots.