Deutschland
Düstere Reiseziele

Düstere Reiseziele in Deutschland: Diese Orte haben eine schaurige Vergangenheit

Orte, an denen einst Schreckliches geschah, sind heute Touristenziele. Sie zu besuchen, ist eine Gratwanderung zwischen Sensationslust und Erinnerungskultur. Düstere Reiseziele in Deutschland und speziell in Franken.
Tod und Vergänglichkeit erschrecken und faszinieren gleichermaßen.
Tod und Vergänglichkeit erschrecken und faszinieren gleichermaßen. Foto: CC0 / Pixabay / PaulSauer
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  • Geschichte und Gedenken statt Gruseln
  • Beinhäuser
  • Erinnerungsorte der Hexenverbrennung
  • KZ-Gedenkstätten und Mahnmale
  • Die ehemalige innerdeutsche Grenze

Verbrechen, Tragödien, Tod - Orte mit dunkler Geschichte haben eine starke Anziehungskraft. Bezeichnungen wie "Katastrophentourismus" oder Dark Tourism signalisieren vor allem Sensationsgier. Solltest du solche Orte überhaupt besuchen? Viele dieser Stätten sind als Erinnerungsorte erhalten worden und für Besuche gedacht. Hier kannst du mit den Opfern fühlen und der Toten gedenken. Du erfährst mehr über vergangene Ereignisse. Auch Geschichte zu verstehen und aus ihr zu lernen, ist Sinn solcher Plätze. Es kommt auf deine Einstellung an: Suchst du einfach Gänsehautfeeling, gehst du besser in ein Dark Dungeon (Hamburg und Berlin) oder Grusellabyrinth (Bottrop). Hier wird auch Geschichte vermittelt, im Vordergrund steht aber reine Unterhaltung. Willst du dagegen historisch bedeutsame Orte des Gedenkens besuchen, ist Respekt und taktvolles Benehmen gefragt.

Allerletzte Ruhestätten: Beinhäuser

Ein Beinhaus, auch Ossarium oder Karner genannt, ist ein Raum zur Aufbewahrung von Gebeinen. Früher wurden, um Platz auf Friedhöfen zu schaffen, die Gebeine Verstorbener nach einer gewissen Zeit hierher umgebettet. Solche Beinhäuser gab es in vielen Gegenden Deutschlands und einige sind bis heute erhalten. Du kannst sie besuchen, allerdings normalerweise nicht hineingehen. Fenster in der Türe, Luken oder ein Gitter, ermöglichen dir einen Blick auf die aufgeschichteten Gebeine. Zahlreiche Legenden und Gruselgeschichten ranken sich um Ossarien. Doch die letzten Ruhestätten geben dir auch Einblick in alte Traditionen und religiöse Sitten. Ein Besuch ist ein guter Anlass, um sich mit dem Tod zu befassen und über Vergänglichkeit nachzudenken.

In Oppenheim in Rheinland-Pfalz findest du das größte und am besten erhaltene Beinhaus Deutschlands. Hier sind in der zweistöckigen Michaelskapelle Skelette und Totenschädel von 20 000 Menschen aufgeschichtet. Sie stammen aus den Jahren 1400 bis 1750. Die Michaelskapelle mit Beinhaus kannst du täglich während der Öffnungszeiten der St. Katharinenkirche besichtigen.

In Franken kannst du diese drei gut erhaltenen Beinhäuser besuchen: In Waischenfeld in Oberfranken unter der St. Anna-Kapelle ruhen die Gebeine des im Jahre 1837 aufgelassenen Friedhofes der Pfarrkirche. In Greding, im Untergeschoss der im 12. Jahrhundert erbauten Michaelskapelle, ist ein Karner aus dem 14. Jahrhundert mit Gebeinen von etwa 2.500 Menschen. Die gotische Michaelskapelle in Iphofen wurde um 1380 erbaut. Im Untergeschoss der Kapelle befindet sich das einzig erhaltene Beinhaus Unterfrankens.

Hexenverfolgung auch in Franken

Im Mittelalter liegt der Beginn eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte: die Zeit der Hexenverfolgung. Zwischen 1560 und 1650 war der Höhepunkt der Massenprozesse. Die Forschungen berichten von geschätzten 15.000 bis 20.000 in Deutschland hingerichteten Beschuldigten, hauptsächlich Frauen. Die meisten Orte dieses furchtbaren Geschehens existieren heute nicht mehr. Du kannst aber Gedenktafeln, Straßennamen oder Erinnerungssteine besuchen. Eine Auflistung vieler Orte und Denkmäler in Deutschland findest du hier.

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Auch in Franken hatte der mittelalterliche Hexenwahn schreckliche Folgen. Das Bamberger Erzbistum war eine der Hochburgen der Prozesse. In Bamberg starben bis 1632 etwa 1.000 unschuldige Menschen unter der Folter und auf dem Scheiterhaufen. Das war fast jeder zehnte Bewohner. Am Schloss Geyerswörth in Bamberg erinnert heute ein Brandmal an die mittelalterliche Hexenverfolgung in der oberfränkischen Stadt. Die Stadt Zeil am Main war im 17. Jahrhundert Hinrichtungsstätte des Hochstifts Bamberg. Über 400 verurteilte „Hexen“ wurden damals hier verbrannt. Die Originalschauplätze Stadtturm (Zeller Hexenturm) mit Resten eines Kerkers und die Fronveste (Gefängnis) existieren noch. In der Fronveste kannst du heute eine Ausstellung über die Hexenverfolgung besuchen. Zahlreiche Dokumente wie Tagebücher, Briefe und Verhörprotokolle bringen dir die Geschichte der Hexenverfolgung sehr anschaulich nahe. Der historische Zugang zum Stadtturm wurde wiederhergestellt und du kannst ihn besichtigen.

Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt war im 17. Jahrhundert Hauptgerichtsplatz für Hexenprozesse der Würzburger Bischöfe. Es gab einen eigenen Verbrennungsofen für Verurteilte. Zwischen 1603 und 1630 wurden hier fast 300 Menschen hingerichtet. Sie wurden vor den Prozessen im Hexenturm (Eulenturm, gegenüber dem damaligen Amtshaus des fürstbischöflichen Stadtvogts) eingesperrt und gefoltert. Viele starben dabei schon vor den eigentlichen Prozessen. Den Turm kannst du heute noch von außen besichtigen. Auch der Marktplatzbrunnen erinnert mit seiner Skulptur und einer Gedenktafel an das schaurige Kapitel der Stadtgeschichte.

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus

Zu den finstersten Orten, die du in Deutschland besuchen kannst, zählen die Gedenkstätten, die an die unvorstellbaren Opferzahlen des Nationalsozialismus erinnern. Eine KZ-Gedenkstätte ist kein "da muss man mal gewesen sein"-Ziel. Bereite dich auf den Besuch gedanklich vor. Nimm an einer Führung teil, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Aus Respekt vor dem Andenken von Millionen Opfern posiere hier nicht für Selfies. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Holocaust gelingt nicht als touristischer Zwischenstopp. Die großen Gedenkstätten in Deutschland sind Bergen-Belsen (bei Celle), Buchenwald (bei Weimar) Neuengamme (bei Hamburg), Dachau (bei München), Ravensbrück und Sachsenhausen (beide in Brandenburg). Auch das Holocaust-Mahnmal in Berlin, ein riesiges Stelenfeld, erinnert an die rund 6 Millionen ermordeter Juden.

Seit 2016 gibt es in Franken die KZ-Gedenkstätte Happurg. Im Juli 1944 wurde in Hersbruck ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg errichtet. Etwa 9000 Zwangsarbeiter waren darin untergebracht, die im 5 km entfernten Happurg unter unmenschlichen Umständen eine Stollenanlage für die Rüstungsindustrie errichten sollten. Durch Unfälle, Entkräftung und die Gewalt von SS-Männern starben täglich viele der Zwangsarbeiter. Das Bauprojekt wurde nicht vollendet. Heute ist die Stollenanlage stark einsturzgefährdet und nicht zugänglich. Der Dokumentationsort Happurg ist ein begehbares trapezförmiges Bauwerk. Es ist auf Hersbruck ausgerichtet, um so den täglichen langen Weg der Häftlinge zwischen Lager und Arbeitseinsatz aufzuzeigen. In der Ausstellung erfährst du viel über Zwangsarbeit und die Biografien und Schicksale der Häftlinge. Du kannst täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr bei freiem Eintritt hineingehen.

Ein weiteres Zeugnis von Zwangsarbeit und NS-Zeit ist der "Denkort" Bunker Valentin. Am Stadtrand von Bremen ist die Ruine erhalten geblieben. Der Bunker entstand ab 1943 und sollte als Werft für den U-Bootbau der Kriegsmarine dienen. Tausende Zwangsarbeiter, Häftlinge und Kriegsgefangene aus ganz Europa mussten ihn erbauen. Viele wurden dabei getötet. Heute kannst du einen Rundgang durch den Bunker in Bremen-Farge machen und die Ausstellung zu seiner Geschichte besuchen.

Erinnern an die deutsche Teilung

An eine noch jüngere Vergangenheit deutscher Geschichte, die Teilung in West und Ost, erinnern viele Orte. In Berlin kannst du Touren entlang der Überreste der Berliner Mauer machen. Auch an anderen Orten der früheren innerdeutschen Grenze gibt es Mahnmale oder Reste der Grenzanlagen. Hier ein Überblick über Gedenkstätten und Museen.

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Ein Beispiel ist der ehemalige Grenzübergang Marienborn in Sachsen-Anhalt. Hier sind die Abfertigungsbereiche für einreisenden Fahrzeuge, der Zollbereich, die Wechselstube der DDR-Staatsbank und der Kommandantenturm der Grenztruppen erhalten und du kannst sie besichtigen.

In Berlin-Hohenschönhausen war zu DDR Zeiten eine Haftanstalt der Staatssicherheit für politisch Verfolgte, darunter viele bekannte Oppositionelle. Du kannst heute in der Gedenkstätte die Dauerausstellung "Inhaftiert in Hohenschönhausen", verschiedene Wechselausstellungen sehen und Rundgänge durch das ehemalige Gefängnis machen.

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