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Warschau: KI-Roboter macht Jagd auf Tiere - das steckt dahinter


Autor: Julian Drescher

Warschau, Donnerstag, 23. April 2026

Ein "menschenähnlicher" Roboter sorgt derzeit für Erstaunen, Entsetzen und Gelächter im Netz. Sogar eine Rede im Parlament hielt er schon.
Der Roboter Edward Warchocki jagt Wildschweine durch Warschau. Das Netz ist gespalten zwischen Begeisterung, Erstaunen und Furcht.


In den sozialen Medien lässt ein Video gerade bei vielen die Kinnlade herunterfallen: Ein humanoider (das heißt: "menschenähnlicher") Roboter jagt mitten in Warschau eine Rotte Wildschweine über einen Parkplatz - treibt sie in die Flucht und ballt am Ende siegessicher die Faust. Der Roboter heißt Edward Warchocki und ist in Polen bereits ein Social-Media-Star. Er sprach schon im Parlament, war im Fernsehen zu sehen und hat auf Instagram rund 145.000 sowie auf TikTok knapp 277.000 Follower (Stand: 15. April 2026).

Was Edward als Roboter besonders macht: Er hat eine Persönlichkeit. Selbstbewusst, frech, direkt - nicht auf den Mund gefallen, wie das Portal mrkt30.com beschreibt. Dabei karikiere Edward einen "stereotypen, selbstbewussten Polen". Virale Videos zeigen ihn beim Plaudern mit Passanten, beim Klamauk mit Polizisten und eben beim Jagen von Wildschweinen. Begonnen habe das alles als Scherz. Die Idee, nicht einen Menschen, sondern einen Roboter als Influencer aufzubauen - mit eigenem Instagram-Kanal, eigenem Content, eigener Persönlichkeit - sei zunächst als ironische Spielerei gedacht gewesen und habe sich schnell zu einem viralen Phänomen entwickelt. 

Wie in Science-Fiction: KI-Roboter jagt Wildschweine - geteilte Reaktionen im Netz

Edward Warchocki ist ein humanoider Roboter vom Typ Unitree G1 - ein Modell des chinesischen Herstellers Unitree Robotics, 1,30 Meter groß und laut Online-Shop der Firma ab rund 11.000 Euro zu haben. Hinter dem Projekt stecken Unternehmer Radoslaw Grzelaczyk, der den Roboter erwarb, und KI-Entwickler Bartosz Idzik, der das System hinter Edwards Gesprächsfähigkeit programmierte, wie Interesting Engineering berichtet.

Eine KI ermögliche es ihm, dynamisch auf Menschen zu reagieren und aus jeder Begegnung zu lernen. Laut PolenJournal hätten die Entwickler das Grundsystem in weniger als zwei Stunden aufgesetzt. Videos, in denen er durch die Straßen Warschaus und Posens streift oder - wie am 12. April 2026 - eine Herde Wildschweine auf einem Parkplatz verscheucht, generierten Millionen Aufrufe auf verschiedenen Plattformen. Das polnische Staatsfernsehen TVP berichtete über die Wildschwein-Aktion.

Die Reaktionen im Netz reichen von entsetzt bis begeistert. "Ich bin so überrascht und schockiert. Ich kann an diesem Punkt nicht mal lachen!", schreibt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert schlicht: "Ich bin an dem Punkt, wo ich nicht mal mehr Fragen habe." Andere nehmen es mit Humor: "Stell dir vor, du zeigst das jemandem von 1990." Und ein Kommentar bringt die Stimmung vieler auf den Punkt: "Was für eine Zeit, um am Leben zu sein."

Kritik, Konflikte und die Frage, was als Nächstes kommt

Am 25. März 2026 besuchte Edward Warchocki das Parlament in Warschau. Dort hielt er eine Rede und forderte laut dem polnischen Nachrichtenportal Onet unter anderem höhere Gehälter für die Parlamentswache. Inzwischen hat der Roboter auch seine erste Werbekooperation abgeschlossen: Er bewarb laut Spider's Web eine Luxusuhr im Wert von rund 18.000 Euro.

Nicht alle Aktionen von Edward Warchocki verliefen reibungslos. Für Aufsehen sorgte ein Vorfall im Wissenschaftszentrum Kopernikus in Warschau. Laut PolenJournal soll der Roboter dort versucht haben, ohne Ticket einzutreten. In der Folge soll es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei gekommen sein.

Dass solche Fragen bald relevanter werden, zeigt ein Blick auf die Branche insgesamt. Laut einer aktuellen Prognose des Marktforschungsunternehmens Smart Analytics Global werden die globalen Lieferungen humanoider und vierbeiniger Roboter bis 2030 auf 810.000 Einheiten anwachsen - 2025 waren es noch rund 53.000, ein Plus von 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Welche Aufgaben könnten Roboter übernehmen?

Bereits heute testet BMW humanoide Roboter in der Produktion in Leipzig, und Tesla-Chef Elon Musk kündigte an, Robotaxis und Roboter auch in Europa serienmäßig einsetzen zu wollen. Humanoide Roboter könnten künftig vorwiegend in Logistik, Fertigung und dem Dienstleistungssektor wichtige Aufgaben überall dort, übernehmen, wo menschliche Arbeitskraft knapp oder teuer wird. Das geht aus Prognosen des Marktforschungsunternehmens Smart Analytics Global hervor. Dass auch deutsche Industrieunternehmen auf diesen Zug aufspringen, zeigt die jüngste Kooperation von Schaeffler mit einem chinesischen Roboter-Hersteller.

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