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KI und Arbeit: So prägt künstliche Intelligenz unseren Alltag


Autor: Joachim Tiefenthal

Deutschland, Freitag, 01. Mai 2026

Die letzten 250 Jahre stehen im Zeichen, menschliche Arbeitskraft durch Maschinen nicht nur zu erleichtern, sondern sie auch sukzessiv zu ersetzen. Droht der Menschheit mit künstlicher Intelligenz (KI), das eigene Denken zu verlernen?
Über Jahrhunderte erlernte Fähigkeiten sollen künftig mehr und mehr von Maschinen ausgeführt werden. Verlernen wir dabei das eigene Denken?


Das Internet ist gespickt von KI-Tools, mit denen man in Windeseile Texte, Bilder, Animationen, Filme oder gar Musikstücke erstellen kann. Der Weg dorthin führt über sogenannten Prompts, spezifischen, meist noch textbasierten Eingabeaufforderungen, mit denen einer entsprechenden KI-Anwendung Informationen vermittelt werden, um ein gewünschtes Ergebnis zu generieren. Damit versuchen wir, über Jahrhunderte erlernte Fähigkeiten mehr und mehr auf Maschinen zu übertragen. Anstatt selbst Lösungen zu finden, suchen wir nun nach den besten Prompts, um das erwünschte Resultat zu erhalten. Aber verlernen wir dabei nicht das eigene Denken? 

Verantwortliches Handeln: KI erschafft neuen Denkraum

Folgt man dem Gastvortrag von Prof. Dr. Tobias Rees an der Universität Freiburg, dann beginne sich durch künstliche Intelligenz die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine aufzulösen. Die bisherige Annahme, der menschliche Geist sei durch Logik, Kreativität und die Fähigkeit des Denkens selbst einzigartig, erfahre durch KI neue Dimensionen. Die zentrale These des Vortrags geht davon aus, dass "KI der logischen Architektur des menschlichen Denkens" entkomme, wodurch sich ein völlig neuer Denkraum eröffne.

Hierbei sei KI mehr als nur ein Werkzeug, sondern vielmehr ein "latenter Raum mit Millionen von Dimensionen, in dem tokenisierte Datenpunkte zueinander in Beziehung stünden." Die Rektorin der Universität Freiburg, Prof. Dr. Kerstin Krieglstein, pflichtet in ihrer Begrüßungsansprache den Forschungsarbeiten von Tobias Rees bei. So müsse man in der Verbindung aus den technischen und philosophischen Aspekten von KI eine Erneuerungsfähigkeit unter Beweis stellen. Diese müsse sich in offener Zusammenarbeit mit Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur vollziehen.

Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Frage, ob wir unser Denken durch künstliche Intelligenz verlernen, wird deutlich, dass wir vielmehr ein neues Denken erlernen müssen. Dabei ist der Begriff des lebenslangen Lernens nicht neu. Jedoch erfährt er durch die weitreichende Einflussnahme und die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz eine fast schon existenzielle Bedeutung.

Lernangebote nutzen: KI nicht mehr wegzudenken

Um einerseits beruflich erfolgreich sein zu können und den technologischen Anschluss nicht zu verlieren, bedarf es mehr denn je eines flexiblen Denkens, Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft. Aber auch im Privatleben wird es unerlässlich sein, sich mit den neuen KI-gestützten Technologien auseinanderzusetzen. Denn alles, was wir im privaten Raum nutzen, wird nicht vom technischen Fortschritt abgekoppelt sein. In dem Zusammenhang hält bspw. die Universität Bamberg Lernangebote zu KI bereit, die für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, aber auch für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich sind.

Biblisch gesprochen, ernten wir, was wir sähen. Das gilt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern insbesondere auch für unser tägliches Handeln und Nichthandeln, für den Umgang, den wir miteinander pflegen oder auch nicht pflegen, sowie für die Verantwortung, die wir übernehmen oder auch nicht übernehmen. Gerade im Umfeld von fortschrittlichen Innovationen sind es immer auch Entscheidungen unter Unsicherheit, die getroffen werden. Es liegt hier in der Natur der Sache, dass allumfassende Konsequenzen einer Entscheidung nicht eindeutig vorhersehbar sind.

Weder sind alle notwendigen Informationen bekannt, noch deren Eintrittswahrscheinlichkeiten. Bezogen auf künstliche Intelligenz besitzt diese künftig zweifelsohne anerkannt ein erhebliches Einflusspotenzial auf sehr viele unserer Lebensbereiche. "Ernten, was wir säen" bedeutet in der aktuellen Entwicklungsstufe jedoch, dass wir momentan nur das ernten, was wir der KI zuvor in Form von datenbasierten Handlungsmustern "an die Hand" gegeben haben. Diese Ernte erfolgt zwar vermehrt schneller, effizienter und unterhaltsam, enthält aber (noch) keine Reflexion und davon abgeleitet eigenständige innovative Lösungen.

Gefahren von künstlicher Intelligenz: moralisch nicht einwandfrei?

Darin liegt besonders die Gefahr, dass künstliche Intelligenz absichtlich mit Inhalten gefüttert werden kann, die unter Umständen nicht moralisch einwandfreien Motiven unterliegen. Denn das, mit dem wir künstliche Intelligenz füttern, wird u.U. zur Realität. Dabei mag das zunehmende Verschwimmen von Realität und Virtualität, und das nicht nur bezogen auf KI, einerseits eine gewisse Faszination auslösen.

Andererseits kann dies auch als zunehmende Flucht vor der Realität verstanden werden, die wir aufgrund ihrer Komplexität nicht mehr beherrschen. Die Verantwortung, ob künstliche Intelligenz Fluch oder Segen bringt, trägt nicht nur ein Einzelner. Die Verantwortung dafür tragen wir als Gesellschaft gemeinsam, durch unser Handeln und Nichthandeln.