Schwere Vorwürfe gegen Telekom: Internet absichtlich gedrosselt?
Autor: Julian Drescher
Deutschland, Mittwoch, 13. Mai 2026
Verbraucherschützer und Kunden werfen der Telekom vor, gesetzeswidrig das Internet zu drosseln. Eine Gruppe scheint davon besonders betroffen zu sein.
Wer bei der Deutschen Telekom einen Internetvertrag hat, erwartet eine stabile und schnelle Verbindung. Doch zahlreiche Kunden berichten seit Jahren von massiven Problemen: Webseiten würden quälend langsam laden, Streaming ruckeln und Downloads mit wenigen Kilobyte pro Sekunde vor sich hin kriechen. Besonders in den Abendstunden zwischen 18 und 23 Uhr scheint das Internet bei vielen Telekom-Nutzern regelrecht zusammenzubrechen, wie auf der Kampagnenseite netzbremse.de dokumentierte Erfahrungsberichte aus dem Telekom-Forum zeigen.
Ein breites Bündnis aus Verbraucherschützern und Bürgerrechtsorganisationen erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Deutschlands größten Internetanbieter. Die Telekom schaffe künstliche Engpässe an den Zugängen zu ihrem Netz - und verdiene damit sogar Geld. Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück.
Beschwerde bei der Bundesnetzagentur: Telekom soll Netzneutralität verletzen
Die Organisation Epicenter.works, die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), der Verbraucherzentrale Bundesverband und Stanford-Professorin Barbara van Schewick haben eine offizielle Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Der Vorwurf: Die Telekom verstoße gegen die Netzneutralität, wie die GFF in einer Pressemitteilung erklärt. Finanzstarke Dienste, die die Telekom bezahlten, kämen schnell durch das Netz. Dienste, die sich das nicht leisten könnten, würden dagegen ausgebremst.
Das Problem liegt nach Darstellung der Beschwerdeführer beim sogenannten Peering - also der Zusammenschaltung des Telekom-Netzes mit anderen Netzen. Die Telekom halte die Kapazitäten an diesen Übergabepunkten bewusst knapp, heißt es auf der Kampagnenseite netzbremse.de. Dadurch entstünden Engpässe, die dazu führten, dass viele Webseiten und Dienste für Telekom-Kunden nur langsam oder gar nicht erreichbar seien. Die GFF sieht darin einen klaren Verstoß gegen EU-Recht. Die europäische Netzneutralitätsverordnung schreibe vor, dass Internetanbieter den gesamten Datenverkehr gleich behandeln müssten, so die Organisation in ihrer Pressemitteilung.
Auf der eigens eingerichteten Webseite netzbremse.de sammeln die Organisationen Erfahrungsberichte und Messdaten von betroffenen Kunden. Jeder Telekom-Kunde, der ähnliche Probleme erlebt, könne sich der Beschwerde anschließen, heißt es dort. Auch Medien wie die Tagesschau, der Spiegel, Heise, Golem und der Tagesspiegel haben über die Vorwürfe berichtet, wie netzbremse.de in einer Übersicht auflistet.
Kunden berichten von kaum nutzbarem Internet trotz teurer Verträge
Die Erfahrungsberichte betroffener Kunden zeichnen ein drastisches Bild. Auf netzbremse.de sind zahlreiche Schilderungen aus dem Telekom-Forum dokumentiert. Ein Nutzer berichtet dort, dass er als Telekom-Kunde keinen Zugriff mehr auf für seine Arbeit relevante Forschungsdaten habe. Downloads von Universitätsservern liefen mit gerade einmal 30 Kilobyte pro Sekunde. "Die Telekom sabotiert mit ihrem Verhalten die gesamte deutsche Forschungs- und Universitätslandschaft", schreibt er laut netzbremse.de. Ein anderer mockiert dort: "Ich zahle 110€ für meinen Vertrag und bin wirklich unzufrieden."
In diesem Video fasst netzbremse.de ihre Vorwürfe zusammen: