Handy entsperren: So leicht kann die Gesichtserkennung ausgetrickst werden
Autor: Lea Mitulla
Deutschland, Freitag, 15. Mai 2026
Das Handy per Gesicht zu entsperren, ist nicht so sicher, wie viele denken. Ein Test zeigt, welche Smartphones mit einem einfachen Foto überlistet werden können.
Statt per PIN oder Fingerabdruck entsperren inzwischen die meisten Leute ihr Handy per Gesichtserkennung. Das Gerät muss einfach vor das Gesicht gehalten werden und die Kamera erkennt einen automatisch. Es geht schnell und unkompliziert - aber ist es auch sicher? Forschende haben herausgefunden, dass die Sperre leichter ausgetrickst werden kann, als wir dachten.
Das Problem: Bei einigen Smartphone-Modellen lässt sich die Gesichtserkennung durch ein Foto überlisten. Wenn jemand Zugriff auf dein Handy haben will, kann er also ein Bild von dir vor die Kamera halten und das Gerät wird entsperrt. Das ist besonders kritisch bei sogenannten Passkeys, die bei vielen Online-Diensten zur Authentifizierung zum Einsatz kommen. Laut Experten ist diese Methode besonders sicher, da sie statt eines eingetippten Passworts die jeweilige Entsperrmethode des Handys nutzt (meist Fingerabdruck oder Gesichtserkennung). Kann das Handy per Foto entsperrt werden, ist diese vermeintliche Sicherheit hinfällig.
Handy mit Gesicht entsperren: Foto-Trick überlistet Sicherheitssystem vieler Smartphone-Hersteller
Das britische Fachportal "Which?" hat seit 2022 unterschiedliche Handys getestet. 64 Prozent der Geräte ließen sich mit einem ausgedruckten Foto der Besitzer entsperren. Nur bei wenigen Herstellern habe es im Testzeitraum technische Verbesserungen gegeben. Bis 2024 habe sich das Problem sogar verschlimmert, heißt es aus dem Labor. Insgesamt wurden über die Jahre 208 Smartphones geprüft. Handys der folgenden Marken konnten im Test durch den Foto-Trick entsperrt werden:
- Asus
- Fairphone
- Honor
- HMD
- Motorola
- Nokia
- Nothing
- OnePlus
- Oppo
- Realme
- Samsung
- Vivo
- Xiaomi
Die Ursache liegt in der Technologie hinter der Gesichtserkennung. Jedes Mal, wenn du dein Handy entsperrst, wird dein Gesicht mit einem oder mehreren zuvor gespeicherten Gesichtsbildern verglichen. Das funktioniert in der Regel so:
- Das Handy erkennt automatisch, dass du auf den Bildschirm schaust.
- Ein Scanner wird aktiviert, der per Kamera oder Infrarotstrahlen dein Gesicht erfasst und charakteristische Merkmale erkennt.
- Die erkannten Merkmale (z. B. die Position der Augen) werden mit der hinterlegten "Vorlage" abgeglichen.
- Stimmen die Merkmale überein, wird das Handy entsperrt.
Wie leicht sich dieses System überwinden lässt, hängt davon ab, ob der Gesichtsscan auf 2D- oder 3D-Kameratechnik basiert. Wie der Name schon sagt, kann nur die 3D-Technik auch die Tiefendimension deines Gesichts erfassen. Statt nur ein flaches Bild, wird also eine räumliche Landkarte deines Gesichts erstellt und abgeglichen. Dafür wird jedoch zusätzliche Hardware benötigt, eine sogenannte "True Depth Camera" wie Apple etwa für Face ID beim iPhone verwendet. Das kostet jedoch mehr. Daher begnügen sich viele Hersteller mit 2D-Verfahren.