Handy: Attacken auf Konten bei Chat-App - Signal verspricht mehr Schutz
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
San Francisco, Dienstag, 28. April 2026
Von Politikern und Militärs werden Login-Daten für die verschlüsselte Chat-App Signal abgegriffen, um sie auszuspähen. Signal verspricht nun mehr Schutz gegen solche Attacken.
Der verschlüsselte Messenger-Dienst Signal möchte nach Phishing-Angriffen auf Politiker, Militärs und Journalisten in Deutschland zusätzliche Schritte unternehmen. Änderungen sollen "in den kommenden Wochen" eingeführt werden, hieß es zunächst ohne weitere Details.
Signal betonte gleichzeitig, dass die Verschlüsselung und die Software der App nicht gehackt worden seien. Vielmehr seien Nutzer getäuscht worden, indem sich Angreifer als "Signal Support" ausgegeben und durch diesen Betrug Anmeldedaten erlangt hätten. Solche Attacken, bei denen Angreifer Nutzer dazu verleiten, sie durch die "Vordertür" hereinzulassen, beträfen jede größere Chat-App.
Bundesregierung vermutet Russland hinter Ausspäh-Kampagne bei Signal
Aus Kreisen der Bundesregierung hieß es zuvor, dass die Phishing-Kampagne mutmaßlich aus Russland gesteuert wurde. Die Regierung der Niederlande, wo ähnliche Angriffe ebenfalls festgestellt worden waren, hatte bereits erklärt, sie vermute Russland hinter der Kampagne, von der nach Informationen der dpa auch einzelne Kabinettsmitglieder betroffen sind.
Die deutsche Regierung äußert sich bislang offiziell nicht zu konkreten Fällen. Laut Spiegel zählen Bauministerin Verena Hubertz (SPD) und Familienministerin Karin Prien (CDU) zu den Opfern der Kampagne. Die Bundesanwaltschaft, die die Angriffe untersucht, äußert sich bislang nicht zu möglichen Drahtziehern.
Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) forderte die Bundesregierung und den Bundestag auf, die Nutzung des US-Anbieters Signal einzustellen. In der Bild empfahl sie, Abgeordnete und Verwaltungen sollten auf den europäischen Messenger-Dienst Wire umsteigen. Dort würden Telefonnummern nicht offengelegt, E-Mail-Adressen seien nicht sichtbar und das Sicherheitsniveau sei wesentlich höher. Außerdem solle man über ein Signal-Verbot auf Dienstgeräten von Abgeordneten und Bundestagsmitarbeitern nachdenken.
Von Notz sieht Signal-Attacke als "Weckruf"
Grünen-Fraktionsvizechef Konstantin von Notz wertet die Phishing-Kampagne gegen deutsche Politiker als "sehr relevanten Vorgang". "Die Spionage-Attacke muss ein Weckruf für alle Sicherheitsbereiche sein", sagte von Notz, der auch im Parlamentarischen Kontrollgremium der Geheimdienste sitzt, der Süddeutschen Zeitung.
"Wir müssen begreifen, mit welcher Agenda Moskau hier unterwegs ist: Die Angriffe sind real und eine echte Gefahr für unsere Sicherheit. Jeden Tag sind Agenten hier unterwegs, spionieren und bereiten Sabotage vor", erklärte der Grünen-Politiker. Langfristig könnten Geheimdienste auch versuchen, Opfer zu diskreditieren. "In jedem Fall ist den Angreifern aber ein relevanter Erkenntnisgewinn gelungen, den man nicht unterschätzen sollte."