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Handy als hinterhältige Abhör-Falle: Werden Gespräche mitgeschnitten?


Autor: Alexander Milesevic

Deutschland, Donnerstag, 22. Januar 2026

Wer kennt es nicht? Kaum redet man in Hörweite des Handys über etwas, bekommt man wenig später Werbung dafür ausgespielt. Woran liegt das?
Unternehmen bestreiten, Handy-Mitschnitte für Werbezwecke zu nutzen. Technisch ist dies aber ohne Weiteres möglich.


Der Verdacht, dass Smartphones heimlich Gespräche "mithören", um personalisierte Werbung anzuzeigen, hält sich seit Jahren. Viele Nutzer schildern ähnliche Erlebnisse: Kaum spricht man über ein bestimmtes Produkt, erscheint kurz darauf eine passende Anzeige auf dem Display. Zufall? Wohl kaum. Die Frage ist: Was ist bewiesen – und was bleibt bloße Vermutung?

Technisch ist es ohne Weiteres möglich, dass Apps mit Mikrofonzugriff Gespräche aufzeichnen und auswerten. Eindeutige Belege dafür, dass Konzerne wie Google, Meta oder Apple solche Mitschnitte gezielt für Werbung nutzen, liegen bislang jedoch nicht vor. Vieles spricht dafür, dass die Algorithmen hinter Anzeigen vor allem auf digitalen Spuren beruhen – etwa auf Suchanfragen, Aktivitäten in sozialen Netzwerken oder auf Standortdaten.

So stoppst du den Lauschangriff auf deinem Handy

Experimente des Bayerischen Rundfunks für das Format "Puls Reportage" haben gezeigt, dass Apps auf Android-Geräten unbemerkt Gespräche mitschneiden konnten – sogar dann, wenn der Bildschirm ausgeschaltet war. Auf iPhones war solch ein heimlicher Zugriff schwieriger, weil ein farbiger Punkt anzeigt, wenn das Mikrofon aktiv ist.

Auch wenn unklar bleibt, ob Gespräche systematisch für Werbung ausgewertet werden, lässt sich das Risiko mit einfachen Schritten minimieren:

  • App-Berechtigungen überprüfen: Viele Anwendungen verlangen Zugriff auf Mikrofon, Kamera oder Standort, ohne dass dies für die Funktion zwingend nötig wäre. In den Einstellungen des Smartphones können Nutzer prüfen, welche App welche Rechte hat – und den Zugriff für selten genutzte oder auffällige Anwendungen entziehen.
  • Virtuelle Assistenten deaktivieren: Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Google Assistant können versehentlich aktiviert werden und dann Tonaufnahmen speichern. Wer diese Dienste nicht regelmäßig nutzt, sollte sie deaktivieren oder ihre Rechte deutlich einschränken.
  • Datenschutzfreundliche Apps und Tools verwenden: Zusätzlich helfen datenschutzfreundliche Angebote. VPN-Dienste etwa verschlüsseln den Datenverkehr und erschweren es Dritten, das Online-Verhalten nachzuvollziehen.
  • Sicherheitseinstellungen anpassen: Auf Android-Smartphones lässt sich der Zugriff auf Mikrofon und Kamera systemweit sperren und nur bei Bedarf freigeben. Nutzer von iPhones können über die Funktion "App Tracking Transparency" steuern, ob Apps Nutzungsdaten an Dritte weitergeben dürfen. 

Smartphone als Abhörwerkzeug: Unternehmen bestreiten Nutzung von Daten

Der Chaos Computer Club (CCC) weist laut einem Bericht von Quarks darauf hin, dass Smartphones technisch durchaus als Abhörwerkzeuge missbraucht werden können. Große Tech-Konzerne bestreiten jedoch, entsprechende Daten für Werbezwecke zu nutzen.

Skepsis bleibt – auch, weil bekannt wurde, dass das US-Unternehmen Cox Media Group eine Technik namens "Active Listening" entwickelt hat. Sie soll Gespräche in der Nähe von Smartphones und Smart-TVs analysieren und darauf zugeschnittene Werbung ausspielen. Eine solche Praxis wäre in Deutschland rechtswidrig.