Google-Bewertungen: Was hinter den neuen Hinweisen wirklich steckt
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Montag, 08. Juni 2026
Google-Sterne entscheiden längst mit darüber, welches Restaurant Gäste besuchen und welches leer bleibt. Doch neue Hinweise bei Google Maps zeigen nun erstmals, wie viele Bewertungen Unternehmen löschen lassen.
Wer ein Restaurant auswählt, schaut oft zuerst auf die Sterne bei Google Maps. Eine Bewertung von 4,5 gilt vielen als Topwert, eine 4,3 dagegen schon als eher durchschnittlich. Doch neue Hinweise bei Google zeigen nun, dass hinter manchen glänzenden Bewertungen deutlich mehr steckt. Denn Google blendet inzwischen bei vielen Unternehmensprofilen ein, wie viele Rezensionen in den vergangenen zwölf Monaten entfernt wurden. Dadurch wird erstmals sichtbar, wie häufig Restaurants und andere Betriebe gegen kritische Bewertungen vorgehen.
Neue Hinweise machen Löschungen sichtbar
Auf den Profilen mancher Restaurants erscheint inzwischen ein kleiner Hinweis, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Dort steht etwa: "51 bis 100 Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt" oder sogar "Über 250 Bewertungen entfernt". Wer solche Hinweise entdeckt, erkennt sofort: Das sichtbare Bewertungsbild ist nicht vollständig.
Besonders auffällig wird das bei Betrieben, die nur noch wenige sichtbare Rezensionen haben, gleichzeitig aber Hunderte gelöschte Bewertungen verzeichnen. Nutzer können dadurch erstmals erahnen, wie stark ein Unternehmen seine öffentliche Bewertung bereinigen lässt. Die Gesamtzahl der Sterne wirkt dadurch plötzlich weniger eindeutig als früher.
Die Funktion existiert bislang ausschließlich in Deutschland. Google begründet die Änderung mit mehr Transparenz und dem Ziel, Informationen auf Maps authentisch und vertrauenswürdig zu halten. Tatsächlich zeigt die neue Anzeige aber vor allem, wie intensiv hierzulande um Onlinebewertungen gestritten wird.
Warum in Deutschland so viele Bewertungen verschwinden
Seit Jahren lassen zahlreiche Unternehmen in Deutschland kritische Rezensionen löschen. Dafür haben sich inzwischen spezialisierte Kanzleien und Agenturen etabliert, die systematisch gegen negative Google-Bewertungen vorgehen. Besonders häufig geschieht das mit dem Vorwurf der "Diffamierung".
In vielen Fällen behaupten Unternehmen oder ihre Vertreter, eine bewertende Person sei nie Kundin oder Kunde gewesen. Google entfernt entsprechende Rezensionen häufig zunächst automatisch oder ohne tiefgehende Prüfung. Die Verfasser können zwar Einspruch einlegen und etwa Rechnungen oder Fotos als Nachweis vorlegen. Viele tun das jedoch nicht – oft aus Zeitgründen oder weil ihnen die Verfahren zu aufwendig erscheinen.
Verbraucherschützer kritisieren laut Tagesschau deshalb seit Langem, dass auf diese Weise auch sachliche und berechtigte Kritik verschwindet. Nach Angaben der EU-Transparenzdatenbank wurden im Jahr 2025 fast sämtliche Löschanträge wegen Diffamierung innerhalb der Europäischen Union aus Deutschland gestellt. Das zeigt, wie stark sich hier eine regelrechte "Lösch-Industrie" entwickelt hat.