So gefährlich kann ein altes und ungenutztes E-Mail-Konto sein
Autor: Andrea Blatzky
Deutschland, Sonntag, 03. Mai 2026
Wird ein Account nicht mehr benötigt, geraten die E-Mail-Adresse und das Passwort rasch in Vergessenheit, Doch ein stillgelegtes E-Mail-Konto kann zum Sicherheitsrisiko werden.
- Warum solltest du ein altes E-Mail-Konto löschen?
- Wie sorgst du für ausreichend Sicherheit?
- Welche Vorteile hat ein digitales Postfach bei einem sicheren Anbieter?
Wird ein E-Mail-Konto nicht mehr genutzt, bleibt es in den meisten Fällen bestehen und wird nicht gelöscht. Diese Vorgehensweise ist zwar bequem, kann aber die darin gespeicherten Daten gefährden, denn Hacker haben sich darauf spezialisiert, nach ungenutzten Accounts zu suchen und diese für betrügerische Zwecke zu missbrauchen. Wie solltest du vorgehen, wenn du ein E-Mail-Konto nicht mehr benötigst oder den Anbieter wechselst?
Warum sind inaktive E-Mail-Konten so gefährlich?
Digitale Karteileichen sind keine Seltenheit, denn fast jeder Nutzer hat mindestens ein ungenutztes E-Mail-Konto. Diese werden auch als "Silent Killers" bezeichnet. Hierbei muss es sich nicht unbedingt um ein virtuelles Postfach handeln. Dazu zählen auch Accounts in Online-Shops, sozialen Netzwerken und auf sonstigen Plattformen, wie beispielsweise Clouds oder Streaming-Diensten. Immer mehr Arztpraxen bieten eine schnelle Terminierung über das Internet an. Dieser Service ist natürlich mit einem persönlichen Nutzerkonto verbunden. Häufig sind darin die Adresse, weitere persönliche Angaben sowie die Bankverbindung oder Kreditkartennummer hinterlegt. Laut einer Statistik gibt es mittlerweile über 4 Millionen Nutzer und die Tendenz ist steigend.
Je mehr inaktive Konten du hast, desto größer ist das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, denn für Hacker sind diese Accounts vergleichbar mit offenen Türen. Mit wenigen Klicks können sie das Konto kapern und deine Daten stehlen. Daneben sind die gespeicherten Kontakte deiner Geschäftspartner oder Freunde gefährdet. Wie sicher die persönlichen Informationen sind, kommt darauf an, wo sich das E-Mail-Konto befindet. Manche Betreiber bieten einen guten Schutz, bei anderen Portalen können Datenlecks die Kundendaten gefährden.
Und genau da liegt das Problem: Bei einem Zugriff auf die hinterlegten Informationen haben Kriminelle die Möglichkeit, sämtliche Benutzernamen sowie die dazugehörigen Passwörter abzugreifen. In den veralteten Accounts suchen die Gauner nach weiteren verknüpften Diensten. Dann ist es ein Leichtes, durch die Vergabe eines neuen Passworts Zugriff auf ein anderes Konto zu erlangen. Weil die Hacker jetzt die Kontodaten besitzen, können sie problemlos auf die Reset-Mail antworten. Häufig richten sie weiteren Schaden an, indem sie einen Phishing-Angriff auf alle deine Kontakte vornehmen. Sie verschicken unter deinem Namen eine gefälschte Mail mit einem Link an deine Kontakte. Mit einer fingierten Begründung soll der Empfänger auf den Link klicken. Jetzt können die Täter weitere Daten abgreifen oder eine Malware auf den übernommenen Geräten installieren.
Cybersicherheit von E-Mails 2026 - warum solltest du alte Konten löschen?
Haben Kriminelle dein Konto geknackt, kann für dich bereits das Anlegen einer neuen Mail-Adresse zum Sicherheitsrisiko werden, weil viele Portale nach einer weiteren Mail-Adresse als Referenz für eine Wiederherstellung fragen. Hier wählen viele Nutzer aus Bequemlichkeit eine alte Adresse – ob sie sich bei dieser regelmäßig anmelden oder nicht. Die Betrüger erhalten natürlich Kenntnis davon und können nun ohne großen Aufwand deine neueste Mail-Adresse überwachen.
Um deine Sicherheit zu verbessern, solltest du alte E-Mail-Adressen oder ungenutzte Accounts zeitnah löschen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Bevor du auf die Delete-Taste drückst, solltest du noch einige Dinge beachten. Prüfe, ob die betreffende E-Mail-Adresse nicht schon gehackt wurde. Wenn, solltest du rasch tätig werden und allen dazugehörigen Verknüpfungen eine neue E-Mail-Adresse zuteilen und die Passwörter ändern. Nur so kannst du den Hackern den Zugang verwehren. Ist das E-Mail-Konto noch in Ordnung, prüfe, ob noch weitere Dienste oder Apps mit dem Account verbunden sind. Denn nach einer Löschung kannst du keine Nachrichten mehr empfangen. Zudem ist eine nachträgliche Änderung der E-Mail-Adresse kompliziert. Deshalb solltest du nicht überstürzt handeln und alles in Ruhe checken. Gehe zusätzlich alle Kontakte durch, ob es noch welche gibt, bei welchen die besagte E-Mail-Adresse als Kontaktadresse hinterlegt ist. Die betreffenden Adressaten solltest du möglichst schnell darüber informieren, wenn du Konten aufgeben möchtest. Dies kann der Fall sein, wenn du ein Gmail Konto löschen möchtest oder den bestehenden Account bei GMX oder Web.de stilllegst.
Alternativ kannst du Alias-Adressen anlegen und als Referenz einsetzen. Diese leiten Mails an deine Hauptadresse weiter und dienen lediglich als Platzhalter. Verschiedene Anbieter, wie beispielsweise Gmail, Outlook, iCloud oder Mail.de bieten diese Lösung an. Du kannst den anonymisierten Namen auch als Absender nutzen oder mehrere Alias-Adressen zu deinem Hauptmailpostfach leiten. So hast du die Möglichkeit, deine Posteingänge vor Spam oder Identitätsdiebstahl zu schützen und kannst unterschiedliche Themenbereiche besser organisieren. Suche zusätzlich nach eventuell vergessenen E-Mail-Konten. Du kannst etwa in einem E-Mail-Konto nach Schlagwörtern, wie beispielsweise "Registrierung", "E-Mail-Adresse bestätigen" oder "Freischalten" suchen. Denn du erhältst normalerweise eine Bestätigung, wenn du dich bei einer Plattform oder einem Online-Shop registrierst. Beachte, dass etliche Onlineshops regelmäßig Informationen in Form von Gutscheinen oder speziellen Angeboten an E-Mail-Adressen versenden, die im Kundenkonto hinterlegt sind. Foren oder soziale Plattformen versenden ebenfalls Newsletter an Mitglieder, die sich zurückgezogen haben, um sie dazu zu bringen, wieder aktiv zu werden.