Druckartikel: DSL-Abschaltung: So soll der Glasfaser-Umstieg für Verbraucher ablaufen

DSL-Abschaltung: So soll der Glasfaser-Umstieg für Verbraucher ablaufen


Autor: Andrea Blatzky

Deutschland, Samstag, 09. Mai 2026

Das DSL-Aus ist beschlossene Sache und das Kupfernetz wird durch Glasfaser ersetzt. Die Bundesnetzagentur organisiert die Abschaltung und informiert über das weitere Vorgehen.
Glasfaser statt Kupfer: Die Bundesnetzagentur setzt auf moderne Technologien für die Zukunft.


Um die Digitalisierung voranzutreiben, sollen die veralteten Kupferleitungen durch innovative Glasfaser ersetzt werden. Die Realisierung des Projekts wird voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern. Trotzdem sollten sich Verbraucher schon jetzt über die geplante Abschaltung informieren. Was musst du bei der Umstellung beachten?

Warum soll das Kupfernetz abgeschaltet werden?

Laut einer Marktanalyse des VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) besaßen im Jahr 2025 rund 23 Millionen Firmen und Privathaushalte einen klassischen DSL‑Anschluss. Nun soll diese Technologie durch eine leistungsstarke Alternative ersetzt werden. Zuständig für die Umsetzung ist die Bundesnetzagentur. Die Behörde überwacht wichtige Infrastrukturbereiche – darunter auch die Sparten Internet und Telekommunikation. Damit der Breitband-Umstieg reibungslos funktioniert, hat die Bundesnetzagentur im Januar 2026 ein Konzept zur Kupfer-Glas-Migration veröffentlicht. Darin wird ein organisierter Wechsel von veralteten Kupferleitungen zur modernen Glasfaser-Technologie erörtert, wobei der Ablauf transparent gestaltet wird. Schließlich sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher rechtzeitig reagieren können. Der angedachte Zeitplan wird erst umgesetzt, wenn die Netzbetreiber bis Mitte März eine Stellungnahme abgegeben haben. 

Das Glasfasernetz bietet zahlreiche Vorteile. Zunächst ist die Datenübertragung wesentlich schneller als mit Kupferleitungen. Weil bei Glasfaser der Transfer durch Lichtsignale erfolgt, werden Geschwindigkeiten erreicht, die im Gigabit-Bereich pro Sekunde liegen. Im Vergleich dazu sind bei Kupfer nur etwa 250 Megabit in der  Sekunde möglich. Glasfaser hat nahezu unbegrenzte Dimensionen. Der Bedarf an Datenvolumen steigt kontinuierlich an. Highspeed-Internet ist ideal für Menschen, die im Homeoffice arbeiten oder regelmäßig Streaming-Dienste in Anspruch nehmen. Gamer profitieren ebenfalls von der konstant schnellen Verbindung. 

Die Glasfaser-Technologie ist unempfindlich gegen Störungen, wie beispielsweise Feuchtigkeit oder Korrosion. Selbst die elektromagnetischen Impulse, welche bei einem Gewitter auftreten, haben keinen Einfluss auf die Datenübertragung, weil bei Glasfaser keine elektrischen Strahlen transportiert werden. Die Technologie gilt als sehr sicher – Daten können nur schwer abgegriffen werden und auch das Abhören wird stark erschwert. Zudem gibt es auf weiten Strecken keinen Verlust, so wie es bei Kupferleitungen bisher der Fall war. Denn die Glasfaserleitungen reichen bis zur Wohnung oder direkt ins Einfamilienhaus (FTTH, also "Fiber To The Home") und nicht nur bis zum Verteilerkasten (FTTC, also "Fiber To The Curb") oder allgemein zum Gebäude (FTTB, also "Fiber To The Building").

Der geplante Zeitplan

Dass plötzlich keine Internetverbindung mehr verfügbar ist, wird von der Bundesnetzagentur ausgeschlossen. Die Umstellung erfolgt erst, wenn ein nahezu flächendeckendes Glasfasernetz verfügbar ist. Laut der Behörde muss die Quote der angeschlossenen Haushalte bei mindestens 80 % liegen. Erst dann darf in den jeweiligen Gebieten mit dem Systemwechsel begonnen werden. Nach Abschluss der Kupfer-Glas-Migration werden die veralteten Leitungen lahmgelegt.

Eine flächendeckende Abschaltung ist für den Zeitraum zwischen 2030 und 2032 geplant, bei ersten Modellgebieten ist die Wende bereits ab 2028 angedacht. Endgültig sollen alle Arbeiten bis spätestens 2035 bis 2040 beendet sein. 

Um die Versorgung sicherzustellen, gibt es die Vorgabe, dass 2 Jahre vor dem Wechsel keine Kupferleitungen mehr verlegt werden dürfen. Bereits 12 Monate früher muss die Abschaltung angekündigt werden. Hierzu hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände schon im Juni 2025 eine Stellungnahme zu den Punkten Versorgung, Preisstabilität sowie Kündigungs- und Umstellungsmodalitäten abgegeben. 

Welche Kostenentwicklung ist zu erwarten?

Vor allem macht die Telekom Tempo beim Ausbau. Laut einem Bericht vom Juni 2025 wurden im Mai 2025 insgesamt 232.000 Endverbraucherstellen (Privathaushalte und Betriebe) mit Glasfaser-Anschlüssen ausgestattet. Zwischenzeitlich konnten rund 11 Millionen User einen Vertrag für einen Glasfaser-Tarif mit einer Geschwindigkeit von rund 2 GBit pro Sekunde abschließen. Jedoch nutzen die meisten Kunden immer noch die langsamere DSL-Variante

Das Verlegen von Glasfaser ist mit Initialkosten verbunden. Darunter versteht man die einmaligen Ausgaben, welche am Anfang anfallen, bevor überhaupt erste Einnahmen verbucht werden. Diese Kosten umfassen unter anderem die Ausstattung sowie das Marketing. Dennoch soll durch mehrere Anbieter ein Wettbewerb mit fairen Preisen  ermöglicht werden – unabhängig davon, welches Unternehmen die Leitungen verlegt.

Dies soll mithilfe von sogenannten Open-Access-Angeboten erfolgen, die von der Bundesnetzagentur verlangt werden. Drittanbieter sollen das bereits verlegte Glasfasernetz nutzen dürfen und somit den Verbrauchern ein günstiges Angebot unterbreiten können. Dadurch soll ein extremer Preisanstieg verhindert werden. Somit kannst du vergleichen, wer für deine Bedürfnisse das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in der Produktpalette hat. 

Was müssen Verbraucher und Vermieter beachten?

Bei der Vertragsunterzeichnung solltest du die Laufzeit berücksichtigen, denn diese beträgt normalerweise 24 Monate. Allerdings beginnt sie nicht mit der Freischaltung, sondern meistens bereits ab Vertragsabschluss oder mit der zugestellten Auftragsbestätigung. Prüfe also genau die Modalitäten, weil du unter Umständen die gebuchte Leistung nicht über den gesamten Zeitraum in Anspruch nehmen kannst. In einem Urteil vom 8. Januar 2026 hat der Bundesgerichtshof diese Praxis bestätigt, denn bereits ab Unterzeichnung ist der Kunde an den Vertrag gebunden. Vergleiche hierzu schon vor der Unterschrift die jeweiligen Bedingungen. 

Viele Anbieter bedienen sich einer Vorvermarktung. Damit stellen sie sicher, dass sich der Aufwand lohnt. Hierfür werden die Verträge schon vor Baubeginn unterschrieben. Folglich können zwischen den Bauarbeiten und der tatsächlichen Nutzung etliche Monate bis Jahre verstreichen. Übrigens können in einem Mehrfamilienhaus auch einzelne Haushalte Glasfaser nutzen. Ist das Gebäude an das Netz angeschlossen, darf der Vermieter die Nutzung nicht ohne einen wichtigen Grund verbieten (Mitwirkungspflicht).

Möchtest du deinen Vertrag kündigen, sind die vereinbarten Konditionen maßgeblich. Nach 24 Monaten gilt normalerweise bis zum Ende des Monats eine eintägige Frist. Innerhalb der ersten Laufzeit gewähren die meisten Anbieter eine Dreimonatsfrist. Unter Umständen kannst du ein Sonderkündigungsrecht beanspruchen, wenn du beispielsweise umziehst und am neuen Wohnort noch kein Glasfaser verlegt ist. Das Dokument findest du häufig auf der Homepage des Unternehmens. Auch das Schreiben einer E-Mail oder eines Briefs ist möglich. Bestehe unbedingt auf eine Kündigungsbestätigung. Gibst du den Brief per Post auf, lohnt sich der Versand per Einschreiben, damit der Empfänger den Erhalt nicht leugnen kann. Bei einem Vertragswechsel kündigt oftmals der neue Anbieter den bestehenden Vertrag und übernimmt die Mitnahme der Telefonnummern, sodass du keinen Aufwand hast und ein eventueller Ausfall vermieden wird.