Ein Großteil der Befragten gab zunächst (Stand 30.08.22, 14.45 Uhr) an, dass die bisherige Praxis beibehalten und nur in Extremfällen Daten der Nutzer weitergeben werden sollen. Insgesamt 41 Prozent der Nutzer befürwortete dies. Insgesamt 34 Prozent sprachen sich dafür aus, den Datenschutz noch zu verschärfen und keine Daten weiterzugeben. 21 Prozent waren dafür, Daten auch in anderen Fällen weiterzugeben - notfalls auch ohne richterlichen Beschluss.
Was steckt hinter der Umfrage von Telegram?
Was Telegram mit der Umfrage bezwecken will, ist unklar. Netzpolitik.org vermutete, man wolle im Streit mit der Bundesregierung ein weiteres Argument für die eigene Position sammeln, nämlich die Meinung der Nutzer. Schon die Formulierung der Frage ziele darauf ab, dass Nutzer*innen eher dem Status Quo zustimmen würden.
Telegram ist in der Politik umstritten. Hintergrund ist, dass viele verfassungsfeindliche und rechtsradikale Gruppierungen den Messenger für ihre Kommunikation nutzen. Auch unter Querdenkern und Reichsbürgern ist der Dienst beliebt, da er die Kommunikation in großen Gruppenchats ermöglicht und zumindest in den meisten Fällen keine persönlichen Daten der Nutzer an Behörden weitergeben werden (dürfen). Innenministerin Nancy Faeser hatte deswegen im Januar als Ultima Ratio mit einer Abschaltung des Dienstes gedroht, sollte eine Zusammenarbeit nicht möglich sein - hatte diese Aussage aber später wieder relativiert.
Im Zuge des Ukraine-Kriegs wurde Telegram wiederum dafür genutzt, wichtige und unabhängige Informationen abseits der kontrollierten Staatsmedien zu verbreiten.
Einen bindenden Charakter hat die Umfrage von Telegram aber natürlich nicht. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass sich bei dem Dienst in Zukunft einiges ändern könnte. Netzpolitik.org spekuliert, dass auch Telegram, ähnlich wie Threema und Signal standardmäßig auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umstellen könnte. Dies würde der Option drei entsprechen. Denn dann könnte Telegram gar keine personenbezogenen Nutzerdaten mehr weitergeben, weil diese schlichtweg nicht mehr vorhanden wären.