Amazon: Geld zurück für Amazon Prime-Nutzer? Kläger vermuten Scheitern
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Mittwoch, 20. Mai 2026
Zuschauer zahlen für Pay-TV, um sich Reklame zu ersparen. Amazon jedoch schickt Prime-Video-Kunden trotzdem Werbespots auf die Bildschirme. Eine Sammelklage droht zunächst einmal zu scheitern.
Update vom 20.05.2026: Sammelklage gegen Amazon - Kläger gehen von Scheitern aus
Eine Sammelklage von bislang 220.000 deutschen Verbrauchern gegen die Werbemaßnahmen beim Streamingdienst Amazon Prime droht in der ersten Instanz zu scheitern. Das Bayerische Oberste Landesgericht hat während der Verhandlung am Dienstag (19. Mai 2026) in München erhebliche Bedenken hinsichtlich der Zulässigkeit der Klage geäußert, berichtete die Verbraucherzentrale Sachsen, die die Sammelklage gebündelt und vor Gericht gebracht hatte, nach der mündlichen Verhandlung.
Ein Gerichtssprecher erklärte, dass die am 17. Juli zu verkündende Entscheidung offen sei. Es bestünden Zweifel, ob Amazon tatsächlich in den Nutzungsbedingungen Werbefreiheit zugesichert habe. Die vom Kläger angeführten Klauseln sehe das Gericht nicht so eindeutig wie die Kläger.
"Sollte das Gericht die geäußerte Rechtsauffassung auch im Urteil beibehalten, werden wir in jedem Fall den Weg zum Bundesgerichtshof gehen", kündigte der Vorsitzende der Verbraucherzentrale Sachsen, Andreas Eichhorst, an. "Entscheidend ist, was am Ende herauskommt."
Eine erste Klage hat Amazon bereits verloren
Im Wesentlichen kritisiert die Verbraucherzentrale, dass der Online-Gigant seinen ursprünglich werbefrei angebotenen Streamingdienst mit Werbeeinblendungen versehen hat. Kunden wurden vor die Wahl gestellt, zum gleichen Preis mit Werbung weiterzusehen oder einen Aufpreis für einen weiterhin werbefreien Streamingdienst zu zahlen. Darin sah die Verbraucherzentrale eine unzulässige nachträgliche Verschlechterung der Vertragsbedingungen.
In einem vorangegangenen ersten Verfahren hatte das Landgericht München I den Zusatzbetrag für die Werbefreiheit im Dezember für unrechtmäßig erklärt - dieses Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Der Sachverhalt: Amazon hatte Anfang 2024 die Prime-Video-Kunden per E-Mail informiert, dass ab Februar des betreffenden Jahres in begrenztem Umfang Werbung ausgestrahlt würde. Wer keine Werbung sehen wollte, sollte monatlich 2,99 Euro mehr zahlen. Das Landgericht sah in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen den lauteren Wettbewerb.
Amazon weist Vorwürfe zurück
Dieses erste Verfahren war eine vom Bundesverband der Verbraucherzentralen eingereichte Unterlassungsklage. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte Amazon somit die Zusatzgebühr für Werbefreiheit nicht mehr erheben.