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Zohran Mamdani in New York: 100-Tage-Bilanz – Gratis-Kinderbetreuung durch Luxussteuer


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Montag, 11. Mai 2026

New Yorks Bürgermeister Mamdani ist bereits 100 Tage im Amt. Sein Amtsantritt ging mit vielen Versprechen und Reformen einher. Zeit für eine Bilanz.
Luxusimmobilien im Visier: Eine neue Pied‑à‑Terre‑Steuer soll laut Stadt jährlich rund 500 Millionen Dollar einbringen.


Zohran Mamdani hat seinen ersten Meilenstein erreicht: 100 Tage im Amt des Bürgermeisters von New York. Zu diesem Zeitpunkt wird ein Politiker oft zum ersten Mal an seinen bisherigen Umsetzungen und Erfolgen gemessen. Die Latte liegt hoch. Immerhin hat Mandami im Wahlkampf zahlreiche Reformen für New York City versprochen – neben gratis Kindertagesplätzen in New York auch eine neue Steuer auf Luxusimmobilien und Zweitwohnungen sowie Maßnahmen im Mietrecht und beim Verbraucherschutz.

Wer ist Zohran Mamdani und mit welchem Programm ist er angetreten?

"100 Tage im Amt" – das ist ein gängiger politischer Meilenstein, an dem sich prüfen lässt, was ein Politiker sofort anstoßen kann und was wegen Budget, Gesetzgebung und Personal erst später greift. Bei Mamdani geht es deshalb weniger um fertige Ergebnisse als um erste Beschlüsse, Ernennungen, Finanzzusagen und Pilotprojekte. In New York sind die Zuständigkeiten klar verteilt: Die Stadt kann per Verwaltung, Gremien und Haushalt einiges anschieben, bei Steuern und großen Finanzierungsbausteinen braucht sie aber oft den Bundesstaat und die Gouverneurin.

Nach rund 100 Tagen im Amt kann Zohran Mamdani vor allem eines belegen: Er hat erste Weichen gestellt, aber vieles steckt noch in der Umsetzungs- und Finanzierungsphase.

Doch zunächst zur Person Mamdanis: Zohran Mamdani ist seit dem 1. Januar 2026 Bürgermeister von New York City und trat mit dem Anspruch an, die Stadt sozial stärker auszurichten. Zu seinen zentralen Versprechen zählen kostenlose Kinderbetreuung, härterer Mieterschutz und eine Politik, die höhere Belastungen für sehr Vermögende vorsieht, um soziale Programme zu finanzieren. Ein Thema im Bereich Verbraucherschutz ist zudem Uber Eats New York, wo Essenslieferanten Lohn vorenthalten wurde – und das ohne nachvollziehbare Begründung. In der politischen Debatte steht er damit für eine klare Umverteilungsagenda, wobei seine ersten 100 Tage vor allem zeigen, welche Teile über die Stadt sofort laufen und welche nur gemeinsam mit dem Bundesstaat funktionieren. Kurzum: Vieles ist noch in der Programm‑ bzw. Umsetzungsphase und hängt an Finanzierung, Zuständigkeiten und politischen Mehrheiten.

Welche Maßnahmen wurden in den ersten 100 Tagen konkret beschlossen oder gestartet?

Zu den sichtbaren Schritten gehören neue Strukturen im Mieterschutz, Maßnahmen gegen unfaire Vermieterpraktiken, ein Startpaket für kostenlose Kinderbetreuung, arbeitsrechtliche Eingriffe bei Lieferdiensten und eine Reihe von Verbraucherschutz- und Infrastrukturmaßnahmen. Nach Angaben aus der Stadtbilanz wurden laut Kontrast unter anderem mehr als 34 Millionen Dollar für Mieter gesichert, über 195.000 Verstöße von Vermietern geahndet, 9,3 Millionen Dollar für Arbeiter und Konsumenten zurückgeholt und mehr als 100.000 Schlaglöcher in New York repariert. Parallel dazu hat die Verwaltung neue Mitglieder ins Rent Guidelines Board berufen, das für die Mietanpassungen bei regulierten Wohnungen entscheidend ist.

Auch bei der kostenlosen Kinderbetreuung für unter Dreijährige geht es voran. 2.000 kostenlose Plätze sind der erste, begrenzte Einstieg in die geplante Universal Childcare Mamdani-Strategie. Ab Herbst 2026 sollen sie in vier Bezirken verfügbar sein. Bis Herbst 2027 soll der Ausbau auf rund 12.000 Plätze wachsen. Langfristig ist ein deutlich umfassenderes System geplant. Finanziell stützt sich die erste Phase vor allem auf Mittel des Bundesstaats New York. Für die erste Ausbaustufe sind rund 73 Millionen Dollar vorgesehen, während der Bundesstaat insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Dollar für frühkindliche Betreuung bereitstellt.

Im Mietbereich sind die ersten 100 Tage vor allem von Durchsetzung und Signalpolitik geprägt: Die Stadt hat laut der Rosa Luxemburg Stiftung das Amt Mayor’s Office to Protect Tenants wieder aktiviert, öffentliche Anhörungen gestartet und ist gegen Zusatzgebühren, Abo-Fallen und andere Praktiken vorgegangen. Laut Kontrast wurden 34 Millionen Dollar für Mieter erkämpft und 195.000 Verstöße von Vermietern festgestellt oder geahndet. Mit den neuen Ernennungen im Rent Guidelines Board von Mamdani hat die Verwaltung zudem die Mietpolitik institutionell so positioniert, dass ein Mietenstopp bei regulierten Wohnungen zumindest wahrscheinlicher wird.

Welche Einnahmen erwartet die Stadt durch neue Steuermodelle?

Die Pied-à-Terre-Tax von New York ist laut dem Staat New York eine Steuer auf hochwertige Zweit- oder Anlageimmobilien, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden. Betroffen sind demnach Wohnungen und Häuser mit einem Wert von mehr als fünf Millionen Dollar, wenn sie nicht der Hauptwohnsitz der Eigentümer sind. Mit der Maßnahme will die Stadt besonders vermögende Besitzer von Luxusimmobilien und Zweitwohnungen stärker an den Kosten der Stadt beteiligen.

Nach Berechnungen soll die Luxusimmobiliensteuer New York jährlich etwa 500 Millionen Dollar einbringen. Das Geld ist Teil der Finanzierung für Kinderbetreuung, Wohnen und weitere soziale Prioritäten im Programm. Wichtig für die Einordnung: Eine neue Steuer dieser Größenordnung ist politisch nur tragfähig, wenn die Einnahmen verlässlich sind und die rechtlichen Zuständigkeiten zwischen Stadt und Bundesstaat sauber geklärt werden.

Apropos Zuständigkeiten: Die Kinderbetreuung ist das beste Beispiel dafür, wie eng Stadt und Bundesstaat zusammenarbeiten müssen. Die Stadt kann Programme starten und organisieren, die große Finanzierung kommt aber wesentlich vom Staat New York. Bei Steuererhöhungen für Reiche und Unternehmen ist die Stadt ebenfalls nicht allein handlungsfähig; dafür braucht sie politische Rückendeckung auf Staatenebene. Deshalb hängt die Frage, was realistisch umgesetzt wird, nicht nur am Rathaus, sondern auch an der Zusammenarbeit mit Gouverneurin Kathy Hochul.

Welche Kritikpunkte gibt es und was sagen unabhängige Medien und Analysen?

Die Kritik richtet sich vor allem auf Umsetzbarkeit, Tempo und Finanzrisiken. Viele Vorhaben sind politisch angekündigt, aber noch nicht vollständig rechtlich und budgetär abgesichert. Bei der neuen Steuer und beim Ausbau der Kinderbetreuung bleibt offen, ob Einnahmen, Verwaltungsaufwand und Zuständigkeiten dauerhaft zusammenpassen. Im Bereich Investitionen und Risikokapital für New York im Jahr 2026 steht Mamdani zudem unter Beobachtung von Gründern und Geldgebern. Der Grund: New York zählt zu den wichtigsten VC-Zentren der USA. Entscheidend ist daher, ob die Reformen das Umfeld für Start-ups stabilisieren oder zusätzliche Unsicherheit bei Investitionen erzeugen.

Mehrere Berichte beschreiben die ersten 100 Tage als Phase spürbarer Startsignale, aber noch nicht als abgeschlossene Reformbilanz. Die Rosa Luxemburg Stiftung ordnet die Amtszeit als Beginn eines ambitionierten Reformprogramms ein, betont aber zugleich die strukturellen Hürden durch Haushalt, staatliche Zuständigkeiten und politische Konflikte. Auch andere Quellen wie das Citizens’ Committee for Children of New York nennen die ersten wegweisenden Resultate vor allem im Bereich Kinderbetreuung, Mieterpolitik und Verbraucherschutz, verweisen aber ebenso auf die noch offenen Etappen.

Entscheidend ist jetzt die konkrete Ausweitung der Kinderbetreuung im Herbst 2026. Bei Wohnen und Mieterschutz in Mamdanis New York kommt es darauf an, ob das Rent Guidelines Board und die Kontrollen wirklich zu dauerhaft mietregulierten Wohnungen führen. Auch in anderen Bereichen wird sich zeigen, ob die ersten Maßnahmen Einzelaktionen bleiben oder zu einem belastbaren Verwaltungsmodell werden. Dennoch: In den ersten 100 Tagen sind die Umsetzung oder Änderung von flächendeckenden Systemen unrealistisch. Es sind die ersten, kleineren Schritte, die hier wirken. Genau deshalb ist die Zwischenbilanz so gemischt: Vieles ist politisch bereits angestoßen, aber die entscheidenden Beweise für dauerhafte Wirkung kommen erst mit Budget, Umsetzung und Zeit.