"Völlig falscher Ansatz": Wird kostenlose Mitversicherung abgeschafft?
Autor: Ellen Schneider
Deutschland, Dienstag, 31. März 2026
Auch die Finanzkommission Gesundheit schlägt vor, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. Pläne, welche die Regierung angeblich bereits verfolgt.
Erst will das Handelsblatt aus Koalitionskreisen erfahren haben, dass die Regierung eine Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern prüft, nun befindet sich eben diese Maßnahme auch unter den Reformvorschlägen der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzten Finanzkommission Gesundheit. Die Kritik reißt nicht ab.
Laut Handelsblatt plane die Regierung künftig einen Mindestsatz von etwa 225 Euro pro Monat für aktuell mitversicherte Ehepartner festzusetzen. Eine finale Entscheidung stehe jedoch noch aus. Die Aufregung um die möglichen Pläne ist groß. Die vorgeschlagene Maßnahme sei in Wahrheit "eine versteckte Beitragserhöhung für Millionen Familien und für Menschen mit kleinen Einkommen", kommentierte eine Sprecherin des Sozialverbands VdK auf Anfrage von inFranken.de. Als "völlig falschen Ansatz", bezeichnete Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands SoVD die Maßnahme. Auch der GkV-Spitzenverband und der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) äußerten sich kritisch.
Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung? Verbände sehen Problem woanders
Der Sozialverband Vdk betont: "Statt den Druck weiter einseitig auf kleine und mittlere Einkommen zu erhöhen, braucht es endlich eine breitere, stabile und gerechte Finanzierungsbasis: eine Krankenversicherung, in die alle einzahlen, und die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln."
Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), sieht das Problem ebenfalls nicht bei der kostenlosen Mitversicherung. "Wir haben bei der Finanzierung der GKV und SPV kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Wir geben allein in der GKV 2026 voraussichtlich über 370 Milliarden Euro für die Versorgung der Versicherten aus. Damit sollte eine hochqualitative Versorgung möglich sein", fordert sie.
Kostentreiber seien vor allem Krankenhäuser, Arzneimittel und Ärzte. "Vor weiteren Belastungen der Versicherten stehen für uns daher zunächst Strukturreformen und Ausgabendisziplin im Fokus. Ein Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung trägt nicht entscheidend zur Finanzstabilisierung bei", kritisiert Elsner. Zudem bringe eine Abschaffung einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich. Sie merkt jedoch auch an: "Andererseits könnte die Maßnahme dazu führen, dass mehr Menschen von Minijobs in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln."
"Das muss reichen!": GKV-Spitzenverband kritisiert angebliche Regierungspläne
Florian Lanz, Pressesprecher des GKV-Spitzenverbandes, äußert sich auf Anfrage von inFranken.de ähnlich. "Im Kern liegt die dauerhafte Lösung nicht in einer Erhöhung der Einnahmen, sondern in Strukturreformen, die die extreme Ausgabendynamik der letzten Jahre stoppen", betont er. Die Krankenkassen würden heute jeden Tag über eine Milliarde Euro für die Versorgung ihrer 75 Millionen GKV-versicherten Bürgerinnen und Bürger ausgeben. "Das ist sehr viel Geld, das muss reichen!", bekräftigt der Verbandssprecher.
Auch Markus Söder kritisierte die angeblichen Pläne im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. "Es ist völlig absurd, in diesen herausfordernden Zeiten unsere Familien zusätzlich zu belasten", betont er. Für die CSU käme eine Abschaffung nicht infrage. Stattdessen müsse man die Ausgaben der Kassen reduzieren. Janosch Dahmen, Sprecher für Gesundheitspolitik bei den Grünen, nannte die Idee, die Mitversicherung abzuschaffen, gegenüber dem RND, einen "fundamentalen Fehlansatz", sei das wirklich der Plan, habe die Regierung laut dem Co-Chef der Linksfraktion, Sören Pellmann, "jeden sozialen Kompass verloren".