Wird die „Rente mit 63“ abgeschafft oder modifiziert?
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Freitag, 07. August 2026
Die Debatte um die Abschaffung der vorgezogenen, abschlagsfreien Rente ist heftig entbrannt. Sie einfach zu streichen wird kaum möglich sein. Die SPD setzt auf eine Lösung, wie sie Österreich bereits hat.
Die Rente mit 63 wird aktuell wieder heiß diskutiert. Fast ein Drittel der Arbeitnehmer, die neu in die Altersrente gehen, nutzt die Möglichkeit eines frühzeitigen Renteneintritts nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge.
Die "Rente mit 63" ist derzeit eigentlich eine "Rente mit 64". Weil das Rentenalter schrittweise angehoben wird, verschiebt sich auch das Eintrittsalter bei der frühzeitigen Rente mit jedem Geburtsjahr nach oben. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag von zwei SPD-Spitzenfunktionären, wie die "Rente mit 63" zu retten ist.
Ist die "Rente mit 63" wirklich ein Auslaufmodell?
Nach Vorlage der Empfehlungen der Alterssicherungskommission schien das Aus für die "Rente mit 63 Jahren" für langjährige Versicherte (mindestens 45 Beitragsjahre) ohne Abschläge eigentlich nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Unisono lobten die schwarz-roten Koalitionäre (CDU/CSU/SPD) die Ergebnisse und versprachen eine Eins-zu-eins-Umsetzung der 33 Vorschläge. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) bezeichnete die Renten-Pläne als "Gesamtkunstwerk", das es jetzt umzusetzen gelte.
Ob das wirklich so kommt, ist inzwischen aber völlig offen. Die CDU-Ministerpräsidenten Sachsens, Michael Kretschmer, Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt und Mario Voigt aus Thüringen haben überraschend gefordert, auf die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren zu verzichten. Die sozialdemokratischen Länderchefs Anke Rehlinger aus dem Saarland, Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern und Dietmar Woidke aus Brandenburg haben ebenfalls ein Umdenken gefordert.
Dirk Wiese, erster parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wollen aber nicht einfach die "Rente mit 63 Jahren" fortschreiben. Sie plädieren für "neue Ideen" und für eine Nachfolgeregelung. Die SPD-Politiker wollen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) eine neue "Härtefallregelung" zusätzlich zur Erwerbsminderungsrente. Als Vorbild dient Österreich: Das Nachbarland hat eine Schwerarbeitspension, die vor allem an die Belastung der ausgeübten Tätigkeit anknüpft.
Was ist die österreichische Schwerarbeitspension?
Anders als die deutsche "Rente mit 63" knüpft die österreichische Schwerarbeitspension nicht nur an die Dauer des Arbeitslebens an, sondern an die Belastung der ausgeübten Tätigkeit. Eingeführt wurde sie im Jahr 2007. Rechtliche Grundlage sind das Allgemeine Pensionsgesetz und die sogenannte Schwerarbeitsverordnung mit zwei Berufslisten. In der Liste 1 sind die Berufe mit körperlicher Schwerarbeit und einen täglichen Verbrauch von 2.000 Kilokalorien zusammengetragen. In Liste 2 sind die Berufe auflistet, die einem täglichen Verbrauch von 1.400 bis 2.000 Kilokalorien haben.
Wer die Schwerarbeitspension in Anspruch nehmen will, muss vier zentrale Voraussetzungen erfüllen: