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Werden kaum noch PV-Anlagen neu gebaut?


Autor: Klaus Heimann

Deutschland, Dienstag, 07. April 2026

Die Zukunft von neuen PV-Anlagen ist mehr als ungewiss. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant massive Veränderungen bei der Energiewende. Aber es gibt Widerstand.
Zwei Drittel, der Hausbesitzer, die eine PV-Neuanlage planen, kommen durch die Überlegungen für den Netzausbau von Ministerin Katherina Reiche noch einmal ins Grübeln.


Die Energiewende gerät mit der Neuausrichtung der Solarförderung für PV-Anlagen ins Stocken. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von YouGov im Auftrag von 1KOMMA5°. Verliert die Bundesregierung die Ziele und Chancen der Energiewende angesichts der neuerlichen Öl- und Gaspreisexplosion endgültig aus den Augen? 

Warum wird über neue PV-Anlagen nochmals nachgedacht?

67 % der Hauseigentümer, die eigentlich eine neue PV-Anlage für ihr Dach planen, kommen angesichts der neuen Pläne für den Netzausbau von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche noch einmal ins Grübeln, ob sie ihre Planung wirklich umsetzen wollen.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage von YouGov im Auftrag von 1KOMMA5°. Hauptgrund: Die Netzbetreiber sollen im Schnitt rund 1000 Euro für den Anschluss einer neuen Solaranlage verlangen, obwohl der Stromanschluss bereits besteht. Auf die Frage "Wie würden sich Mehrkosten von ca. 1.000 Euro auf Ihre Kaufentscheidung für eine Solaranlage auswirken?" antworten:

  • 27 % 'sehr stark' - Ich würde mir dann keine PV-Anlage zulegen.
  • 37 % 'eher stark' – Ich würde länger über die Investition in PV-Anlage nachdenken.
  • 20 % 'eher gering' oder 'sehr gering' - Zusatzkosten spielen für mich kaum eine Rolle und ich würde mir trotzdem eine PV-Anlage kaufen.

Kommen jetzt die Baukostenzuschüsse für die Netzbetreiber?

"Die Umfrageergebnisse zeigen, wie verheerend sich dieser Gesetzentwurf auf die Investitionsbereitschaft der Deutschen in erneuerbare Energien auswirken würde, und das in einer Phase, in der Verbraucher und Investoren ohnehin verunsichert sind", kommentiert Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°.

"Solarstrom vom eigenen Dach ist zweifelsohne die klimafreundlichste und wirtschaftlichste Energieversorgung. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage darf die Investition ins Eigenheim und in erneuerbare Energien nicht durch neue Bürokratie und Gebühren erschwert werden", fügt er hinzu.

Ein wesentlicher Faktor im geplanten Netzpaket sind die vorgesehenen Baukostenzuschüsse. Diese sollen, so die Pläne von Reiche, an den Netzbetreiber gehen, wenn eine neue Solaranlage installiert und angemeldet ist. Damit würden die Kosten, zumindest teilweise, für den notwendigen Netzausbau von den neuen PV-Anlagenbesitzenden getragen.  

Direktvermarktung statt garantierter Stromabnahme?

Mit welchen zusätzlichen Kosten die neuen PV-Anlagenbesitzenden zusätzlich kalkulieren müssen, rechnet Jannik Schall vor: "Für eine gewöhnliche Photovoltaikanlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak wären das je nach Wohnort rund 1.000 Euro zusätzlich, die der Netzbetreiber als reine Anschlussgebühr erheben soll – für einen Anschluss, den der Kunde schon hat".

Zusätzliche Gebühren an den Netzbetreiber wären dann besonders ärgerlich, wenn die Solaranlage in Kombination mit Batteriespeichern und einer intelligenten Steuerung, für den Eigenbedarf genutzt wird. Das Solarhandwerk, zusammengeschlossen im Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH), hat sich das Veränderungspaket zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ebenfalls genau angeschaut.

Danach wird neben der Kostenbeteiligung am Netzausbau für Neukunden die Einspeisevergütung für alle PV-Anlagenbesitzenden abgeschafft. Stattdessen ist eine Direktvermarktung für diejenigen vorgesehen, die den Strom ganz oder teilweise ins Netz abgeben. Diese beiden Punkte würden laut BDSH vor allem private Hausbesitzer treffen. Denn die Direktvermarktung sei "für viele private Anlagenbesitzer zu komplex, um eine praktikable Alternative darzustellen", heißt es in der Stellungnahme des BDSH.

Warum sind 2600 Unternehmen mit der Energiepolitik unzufrieden?

Es brodelt also in der Wirtschaft. Knapp 2600 Unternehmen haben sich im "Wirtschaftsappell" zusammengetan, um der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz ein vernichtendes Zeugnis im Hinblick auf Energiepolitik auszustellen. Die Unterzeichner zeigen sich "extrem besorgt".

Im Zentrum der Kritik steht das sogenannte Netzpaket aus dem Hause von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Der Gesetzentwurf sieht Maßnahmen vor, die den Ausbau erneuerbarer Energien finanziell deutlich unattraktiver machen. 

Dass die Kritik vom Bundesverband Erneuerbare Energien und der Partei Die Grünen kommt, überrascht wenig. Umso bemerkenswerter ist allerdings die Breite des Widerstands. Unter den Unterzeichnern finden sich nicht nur Unternehmen aus dem Energiesektor, sondern auch Architekturbüros, Arztpraxen, Hotels und Beratungsfirmen. Der Appell ist auf der Webseite der Grünen veröffentlicht.