Weniger Sozialleistungen? CDU-Wirtschaftsrat fordert Wandel im Gesundheitssystem
Autor: Agentur dpa, Nadine Wüste
Berlin, Montag, 09. Februar 2026
Der CDU-Wirtschaftsrat will Sozialleistungen kürzen und private Vorsorge stärken. Was das für Versicherte und das Gesundheitssystem bedeutet.
- Der CDU-Wirtschaftsrat spricht sich für Kürzungen bei Sozialleistungen aus
- Mehr Verantwortung soll von den gesetzlichen Kassen auf private Vorsorge übergehen
- Ziel ist eine stärkere Eigenvorsorge und weniger Belastung der Sozialkassen
- Kritik: Sozialverbände warnen vor wachsender sozialer Ungleichheit
- Diskussion um Finanzierbarkeit und Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems
Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen immer weiter an und stellen das System vor große Herausforderungen. In diesem Zusammenhang fordert der CDU-Wirtschaftsrat einen Kurswechsel: Weniger Sozialleistungen und mehr Eigenverantwortung durch private Vorsorge sollen das System zukunftsfähig machen. Nach Ansicht des Wirtschaftsrats entlastet dies die gesetzlichen Krankenkassen und motiviert die Menschen zur finanziellen Selbstvorsorge. Kritiker befürchten jedoch eine Verschärfung der sozialen Ungleichheit und warnen vor einer Aushöhlung des Solidargedankens. Sozialverbände sehen besonders Geringverdiener und chronisch Kranke gefährdet. Die Forderung löst daher eine breite gesellschaftliche Debatte aus.
Pläne des CDU-Wirtschaftsrats: Zahnarztbesuche sollen künftig selbst gezahlt werden
Ausdrücklich nannte der Verein etwa Zahnarztbehandlungen. Diese sollten "nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen". Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte der dpa: "Ausdruck einer verantwortungsvollen Politik gegenüber Arbeitnehmern ist es auch, dafür zu sorgen, dass Sozialabgaben nicht immer weiter ansteigen und so immer weniger Netto vom Brutto bleibt." Der Leistungskatalog der Krankenkassen sei "einer von mehreren möglichen Ansatzpunkten, über die es eine ehrliche Debatte braucht".
Heute werden die meisten Maßnahmen zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten von den Krankenkassen bezahlt. Wie bei den anderen Versicherungsleistungen gilt das Umlageprinzip. Die anfallenden Kosten werden durch die laufenden Beitragseinnahmen gedeckt.
Zahnarzt-Leistungen sind heute laut Regierung zuzahlungsfrei, sofern sie nicht über die als nötig anerkannte Versorgung hinausgehen. Vieles bezahlen die Patientinnen und Patienten aber bereits aus eigener Tasche, beispielsweise Inlays. In den ersten drei Quartalen 2025 gaben die gesetzlichen Krankenkassen für Zahnbehandlungen rund 10,5 Milliarden Euro aus.
Kritik bereits am ersten Vorschlag des Wirtschaftsrats
Einen ersten Vorstoss des Wirtschaftsrates hatte es im November 2025 gegeben. Damals legte man bereits eine konkrete Streichliste für Leistugen der Krankenkassen vor.
Gegenüber inFranken.de äußerte sich die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, sehr kritisch dazu: "Ich bin gespannt, wann endlich in den Köpfen ankommt, dass wir mit Leistungskürzungen nicht weiterkommen. Solche Forderungen mögen Aufmerksamkeit bringen, lösen aber keine zentralen Probleme."