Druckartikel: Warum man ab September in Bayerns Finanzämtern Termine braucht

Warum man ab September in Bayerns Finanzämtern Termine braucht


Autor: Christoph Eberle

Nürnberg, Freitag, 21. August 2026

Ab September braucht man in Bayerns Finanzämtern einen Termin. Das stand in einer E-Mail von Elster. So mancher Nutzer dachte an Betrug und Phishing. Was ist dran?
Betrug oder echt? Das Online-Finanzamt Elster war der Absender einer Mail, dass künftig in Bayerns Finanzämtern Termine vereinbart werden müssen.


"Guten Tag, wir stellen um! Ab dem 1. September 2026 können Sie unser Servicezentrum nur noch mit Terminvereinbarung besuchen", so stand es in einer Mail, die zahlreiche Menschen in Bayern jüngst bekommen haben.

Weil erst im Juli die Finanzämter vor gefälschten Mails von Elster zu angeblichen Steuererstattungen oder Steuerbescheiden warnten, witterte so mancher Nutzer eine neue Phishing-Mail.

Denn: Wie so oft bei Spam- oder Betrüger-Mails stand statt persönlicher Anrede nur ein "Guten Tag" drin.  Und in der Mail hieß es, dass man einen Link direkt zur Terminvereinbarung komme. Verbraucherschützer warnen oft davor,  in dubiosen Mails auf Links zu klicken. Häufig lande man dann auf Formularen, über welche Kriminelle etwa Kontodaten und Passwörter sammeln.

Ist die aktuelle Mail von Elster echt?

Ja, die angekündigte Änderung ist echt. "Ab 1. September 2026 ist bayernweit grundsätzlich im Vorfeld ein Termin im Servicezentrum zu buchen", teilt man beim Bayerischen Landesamt für Steuern auf entsprechende Nachfrage der Mediengruppe Bayern mit.

Was ist der Grund für die Terminpflicht an Bayerns Finanzämtern?

"Bayerns Finanzämter möchten ihren Service im direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern weiter verbessern und ausbauen", heißt es von der Pressestelle weiter. 

Diese Ziele nennt das Landesamt für Steuern: 

• Verkürzung und Vermeidung von Wartezeiten: 
Steuerbürgerinnen und Steuerbürger müssen nicht mehr mit längeren Wartezeiten im Servicezentrum rechnen, sondern können das gewählte Zeitfenster optimal in ihren Tagesablauf integrieren.  
• Mehr Qualität und Vorbereitung: Durch die Vorab-Terminbuchung und die Möglichkeit, im Rahmen der Terminbuchung einen Besuchsgrund anzugeben, erhalten die Beschäftigten des Finanzamts im Servicezentrum mehr Zeit für den persönlichen Kontakt und können sich zielgerichtet auf das Anliegen der Steuerbürgerinnen und Steuerbürger vorbereiten.

Gibt es Personalengpässe? "Personelle oder finanzielle Einsparungen stehen nicht im Vordergrund; es geht primär um Prozessoptimierung, verlässliche Servicezeiten und moderne Kundenorientierung", teilt eine Pressesprecherin mit.  

Beim Finanzamt läuft immer mehr digital

Bereits seit Juli 2024 sei flächendeckend ein Terminvereinbarungssystem im Einsatz. Dieses werde seither sowohl bei den Steuerbürgerinnen und Steuerbürgern als auch bei den Finanzämtern "mit äußerst positiver Resonanz wahrgenommen", so die Pressesprecherin weiter. Zudem sei festzustellen, dass die Zahl der persönlichen Besuche in den Servicezentren "aufgrund der zunehmenden Nutzung digitaler Angebote stark rückläufig ist". 

Ein Wochentag ohne Terminpflicht bleibt - der ist aber je nach Finanzamt unterschiedlich

Die Öffnungszeiten der Servicezentren sowie die telefonische Erreichbarkeit während der allgemeinen Servicezeiten bleiben auch zukünftig unverändert, heißt es. Und: An einem Tag pro Woche ist das Servicezentrum für den Publikumsverkehr auch ohne vorherige Terminvereinbarung geöffnet.

Welcher Wochentag hierfür angeboten wird, legt jedes Finanzamt laut dem Landesamt für Steuern individuell fest und veröffentlicht ihn auf seiner Webseite. Zudem können während der regulären Öffnungszeiten des Finanzamts jederzeit Formulare persönlich im Finanzamt abgeholt werden.

Wie können Personen ohne Internetanschluss einen Termin beim Finanzamt buchen?

Bürgerinnen und Bürger können ihren Termin laut Landesamt für Steuern online über das Terminvereinbarungssystem auf den Webseiten der Finanzämter sowie unter https://www.elster.de/eportal/uebersichtservicezentren buchen.

Personen ohne Internetzugang oder ohne Möglichkeit zur Online-Terminbuchung können laut Pressesprecherin "jederzeit telefonisch über eine eigens eingerichtete Telefonnummer beim jeweiligen Finanzamt unkompliziert einen Termin vereinbaren". 

Landesamt für Steuern empfiehlt Nutzung der digitalen Plattform Elster

"Allgemein empfehlen wir allen Steuerpflichtigen, die digitale Plattform Elster für die Übermittlung von Steuererklärungen und die Kommunikation mit dem Finanzamt zu nutzen", so die Sprecherin auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Wer lieber noch die Papierform bevorzugt könne Schreiben sowie Erklärungen aber rund um die Uhr in die Briefkasten der Finanzämter einwerfen.