Vom Hörsaal ins Jobcenter: Darum sind immer mehr Akademiker arbeitslos
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Donnerstag, 08. Januar 2026
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass es für Studierende direkt nach ihrem Abschluss immer schwieriger wird, einen Job zu finden.
- Gibt es einen neuen Trend hin zur Akademikerarbeitslosigkeit?
- Rekordwert seit zehn Jahren: 2024 gab es 290.000 arbeitslose Akademiker
- Personalleiter senden eindeutige Signale
- Arbeitgeber-Institut ist Verschiebungen auf der Spur
Die Wirtschaftskrise löst mittlerweile bei vielen Arbeitnehmern in Deutschland Angst um ihren Arbeitsplatz aus. Auch für viele Hochschulabsolventinnen und -absolventen wird es schwieriger, eine Anstellung zu finden. Statt eines gut bezahlten Jobs droht nun nach dem Abschluss immer öfter die Arbeitslosigkeit. inFranken.de hat den neuen Trend gleich in drei Arbeitsmarktstudien aufgespürt.
Gibt es einen neuen Trend hin zur Akademikerarbeitslosigkeit?
Wie Fay Uhlmann aus Dresden geht es vielen Ex-Studierenden, die gerade ihren Bachelorabschluss in Medieninformatik in der Tasche haben: Sie suchen vergeblich nach dem ersten Job. Eigentlich hat Uhlmann sich das komplett anders vorgestellt, vertraute er dem Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) an.
Der Ex-Student ist seit vier Monaten erwerbslos. "Tatsächlich hat es mich echt überrascht. Ich bin in mein Studium reingegangen und habe gedacht: 'Ok, du studierst was im Informatik-Bereich, da findet man relativ sicher einen Job.' Das war auch letztlich einer der Entscheidungsgründe. Tatsächlich ist es schwerer als gedacht."
34 Prozent der Kundschaft in der Leipziger Arbeitsagentur sind arbeitssuchend gemeldete Akademikerinnen und Akademiker, berichtet Tina Marie Reuter, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Leipzig, dem mdr. In den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Arbeitslosen mit akademischer Ausbildung Jahr für Jahr gestiegen. "Wir beobachten zum Vorjahresvergleich im November rund 25 Prozent mehr arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker, die bei uns in der Agentur für Arbeit gemeldet sind."
Rekordwert seit zehn Jahren: 2024 gab es 290.000 arbeitslose Akademiker
Lange galten Jobs für Akademiker als krisenfest, nun geraten auch sie unter Druck. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern liegt derzeit bei rund 2,9 Prozent, wie eine Sonderauswertung der Bundesagentur vom August 2025 zeigt ("Arbeitslosenzahl erreicht neues Hoch").
So waren 2024 durchschnittlich 290.000 Personen mit akademischem Abschluss beschäftigungslos. Das waren 47.000 mehr als im Vorjahr und so viele wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Der Anstieg fällt prozentual mit 19 Prozent deutlich stärker aus als die Zunahme der Erwerbslosigkeit insgesamt, die um sieben Prozent gestiegen ist.