Volksbanken in Deutschland: Rekordgewinne, Sparer gehen leer aus
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Mittwoch, 08. April 2026
Die deutschen Volksbanken schreiben Rekordzahlen – doch viele Sparer gehen dabei leer aus. Warum das so ist und weshalb sich daran so schnell nichts ändern dürfte.
Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken blicken auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Doch während die Institute Rekordergebnisse feiern, profitieren viele Kundinnen und Kunden davon kaum. Vor allem beim Tagesgeld zeigt sich eine deutliche Lücke – und die ist nach Einschätzung von Experten kein Zufall.
Rekordjahr für Banken – Ernüchterung für Sparer
Die genossenschaftlichen Banken haben 2025 trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen ein starkes Ergebnis erzielt. Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg um gut zehn Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Damit übertrafen die Institute nicht nur ihre eigenen Erwartungen, sondern erreichten auch ein neues Rekordniveau. Für das laufende Jahr zeigt sich die Branche entsprechend zuversichtlich.
Parallel dazu wuchsen auch die Kundeneinlagen weiter. Insgesamt legten Sparerinnen und Sparer rund 925 Milliarden Euro bei Volks- und Raiffeisenbanken an – ein Plus von 3,7 Prozent. Das zeigt: Trotz wachsender Konkurrenz bleibt das Vertrauen vieler Kunden in ihre Hausbank hoch.
Für viele Sparer ist diese Entwicklung jedoch wenig erfreulich. Denn während die Banken ihre Erträge steigern, bleiben die Zinsen auf klassische Sparprodukte – insbesondere Tagesgeld – vielfach auf niedrigem Niveau. Die Diskrepanz zwischen Bankgewinnen und Sparrenditen sorgt zunehmend für Kritik.
Deutliche Zinsunterschiede beim Tagesgeld
Eine umfangreiche Auswertung durch das Vergleichsportal Verivox von mehr als 800 Banken zeigt, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind. Vor allem beim Tagesgeld klafft eine deutliche Lücke zwischen regionalen Instituten und überregionalen Anbietern. Während bundesweit verfügbare Banken im Schnitt 1,30 Prozent Zinsen zahlen, kommen Genossenschaftsbanken lediglich auf rund 0,42 Prozent.
Damit erhalten Sparer bei vielen Volksbanken nicht einmal ein Drittel der Zinsen, die anderswo möglich wären. Ähnlich sieht es bei Sparkassen aus, die im Durchschnitt sogar noch etwas darunter liegen. Besonders auffällig ist: Diese Unterschiede betreffen vor allem flexibel verfügbare Anlagen wie Tagesgeld.
Beim Festgeld hingegen – also Anlagen mit fester Laufzeit – sind die Abstände deutlich geringer. Je nach Laufzeit nähern sich die Zinssätze der verschiedenen Bankengruppen an. Der Grund dafür liegt in der Struktur der Produkte: Festgeldzinsen gelten nur für neue Abschlüsse, während Änderungen beim Tagesgeld auch bestehende Einlagen betreffen.