Virtuelles Kraftwerk: So handelst du ganz einfach deinen PV-Strom an der Börse
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Dienstag, 02. Juni 2026
Kannst du deinen selbst erzeugten Strom an der Strombörse in Leipzig handeln? Das funktioniert nur, wenn du Teil des virtuellen Kraftwerks wirst. Dafür musst du allerdings einen Smart Meter ergattern, der hierzulande schwer zu kriegen ist.
Wer bei seiner neuen Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) auf die Einspeisevergütung setzt, der hat voraussichtlich ab Januar 2027 mit "Zitronen gehandelt". Das im Bundestag anstehende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verspricht nichts Gutes: nämlich das Ende der Einspeisevergütung nach dem bisherigen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bei Neuanlagen unter 25 Kilowatt-Peak (kWp). Deshalb ist es gut, dass sogenannte "virtuelle Kraftwerke" an Bedeutung gewinnen. Aber wie funktioniert die Alternative zur Einspeisevergütung? Wie viel Geld lässt sich damit an Stromkosten einsparen? inFranken.de hat sich umgehört und mit Jannik Schall, dem Mitbegründer und Chief Product Officer (CPO) von der Firma 1KOMMA5°, gesprochen, einem der großen Anbieter auf dem Markt.
Wie funktioniert das virtuelle Kraftwerk?
Das virtuelle Kraftwerk ist nicht zu vergleichen mit seinem Pendant, das mit Kohle-, Gas-, Wasser- oder Kernkraft betrieben wird. Sie haben keine feste Adresse, sondern funktionieren nach dem Prinzip der "Schwarmintelligenz": Es ist der digitale Zusammenschluss und die Vermarktung von vielen Stromquellen von PV-Anlagen, Wärmepumpen und Speichern. Es sind alle Anlagen, die ihren Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne und Biogas beziehen. Aber die rund 4,5 Millionen PV-Anlagen-Besitzenden in Deutschland haben ein "großes Problem", wie Energieexperte Jannik Schall von 1KOMMA5° erläutert. "Die Erzeugung und der Verbrauch fallen zeitlich auseinander."
Die Lösung ist eine intelligente Vernetzung der Erzeuger. Diese Aufgabe übernimmt eine zentral betriebene und gesteuerte digitale Software. Sie nutzt dafür natürlich künstliche Intelligenz (KI). Sie zieht dann den überschüssigen Strom aus den Speichern ab, wenn der Strom teuer ist, und verkauft ihn an der Börse in Leipzig. Im Gegenzug kommt der Strom immer dann in den Speicher zurück, wenn er preiswert ist. Energieexperte Jannik Schall von 1KOMMA5° erklärt das Prinzip so: "Unsere intelligente, digitale Steuerung, die bei uns Heartbeat AI heißt, vernetzt viele private und dezentrale PV-Anlagen zu einem großen virtuellen Kraftwerk."
Die damit erreichte hohe Flexibilität ist einer der größten Vorteile eines virtuellen Kraftwerks. Bei Windflaute, Dunkelheit oder wenn aus anderen Gründen mehr Strom im Netz gebraucht wird, liefern die Batterien ihn und tragen damit zur notwendigen Netzstabilität bei. Und das ganz ohne zusätzliche und teure Gaskraftwerke, wie sie die Bundesregierung plant. "Wir haben in diesen Tagen die Grenze von einem Gigawatt zeitlich verschiebbarer Kapazität überschritten. Damit können wir Strom genau dann nutzen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, oder ihn ins Netz zurückspeisen, wenn die Preise hoch und das Angebot knapp ist", erläutert Schall das Geschäftsmodell seiner Firma.
Warum lohnt sich der Bienenschwarm der Energiewende für die privaten PV-Anlagen-Besitzer?
Jannik Schall verweist bei dieser Frage stolz auf die Stromrechnung, die sich oftmals durch eine Beteiligung am virtuellen Kraftwerk halbiert. "Wir gehen davon aus, dass derjenige, der viel Strom verbraucht, die größten Einsparungen bei den Stromkosten hat. Wer also neben dem Haushaltsstrom, eine Wärmepumpe betreibt und ein E-Auto selbst an der eigenen Wallbox lädt, kann diese Halbierung erreichen." Mit einem Kundenbeispiel verdeutlicht 1KOMMA5° die Vorteile des Einsatzes des Energiemanagers. Die Familie Voll ist wie folgt ausgestattet und erhält Geld bisher aus einer Teileinspeisung ins Netz:
- PV-Anlage: 9,9 kWp
- Batteriespeicher: 9,6 kWh
- Wallbox:11 kW
- KI-Steuerung: Heartbeat AI
- Dynamischer Stromtarif: Dynamic Pulse von 1KOMMA5°
Familie Voll erzeugte über ein Jahr hinweg 11.836 kWh Strom mit ihrer PV-Anlage. Davon nutzt sie fast die Hälfte, 4.586 kWh, im Eigenverbrauch. Das ist realisierbar, weil Familie Voll eine intelligente Steuerung und einen Stromspeicher nutzt. Die aus der PV-Produktion verbliebenen 6.886 kWh wurden früher ins Netz eingespeist und erbrachten der Familie eine Einspeisevergütung von 8,11 ct/kWh und somit einen Erlös von 558,48 Euro pro Jahr.