Vermögen schützen: Wann lohnt sich ein Ehevertrag?
Autor: Klaus Heimann
, Donnerstag, 23. Juli 2026
Um es klar vorwegzusagen: Ein Ehevertrag lohnt sich nicht immer. Bei Selbstständigkeit, ungleichen Vermögensverhältnissen oder internationalen Ehen ist er aber zu empfehlen. Viele schrecken jedoch vor den hohen Kosten zurück.
Unromantisch, unnötig und teuer – das sind typische Argumente gegen einen Ehevertrag. Was viele übersehen: Mit der Hochzeit schließt jedes Paar automatisch einen Vertrag, aber nicht mit individuellen Regelungen, sondern zu gesetzlichen Standards. Nicht immer passen diese zur persönlichen Lebenssituation. Dann kann ein Ehevertrag sinnvoll sein. Aber was ist dabei zu beachten?
In Deutschland werden jährlich rund 130.000 Ehen geschieden. Im Jahr 2024 trennten sich exakt 129.337 Ehen, nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Auf drei geschlossene Ehen kommt rein statistisch etwa eine Scheidung. Die Scheidungsquote liegt damit in Deutschland bei rund 35 bis 40 Prozent. 1960 lag sie noch bei 11 %. Die durchschnittliche Dauer der geschiedenen Ehen liegt bei knapp 15 Jahren.
Welche rechtlichen Regelungen gelten automatisch, wenn kein Ehevertrag abgeschlossen wird?
Die meisten Ehen werden im 7. oder 8. Ehejahr geschieden. Aufgrund des verpflichtenden Trennungsjahres vor der Scheidung vor dem Amtsgericht, kriselt es bei diesen Paaren faktisch aber größtenteils schon deutlich früher.
Angesichts dieser Zahlen, ist es keineswegs surreal, wenn Verheiratete sich mit dem Worst-Case-Szenario beschäftigen. Dabei steht für die Betroffenen die Frage im Mittelpunkt: Wie geht es finanziell weiter? Dabei sind drei Ebenen zu unterscheiden: die Zugewinngemeinschaft, das Unterhalts- und Versorgungsrecht.
Die Zugewinngemeinschaft: Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum werden die Vermögen der Partner dabei nicht zusammengeschmissen (das wäre die Gütergemeinschaft). Jeder behält sein eigenes Vermögen. Im Fall einer Scheidung wird lediglich der während der Ehe erwirtschaftete Zugewinn verglichen und der Überschuss zu gleichen Teilen aufgeteilt. Mit einer Extra-Regelung kannst du den Güterstand individuell anpassen, zum Beispiel Gütertrennung vereinbaren. Außerdem lässt sich der Zugewinn auf bestimmte Vermögenswerte beschränken oder sogar ganz ausschließen.
Wie wird der Unterhalt geregelt und die Rentenanwartschaften aufgeteilt?
Die Unterhaltsregelung: Durch einen Ehevertrag kannst du Unterhaltsansprüche im Falle einer Scheidung schon im Vorfeld regeln. Das kann besonders wichtig sein, wenn einer der Partner seine beruflichen Pläne zugunsten der Familie zurückstellt.
Auf der Ebene des Unterhaltsrechts gilt, dass es für die Phase der Trennung einen speziellen "Trennungsunterhalt" gibt. Bei einer Scheidung gibt es den sogenannten nachehelichen Unterhalt. Ein Beispiel: Wenn ein Ehepartner nicht so viel arbeiten kann, weil er oder sie ein kleines Kind betreut, erhält dieser Partner einen nachehelichen Kindesbetreuungsunterhalt.