Die Alterssicherungskommission will über eine Ausweitung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre beraten. Unsere Tabelle zeigt, wie viele Menschen jetzt schon länger arbeiten, als sie müssten.
Über das Renteneintrittsalter wird in Deutschland derzeit angeregt diskutiert. Laut der Bild wolle die von der Regierung eingesetzte Alterssicherungskommission über eine Ausweitung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre beraten. Die Linke lehnt diesen Vorschlag entschieden ab. Auch Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sprach sich gegenüber dem Handelsblatt für einen flexiblen Renteneintritt je nach Job aus - ohne starre Altersgrenzen. Jens Spahn (CDU) plädierte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen ebenfalls für eine Alternative zu Altersgrenzen - er rückte dabei die Lebensarbeitszeit in den Fokus.
Gleichzeitig wird die Frührente immer beliebter. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Autozulieferers Continental will mehr als jeder Vierte (27 Prozent) vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. So entsteht leicht der Eindruck, dass nur noch wenige Menschen bis 67 arbeiten wollen. Aber stimmt das wirklich? Und wie schaut es mit dem Renteneintrittsalter eigentlich bei unseren europäischen Nachbarn aus? inFranken.de hat nachgeforscht.
Rente mit 70: Für viele in Deutschland und Europa schon jetzt Realität
Nach einer Auswertung von Eurostat ist die Rente mit 70 auch in Deutschland für viele schon Realität - und das, obwohl entsprechende Vorschläge und Äußerungen aus Politik und Wirtschaft immer wieder großes Entsetzen auslösen. Fakt ist jedoch: 2024 war rund ein Fünftel der 65- bis 69-Jährigen, genauer gesagt 21,2 Prozent, in Deutschland weiterhin erwerbstätig. Die folgende Tabelle zeigt die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen 2024 laut Eurostat in ausgewählten EU-Ländern.
EU-Länder
Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen 2024 laut Eurostat
Damit liegt Deutschland im guten Mittelfeld. In Estland liegt die Zahl sogar bei 39,1 Prozent - auch in Dänemark, den Niederlanden und Portugal arbeiten viele Menschen länger als in Deutschland. Anders sieht es im Vergleich mit Italien, Frankreich, Österreich oder Rumänien aus. Dort liegt die Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe deutlich unter dem deutschen Schnitt.
Die gesetzlichen Altersgrenzen unterscheiden sich von Land zu Land jedoch stark. So plant Dänemark, als erstes Land in Europa, ab 2040 die Rente mit 70 einzuführen. Aktuell liegt das Eintrittsalter dort bei 67 Jahren. Bei den EU-Ländern lag die Altersgrenze 2022 durchschnittlich bei 64,7 Jahren und wird auf 66,7 Jahre steigen, wie Hansemerkur unter Berufung auf eine OECD-Studie berichtet.
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