Druckartikel: Solarstrom für den Eigenbedarf: Grüner Strom vom Balkon direkt in die Steckdose

Solarstrom für den Eigenbedarf: Grüner Strom vom Balkon direkt in die Steckdose


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Dienstag, 20. Januar 2026

Solarstrom aus dem Balkonkraftwerk ist grüner Strom für den Eigenbedarf. Das ist nicht nur praktisch und umweltfreundlich, sondern schont langfristig auch den Geldbeutel.
Mit einem eigenen Balkonkraftwerk beziehst du Solarstrom für den Direktverbrauch.


Solarstrom vom Balkon macht dich ein Stück unabhängiger vom Strompreis – und ist inzwischen für Mieterinnen, Mieter und Eigentümer recht einfach umsetzbar. Mit einem passenden Balkonkraftwerk senkst du deine Stromkosten, nutzt deinen Balkon sinnvoll und leistest gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz.

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk (oft "Steckersolar-Gerät" genannt) ist eine kleine Solaranlage, die ein oder mehrere PV-Module, einen Wechselrichter und meist ein Montagesystem umfasst. Den erzeugten Strom speist du direkt über eine Steckdose in dein Wohnungsnetz ein und verbrauchst ihn im Alltag, etwa für Kühlschrank, Waschmaschine, Router oder Stand-by-Geräte. Die Anlagen sind auf Eigenverbrauch ausgelegt und ersetzen einen Teil deines Bezugs aus dem öffentlichen Netz. Überproduktion fließt zwar technisch ins Netz, wird aber normalerweise nicht separat vergütet – die Ersparnis entsteht vorwiegend dadurch, dass du weniger Strom einkaufen musst.

Steckersolar-Geräte bestehen in der Regel aus ein bis vier Solarmodulen, einem Wechselrichter, der Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt, einem Montagesystem (z. B. für Balkon, Flachdach oder Gartenaufständerung) sowie Anschlusskabeln mit Stecker.

​In Deutschland sind bei Balkonkraftwerken üblicherweise bis zu 2000 Watt Modulleistung und 800 Watt Wechselrichterleistung zulässig. Seit der neuen Norm DIN VDE V 0126-95 (für Geräte ohne Speicher) ist unter bestimmten Sicherheitsauflagen auch der Anschluss über einen herkömmlichen Schutzkontaktstecker (Schukostecker) normkonform, solange die Modulleistung 960 Watt nicht überschreitet. Größere Anlagen sollen über spezielle Einspeisesteckdosen laufen. ​Wichtig bleiben aber in jedem Fall ein geeigneter Stromzähler (idealerweise Zweirichtungszähler), die fachgerechte Dimensionierung des Stromkreises sowie eine sichere Befestigung der Module, damit bei Sturm nichts herabfallen kann.

Wer darf ein Balkonkraftwerk nutzen?

Grundsätzlich können sowohl Hauseigentümer als auch Wohnungseigentümerinnen und Mieter ein Balkonkraftwerk betreiben. Wichtig ist, dass du einen geeigneten Montageort hast – etwa Balkonbrüstung, Terrasse, Fassade oder Garagendach – und die Befestigung sicher ausgeführt wird.

​Als Mieterin oder Mieter benötigst du in der Regel die Zustimmung des Vermieters, vor allem wenn in die Bausubstanz eingegriffen wird oder die Optik der Fassade betroffen ist. Seit neuen gesetzlichen Erleichterungen dürfen Vermietende ein Balkonkraftwerk aber nicht mehr pauschal verbieten, sondern benötigen triftige Gründe für eine Ablehnung. Eigentümerinnen und Eigentümer in einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) sollten eine Installation mit der Gemeinschaft abstimmen, wenn das äußere Erscheinungsbild des Hauses betroffen ist.

Auch kleine Balkonkraftwerke müssen laut Verbraucherzentrale angemeldet werden – aber das Verfahren wurde vereinfacht. In der Regel reicht eine Eintragung im Marktstammdatenregister, eine separate Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt oder ist stark vereinfacht. ​Achte darauf, dass du nur zertifizierte, vorkonfigurierte Systeme verwendest. Lies die Montageanleitung genau und halte Sicherheitsabstände ein. Prüfe zudem, ob dein Zähler rückwärtslaufen kann – sonst muss der Netzbetreiber ihn austauschen. ​Bei Unsicherheit, etwa zur Belastbarkeit deiner Hausinstallation, kann eine Elektrofachkraft deine Situation prüfen und dir für dein Zuhause eine passende Auslegung empfehlen.

Lohnt sich der Solarstrom vom Balkon?

Ein Balkonkraftwerk-Komplettset bekommst du je nach Größe, Hersteller und Ausstattung meist im Bereich von rund 400 bis 1.500 Euro. Seit Wegfall der Mehrwertsteuer auf viele PV-Komponenten sind Anlagen deutlich günstiger geworden. ​Ob sich eine Investition für dich lohnt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren.

Ein Faktor ist, wie viel Sonne dein Balkon oder Montageort abbekommt (Ausrichtung, Verschattung). Auch wie hoch dein Haushaltsstrompreis ist und wie gut du den Solarstrom zeitgleich verbrauchst (Grundlast) sind entscheidend. Bei guter Lage und typischen Strompreisen kann sich ein modernes Balkonkraftwerk schon nach 1 bis 2 Jahren amortisieren, während die Module deutlich länger Strom liefern können.

Ein Balkonkraftwerk bringt dir mehrere Vorteile. Du senkst laufende Stromkosten, weil du einen Teil deines Verbrauchs selbst deckst. Zudem machst du dich ein Stück unabhängiger von zukünftigen Strompreissteigerungen. Zusätzlich lernst du deinen eigenen Stromverbrauch besser kennen – viele Systeme haben Apps oder Energiemanager, mit denen du Erzeugung und Verbrauch live beobachten kannst. Das motiviert oft, insgesamt sparsamer und bewusster mit Energie umzugehen. Weiterhin reduzierst du indirekt die CO₂-Emissionen, da mehr Strom aus erneuerbaren Quellen, in diesem Fall aus Sonnenenergie, genutzt wird.

Auswahl eines passenden Systems

Ganz ohne Herausforderungen kommt Balkonsolar aber nicht aus. Zu den häufigsten Stolpersteinen gehört die ​fehlende Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft. Aber auch eine ungünstige Lage (Nordbalkon, starke Verschattung) sowie unklare Zähler- und Sicherungssituation im Haus können zu Problemen führen. 

​Auch solltest du die Leistungsgrenzen und Anschlussnormen einhalten, um Überlastungen von Leitungen und Steckdosen zu vermeiden. Und: Balkonkraftwerke decken in der Regel nur einen Teil deines Verbrauchs – für eine vollständige Autarkie benötigst du eine größere Dachanlage mit entsprechendem Planungsaufwand.

Beim Kauf eines Balkonkraftwerks helfen dir Testberichte und Vergleichsseiten, die verschiedene Sets nach Leistung, Effizienz, Montageoptionen, Garantie und Kundenbewertungen gegenüberstellen. Achte auf zertifizierte Wechselrichter mit passenden Schutzfunktionen und ein zu deinem Balkon passendes Montagesystem. Zudem sollten realistische Leistungsangaben und transparente Garantiebedingungen gewährleistet sein. ​Seriöse Anbieter liefern Informationen zu Normen, Anmeldung und Sicherheit und bieten im Idealfall Support bei der Auswahl und Inbetriebnahme. So holst du aus deinem Balkonkraftwerk das Beste heraus – und dein Balkon wird zur kleinen persönlichen Solaranlage.