Rentensysteme im Vergleich: Übernimmt Deutschland Schwedens Vorsorgedepot?
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Montag, 01. Juni 2026
Schweden gilt bei der Rente als Vorbild: Welche Reformen dort funktionieren – und was Deutschland davon übernehmen könnte, liest du hier.
Die Diskussion um die Zukunft der Rente in Deutschland reißt nicht ab. Immer mehr Experten schauen dabei nach Schweden, wo eine umfassende Rentenreform bereits seit Jahren wirkt. Das System setzt auf transparente Beiträge, automatische Anpassungen und soll langfristig stabil bleiben. In Deutschland dagegen wächst die Sorge vor steigenden Beiträgen, sinkendem Rentenniveau und höheren Steuerzuschüssen. Der Vergleich zeigt, dass Reformen möglich sind – aber auch politisch heikel sein können. Welche Bausteine aus Schweden interessant sind und wo die Grenzen eines Transfers liegen, erklärt dieser Artikel.
Deutschland und Schweden gingen ähnliche Probleme unterschiedlich an
Beide Länder starteten mit ähnlichen Problemen: Die Gesellschaft altert, immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Rentner. Sowohl Deutschland als auch Schweden wollten deshalb stärker auf Kapitalmärkte setzen, um die Rentensysteme langfristig stabiler zu machen. Doch die politischen Entscheidungen fielen unterschiedlich aus – mit Folgen bis heute.
Ende der 1990er-Jahre war die Ausgangslage in beiden Ländern vergleichbar. Experten warnten davor, dass die klassischen umlagefinanzierten Rentensysteme durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck geraten würden. Deshalb beschlossen beide Staaten Reformen, die zusätzlich Kapitalmarktanlagen in die Altersvorsorge integrieren sollten.
Schweden führte 1998 die sogenannte Prämienrente ein. Deutschland folgte 2001 mit der Riester-Rente. Während Schweden die Kapitalanlage direkt in die gesetzliche Altersvorsorge integrierte, setzte Deutschland auf freiwillige private Zusatzverträge. Genau dieser Unterschied prägt die Systeme bis heute. In Schweden zahlen alle Erwerbstätigen verpflichtend in die kapitalgedeckte Komponente ein. Insgesamt fließen dort 18,5 Prozent des Einkommens in die Altersvorsorge, davon 2,5 Prozent direkt in die Prämienrente. Deutschland hingegen überließ den Aufbau zusätzlicher Vorsorge weitgehend den Bürgern selbst. Wer riestern wollte, musste eigenständig Verträge bei Banken oder Versicherungen abschließen.
Warum die Riester-Rente viele Erwartungen nicht erfüllt hat
Die Riester-Rente sollte ursprünglich die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus ausgleichen. Vorgesehen war, dass Versicherte vier Prozent ihres Bruttoeinkommens zusätzlich ansparen. In der Praxis blieb der Erfolg jedoch begrenzt.
Ein zentrales Problem waren die hohen Kosten vieler Produkte. Hinzu kamen vergleichsweise geringe Renditen. Besonders stark wirkte sich die gesetzliche Garantie aus, wonach zu Beginn der Rentenphase mindestens die eingezahlten Beiträge und staatlichen Zulagen erhalten bleiben mussten. Dadurch investierten viele Anbieter vorsichtiger und mit geringerem Aktienanteil.
Schweden verzichtete dagegen weitgehend auf solche Garantien. Das bedeutete zwar stärkere Schwankungen an den Kapitalmärkten, eröffnete aber deutlich höhere Renditechancen. Auch in der Auszahlungsphase tragen schwedische Sparer teilweise weiterhin das Kapitalmarktrisiko – ihre Rentenzahlungen können also je nach Börsenentwicklung variieren.