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Die Rente in der Riester-Falle: Droht jetzt auch noch ein Abzocke-Angebot?


Autor: Dominik Jahn

Deutschland, Samstag, 14. März 2026

Bundesregierung verspricht Verbesserungen. Verbraucherschutz und Sozialverband zweifeln an der Rentabilität der neuen Produkte.
Die Riester-Rente steht aufgrund hoher Kosten und unzureichender Renditen weiter in der Kritik, während die Bundesregierung und Organisationen wie der SoVD eine Reform fordern.


Es soll und es muss eine Reform der Riester-Rente her. Erst vor wenigen Tagen hat eine Studie des Vereins Finanzwende erneut gezeigt, dass "der Niedergang der Riester-Rente schon seit Jahren offenkundig ist". Jetzt hat Finanzminister Lars Klingbeil im Bundestag den Regierungsentwurf zur Reform der geförderten Zusatzvorsorge vorgestellt. Es soll "leichter" werden für alle.

Die Verbraucherzentrale (VZ) macht im Zuge der Vorstellung des neuen Altersdepots die Frage auf: "Renten-Chance oder teure Verkaufsfalle?". Und der Sozialverband Deutschland SoVD hat sich gegenüber inFranken.de ebenfalls auf Nachfrage zu dem Vorschlag der Bundesregierung geäußert.

Sozialverband SoVD blickt kritisch auf den Vorschlag zur privaten Vorsorge für die Rente

Beim SoVD heißt es dazu: "Gerade Geringverdienende oder auch Familien mit hohen Lebenshaltungskosten müssten von der Bundesregierung erst einmal in die Lage versetzt werden, überhaupt finanzielle Reserven bilden zu können." 

Für den Sozialverband ist klar, dass der "Niedriglohnsektor weiterhin viel zu groß ist". Deutlich wird das dadurch, dass "Millionen Beschäftigte trotz Arbeit weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen, die Energiepreise hoch bleiben und weiter bezahlbarer Wohnraum fehlt".

Für den SoVD ist klar, "dass der Versuch staatlich gelenkter privater Rentenvorsorge spätestens seit Riester gescheitert ist. Eine verlässliche Alterssicherung muss in erster Linie über eine starke gesetzliche Rente erfolgen, private Vorsorge kann nur eine Ergänzung sein. Die Empfehlung, mit kleinen monatlichen Beträgen privat für das Alter vorzusorgen, greift zu kurz und verkennt die Lebensrealität vieler Menschen."

Nach Riester: SoVD fordert Stärkung der gesetzlichen Rente

Und auch die Analyse des Vereins Finanzwende wird bei der Antwort des SoVD an unsere Redaktion mit eingebunden. Dazu heißt es: "Die Analyse des Vereins Finanzwende in dieser Woche hat ganz klar belegt: Die Riester-Rente ist gescheitert und hat nur den Versicherungskonzernen genützt. Darum muss aus SoVD-Sicht in erster Linie wieder die gesetzliche Rente gestärkt werden."

Die Arbeit der Bundesregierung an Ideen für die Altersvorsorge findet man beim Verband "grundsätzlich gut". SoVD: "Derzeit tagt noch die Alterssicherungskommission, daher empfehlen wir, hier die Ergebnisse abzuwarten. Wenn tatsächlich dann die dritte Säule der privaten Vorsorge gestärkt werden soll, dann aber nicht mit einem Produkt, das einfacher, transparenter, und kostengünstiger als Riester ist."

Die Kritik am Kostendeckel sieht man auch beim Sozialverband Deutschland SoVD gegeben: "Aber es darf keinen Kostendeckel bei viel zu hohen 1,5 Prozent haben. Wir empfehlen hier den Blick nach Schweden - der Staatsfonds hat lediglich Verwaltungskosten von nur rund 0,1 Prozent."  Auch, so sieht es der SoVD: "Wer keinen Euro zum Sparen übrig hat, wird trotz Förderung nicht zusätzlich vorsorgen können. Wir fordern daher die Stärkung der gesetzlichen Rente."

Die Verbraucherzentrale fragt: "Renten-Chance oder teure Verkaufsfalle?"

Die Kritik der Verbraucherzentrale an den  geplanten neuen Altersvorsorgedepots:

  • "Viele Verbraucher sind auf eine persönliche Beratung zur privaten Altersvorsorge angewiesen, weil sie sich selbst nicht ausreichend informiert fühlen, um geeignete Produkte auszuwählen. Sie erwarten eine Beratung, die ihren Bedarf trifft und eine verlässliche Altersvorsorge ermöglicht. Doch genau die gibt es nicht.
  • Stattdessen gibt es oft nur Verkaufsgespräche, bei denen Produkte mit hohen Kosten und Provisionen empfohlen werden.
  • Diese Kosten gehen direkt zu Lasten der späteren Renten.

Diese Probleme würde laut Verbraucherzentrale ein Gesetzentwurf nicht lösen.

Der Kostendeckel wird bei der Riester-Alternative zum Streitthema

Nicht nur der Sozialverband Deutschland SoVD gegenüber inFranken.de, die Verbraucherzentrale oder auch der Verein Finanzwende in seiner Studie, haben den Kostendeckel in den Planungen der Bundesregierung als Problem ausgemacht. 

Auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip hat im Austausch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) auf diesen Umstand hingewiesen: "Der Kostendeckel von 1,5 Prozent ist viel zu hoch. Das ist ein Zugeständnis an Banken und Versicherungen." Und auch in den eigenen Reihen ist der Unmut groß:

  • Auf Seiten der CSU hält Finanzpolitiker Florian Dorn geringere Kosten für angebracht. Dorn gegenüber der SZ: "Es spricht viel dafür, dass wir den Kostendeckel niedriger ansetzen müssen. Wenigstens für das Standardangebot." Für niedrigere Kosten sei demnach auch "ein Wettbewerb im Anbietermarkt" sinnvoll.
  • Bei der SPD kommt es laut SZ durch Politiker, die mit den Verhandlungen vetraut sind zu Kritik. Sie fordern dem Bericht zufolge  maximal 0,5 Prozent. Die Süddeutsche Zeitzung zitiert dazu Politiker der SPD mit der Aussage: "Viele sagen, es ist sogar noch deutlich günstiger möglich, für 0,1 Prozent oder sogar 0,05 Prozent."

Riester-Rente als Dauer-Problem für die Altersvorsorge

Schon im Oktober 2025 wurden die Stimmen wieder lauter, die erklärten, dass die Riester-Rente immer mehr zum Flop wird. Jeder Vierte hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Vertrag gekündigt. 

Für die Verbraucherzentrale ist mit den Plänen der Regierung und dem damit verbunden Kostendeckel klar, dass "die Riester-Rente nicht rentabler und günstiger wird".

Der Wegfall der Garantie-Pflicht könnte zwar höhere Renditen ermöglichen. Davon kommt aber laut VZ, "wegen der hohen Kosten nur ein Teil bei den Sparenden an". Die Probleme sieht man dort "seit Jahren beim Vertrieb von ungeförderten, viel zu teuren und unrentablen fondsgebundenen Rentenversicherungen".