Druckartikel: Rente in Deutschland: Beamte, Selbstständige und Politiker sollen auch einzahlen

Rente in Deutschland: Beamte, Selbstständige und Politiker sollen auch einzahlen


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa

Berlin, Montag, 27. April 2026

Viele Menschen in Deutschland sorgen sich um die gesetzliche Rente und ihre finanzielle Sicherheit im Alter. Studien zeigen, dass immer mehr Bürger eine Reform und zusätzliche Vorsorgemöglichkeiten fordern.
Die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Rente in Deutschland spitzt sich zu, da Reformvorschläge eine Erweiterung der Einzahlergruppe und die Stärkung privater sowie betrieblicher Vorsorgeelemente umfassen.


Mehr als drei Viertel der Deutschen sind skeptisch, dass die gesetzliche Rente ausreichen wird, um ihren gegenwärtigen Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey für den Sozialverband Deutschland äußerten 82 Prozent der Befragten Zweifel an der Rentensicherheit. Lediglich 11 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass ihre zukünftige Rente dafür genügen wird, wie die Bild am Sonntag berichtete. Die Umfrage fand zwischen dem 24. März und dem 8. April statt, also bevor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, die gesetzliche Rentenversicherung werde in Zukunft allenfalls nur noch eine Basisabsicherung für das Alter bieten.

Umfrage-Ergebnisse zeigen: Auch Beamte sollen in gesetzliche Rentenversicherung einzahlen

Diese Aussage entfachte erneut eine Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rente. Das Meinungsforschungsinstitut Civey befragte 2.500 deutsche Bürger ab 18 Jahren. Ausgenommen von der Umfrage waren jedoch Rentner, Beamte und Selbstständige.

Laut einer repräsentativen Umfrage des WDR fände es eine große Mehrheit der Deutschen richtig und wichtig, dass auch Beamte, Selbstständige und Politiker künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Blickt man beispielsweise in unser Nachbarland Österreich, in dem das der Fall ist, sieht man deutlich höhere Durchschnittsrenten – für jeden

In der Befragung der 2084 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren stimmten 86 Prozent dafür, alle in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu lassen. Auch im Bundestag fand der Vorschlag in allen vertretenen Pateien anklang, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag (27. April 2026) berichtet. Jeder zehnte Befragte spricht sich dagegen aus. Die Befragung wurde zwischen dem 7. und 14. April durchgeführt.

"Ausgewogener Reformmix": Alternative Altersvorsorge immer wichtiger

Bundeskanzler Merz hatte am Montag (21. April 2026) beim Bundesverband deutscher Banken betont: "Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter." Der CDU-Chef verwies dabei auf die Notwendigkeit zusätzlicher Altersvorsorge.

Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek vermutet bei Merz eine Wohltat für die Versicherungswirtschaft, die private Altersvorsorge anbietet. "Wer allerdings dafür unter die Räder gerät, sind Millionen jetzige und zukünftige Rentner, die sich die private Vorsorge nicht leisten können, weil sie am Ende des Monats keinen Cent übrig und keinen ausreichenden Zugang zu Betriebsrenten haben."

In einer Yougov-Umfrage für den Versicherungskonzern Axa gaben 50 Prozent von 2044 Erwachsenen an, sie wollten mehr für den Ruhestand sparen, könnten es sich aber nicht leisten - etwa wegen gestiegener Preise. 51 Prozent der Befragten verlassen sich nicht ausschließlich auf die gesetzliche Rente. 35 Prozent sagten, sie sähen die Hauptverantwortung für die Altersvorsorge beim Staat. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen waren es 40 Prozent.

Rente sichert Lebensstandard nicht mehr: "Müssen betriebliche und private Elemente stärken"

Politisch wurden die Weichen vor mehr als 20 Jahren anders gestellt, um die Lohnnebenkosten zu begrenzen. Mit der Rentenreform 2004 wurde das gesetzliche Rentenniveau von 53 auf 48 Prozent gesenkt - eine statistische Rechengröße des Verhältnisses von Renten zum Durchschnittsverdienst.

Seither gilt: Die gesetzliche Rente sichert allein den Lebensstandard nicht mehr, sondern nur das "Drei-Säulen-Modell" von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge. Doch ist die gesetzliche Rente weiterhin deutlich stärker als die Zusatzvorsorge als "Ergänzungsfunktion". Merz' Wortwahl klingt nach einer weiter schrumpfenden Rolle für das Pflichtsystem.

Rund 62 Prozent der heutigen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (im Alter von 25 bis unter 67 Jahren) werden nach Angaben aus dem Alterssicherungsbericht 2024 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) im Alter Anspruch auf eine Betriebs- oder Riester-Rente haben, die restlichen 38 Prozent nicht.  Diesbezüglich zeigt eine neueste Studie, dass Rürup- und Riester-Bezieher zwischen 96 und 99 Jahre alt werden müssten, um wirklich von der staatlichen Zusatzleistung zu profitieren. Viele bekämen im Monat nicht einmal 70 Euro zur Rente ausgezahlt – die Rentenlücke könnten Rürup- und Riester-Rente nicht schließen, heißt es von Kritikern. 

Alternative Alters-Absicherung: Wohneigentum im Visier?

Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung haben in Deutschland rund 18,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (51,9 Prozent), wie aus BMAS-Zahlen für Ende 2023 hervorgeht.

Gerade Angestellte in großen Unternehmen profitieren. In Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten verfügen nur 25 Prozent der Arbeitnehmer über eine betriebliche Altersvorsorge. Auch Geringverdiener haben seltener eine Betriebsrente. In Deutschland gibt es zudem rund 15,5 Millionen Verträge zur Riester-Rente. Allerdings sind Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad oder mit Phasen von Arbeitslosigkeit seltener Riester-Sparer.