Rente oder Arbeitslosengeld? Was sich für Sie kurz vor dem Ruhestand lohnt
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Montag, 27. Juli 2026
Wer kurz vor der Rente arbeitslos wird, muss viele Entscheidungen treffen. Wir erklären, wann Arbeitslosengeld, Frührente oder Bürgergeld sinnvoll sind und welche Folgen diese Optionen haben.
Von Arbeitslosengeld I über einen vorzeitigen Renteneintritt bis zum Bürgergeld: Wird man kurz vor der Rente erwerbslos, bietet der Sozialstaat verschiedene Optionen.
Diese sind immer abhängig von der individuellen Erwerbsbiografie und den persönlichen Voraussetzungen. Umso wichtiger ist es, die Vor- und Nachteile jeder Möglichkeit sorgfältig abzuwägen, um langfristig abgesichert zu sein.
Arbeitslosengeld kurz vor der Rente beantragen: Das sind die Vorteile
Im ersten Schritt musst du Folgendes für dich klären: Ist es sinnvoller, Arbeitslosengeld (ALG I) zu beantragen, oder sich für die Frührente zu entscheiden? Rentenexperte Rolf Winkel ist in seinem Beitrag auf dem Informationsportal Ihre Vorsorge sehr klar: "Meist spricht viel dafür, erst Arbeitslosengeld zu beziehen".
Der erste Weg, und zwar schon vor dem Kündigungstermin, sollte dich zu deiner örtlichen Arbeitsagentur führen. Denn während deiner aktiven Zeit im Betrieb warst du in der Arbeitslosenversicherung pflichtversichert. Und daraus erwächst für dich der Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I). Das Geld wird ab dem 58. Lebensjahr höchstens 24 Monate lang gezahlt und maximal bis du dein reguläres Renteneintrittsalter erreichst.
Meist spricht viel dafür, erst Arbeitslosengeld zu beziehen
Neben dem Alter ist eine weitere Voraussetzung für ALG I, dass du für die zurückliegenden fünf Jahre vor deinem Antrag vier Jahre eine beitragspflichtige Beschäftigung nachweisen kannst. Wichtig für die Entscheidung zwischen ALG I und Frührente mit 63 ist selbstredend, wie hoch die Zahlungen aus der Versicherung sind. Dein Anspruch auf ALG I beträgt 60 Prozent von deinem durchschnittlichen Nettogehalt der letzten 12 Monate. Andere Einkünfte, beispielsweise aus Vermögen oder Vermietung, sind unerheblich. Es wird nichts angerechnet. Mit dem Wert "60-Prozent-vom-Netto" kannst du abschätzen, wie hoch die ALG-I-Zahlungen monatlich sind.
Arbeitslosengeld ist gedeckelt und liegt bei maximal 2377 Euro monatlich
Der jährlichen Renteninformation der DRV kannst du den aktuellen Betrag deiner bisher erworbenen Rentenansprüche entnehmen. Ist die zu erwartende Rente geringer als das ALG-I-Geld, lohnt es sich, zunächst zwei Jahre lang ALG I zu beziehen und erst danach den Rentenantrag zu stellen. Rolf Winkel weiß aus Erfahrung, dass gerade bei Beschäftigten, "die in den letzten Arbeitsjahren gut verdient haben, und durch ihre Versicherungsbeiträge entsprechend hohe Ansprüche bei der Arbeitslosenversicherung erworben haben, das Arbeitslosengeld meist höher ausfällt als die zu erwartende Rente." Allerdings ist das ALG I gedeckelt: Der Maximalanspruch liegt bei 2237 Euro monatlich. Es ist also möglich, dass dein ALG I höher als deine monatliche Rente ausfällt.
Und noch etwas ist wichtig: Mit dem Bezug von ALG I erhöht sich deine Altersrente. Warum? Die Arbeitsagentur zahlt für dich die Beiträge in die Rentenversicherung ein. Aber: Der Beitrag errechnet sich auf der Grundlage von 80 % deines letzten Bruttoentgelts. Rentenexperte Winkel hat errechnet, dass zwei Jahre Bezug von Arbeitslosengeld eine Erhöhung der späteren monatlichen Rente um etwa 60 Euro bringen können. Dies gilt für eine erwerbslosen Person, die vor der Arbeitslosigkeit ein durchschnittliches Einkommen erzielt hat. Für einen Arbeitslosen, der in seiner Zeit als Berufstätiger zuletzt zu den Besserverdienenden zählte, könnten zwei Jahre Arbeitslosengeld und kontinuierliche Ansammlung von Rentenpunkten sogar ein Plus von bis zu 120 Euro bringen. Deshalb die klare Empfehlung: Wirst du vor dem Rentenbeginn arbeitslos, solltest du zunächst auf jeden Fall das ALG I beim Arbeitsamt beantragen und später im zweiten Schritt die Altersrente bei der DRV.