Druckartikel: Reichster Deutscher 2026: Lidl-Gründer Dieter Schwarz von Pharmafamilie abgelöst

Reichster Deutscher 2026: Lidl-Gründer Dieter Schwarz von Pharmafamilie abgelöst


Autor: Stefan Lutter

Deutschland, Montag, 05. Oktober 2026

Die Familie hinter Boehringer Ingelheim ist laut Manager Magazin 2026 erstmals an der Spitze der reichsten Deutschen. Die aktuelle Liste zeigt spannende Veränderungen bei Deutschlands Milliardären.
Historischer Wechsel im Manager-Magazin-Ranking 2026: Boehringer Ingelheim (im Bild: das Werk in Ingelheim am Rhein) überholt den langjährigen Spitzenreiter Dieter Schwarz.


Mit einem geschätzten Vermögen von 66,7 Milliarden Euro führen die Gesellschafterfamilien von Boehringer Ingelheim erstmals die Liste der 500 reichsten Deutschen an. Lidl-Gründer Dieter Schwarz rutscht trotz eines Vermögenszuwachses von 7,2 Milliarden Euro auf 53,7 Milliarden Euro auf Platz zwei ab.

Dieser bemerkenswerte Wechsel an der Spitzenposition geht aus dem neusten Vermögensranking des Manager Magazins für 2026 hervor.

Lidl-Gründer Dieter Schwarz nicht mehr reichster Deutscher – neue Nummer eins

Jahrelang galt der Lidl-Gründer Dieter Schwarz als unangefochtener Spitzenreiter unter Deutschlands Wohlhabendsten. Das aktuelle Ranking des Wirtschaftsmagazins Manager Magazin dokumentiert eine Ablösung: Mit einem geschätzten Vermögen von 66,7 Milliarden Euro führen die Gesellschafterfamilien des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim erstmals die prestigeträchtige Liste der 500 reichsten Deutschen an, wie das Manager Magazin in einer offiziellen Pressemitteilung der Spiegel-Gruppe berichtet, zu der das Wirtschaftsmagazin gehört.

Video:




Trotz des Verlusts der Spitzenposition wurde Dieter Schwarz demnach keineswegs ärmer. Das Vermögen des 87-Jährigen wird für 2026 auf rund 53,7 Milliarden Euro geschätzt – ein Zuwachs von etwa 7,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Diese Steigerung reichte dennoch nur für Platz zwei.

Wie wir in einem separaten Artikel zeigen, gibt es auch in Franken zahlreiche Milliardäre, die in der bundesweiten Liste vertreten sind. 

Die Top 10 der reichsten Deutschen 2026 

Für seine Leser hat das Manager-Magazin eine Liste der 500 reichsten Deutschen erstellt. Die Top 10 hat es aber auch online veröffentlicht:

  • Platz 1: Gesellschafterfamilie Boehringer Ingelheim - 66,7 Milliarden Euro (Vorjahr: nicht bekannt)
    • Unternehmen: Boehringer Ingelheim
    • Unternehmenssitz: Ingelheim am Rhein, Rheinland-Pfalz
    • Branche: Pharma
  • Platz 2: Dieter Schwarz - 53,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 46,5 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Lidl, Kaufland, PreZero, Schwarz Digits
    • alle Neckarsulm, Baden-Württemberg
    • Branchen: Einzelhandel, Entsorgung, IT, Immobilien
  • Platz 3: Familie Merck - 50,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 24,5 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Merck
    • Unternehmenssitz: Darmstadt, Hessen
    • Branchen: Pharma, Chemie
  • Platz 4: Familie Susanne Klatten und Stefan Quandt - 33,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 36,1 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: BMW (München, Bayern); Altana (Wesel, Nordrhein-Westfalen); SGL Carbon (Wiesbaden, Hessen); Aqton, Delton (beide Bad Homburg, Hessen)
    • Branchen: Auto, Beteiligungen
  • Platz 5: Familien Albrecht und Heister - 29,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 27,7 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Aldi Süd
    • Unternehmenssitz: Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen
    • Branchen: Einzelhandel, Immobilien
  • Platz 6: Andreas von Bechtolsheim - 27,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 18,2 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Arista Networks, vorm. Sun Microsystems
    • beide USA
    • Branche: Beteiligungen
  • Platz 7: Familie Reimann - 21,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 24,0 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: JAB Holding (Luxemburg); Keurig Dr Pepper, Coty (beide USA)
    • Branchen: Getränke, Kosmetik, Haustierbedarf
  • Platz 8: Familie Henkel - 19,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 19,5 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Henkel
    • Unternehmenssitz: Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
    • Branche: Konsumgüter
  • Platz 9: Familie Theo Albrecht junior und Familie Babette Albrecht - 17,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 17,6 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: Aldi Nord; Trader Joe's (USA)
    • Unternehmenssitz: Essen, Nordrhein-Westfalen
    • Branchen: Einzelhandel, Immobilien, Grundbesitz
  • Platz 10: Familie Hasso Plattner - 15,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 17,7 Milliarden Euro)
    • Unternehmen: SAP
    • Unternehmenssitz: Walldorf, Baden-Württemberg
    • Branche: Software

Bei allen genannten Vermögensangaben handelt es sich laut Manager-Magazin um Schätzungen, die auf umfassenden Recherchen in Archiven, Registern sowie bei Vermögensverwaltern und Bankern basieren.

Warum überholt Boehringer Ingelheim den Lidl-Giganten jetzt?

Der Wechsel an der Spitze des deutschen Reichtums-Rankings spiegelt keine plötzliche wirtschaftliche Veränderung wider. Vielmehr fehlte die Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim jahrelang im Ranking. Grund sei laut Spiegel-Gruppe eine Vereinbarung aus den Anfangsjahren der Reichstenliste gewesen. Inzwischen sei jedoch die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung von deutschen Gerichten bestätigt worden. Das 1885 gegründete Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim mit Hauptsitz in Ingelheim am Rhein bleibt familiengeführt und ist nicht an der Börse notiert. Das Unternehmen entwickelt Medikamente für die Humanmedizin und Tiergesundheit mit Schwerpunkten in folgenden Bereichen:

  • Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes
  • Onkologie

Zu den bekanntesten Produkten des Pharmariesen zählen Jardiance (Empagliflozin) zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz, das Atemwegsmedikament Spiriva (Tiotropium) für COPD und Asthma sowie Pradaxa (Dabigatran), ein Gerinnungshemmer zur Schlaganfallprophylaxe, wie das Pharma-Informationsportal Sanoliste berichtet. Mit Ofev (Nintedanib) bietet Boehringer Ingelheim zudem eine wichtige Therapie für Lungenfibrose und Lungenkrebs an.

Was macht die Schwarz‑Gruppe so erfolgreich?

Obwohl Dieter Schwarz die Spitzenposition verloren hat, bleibt er in der Region Heilbronn-Franken unangefochtener Spitzenreiter. Die bekanntesten Unternehmen der Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm sind die beiden Handelsketten Lidl und Kaufland. Lidl betreibt mittlerweile über 12.000 Filialen in mehr als 30 Ländern, Kaufland rund 1.500 Standorte. Der Konzern erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von über 180 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr plant die Schwarz-Gruppe Investitionen von mehr als zehn Milliarden Euro, davon rund fünf Milliarden Euro in Deutschland.

Die Geschäftsbereiche der Schwarz Gruppe:

  • Lidl: Internationaler Discounter mit über 12.000 Filialen
  • Kaufland: Hypermarkt-Kette mit rund 1.500 Standorten
  • PreZero: Entsorgung und Recycling
  • Schwarz Produktion: Lebensmittelherstellung
  • Schwarz Digits: IT-Dienstleister und Cloud-Lösungen

Über die Dieter-Schwarz-Stiftung unterstützt der Milliardär zahlreiche Bildungs- und Innovationsprojekte in Heilbronn, darunter den Bildungscampus und den Innovationspark für Künstliche Intelligenz. Schwarz hält sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück – es existieren kaum Bilder von ihm, Interviews gibt er praktisch nie. Aktuell investiert die Schwarz‑Gruppe über ihre Tochter Schwarz Digits elf Milliarden Euro in ein gigantisches Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau. Ziel ist es, die digitale Souveränität Europas stärken. Schwarz ist bereits seit Längerem auch als IT-Dienstleister aktiv und plant, sich als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure aufzustellen.

Pharma dominiert, Tech-Milliardär legt rasant zu

Bemerkenswert am Vermögens-Ranking 2026 ist die starke Präsenz der Pharmaindustrie an der Spitze: Mit Boehringer Ingelheim auf Platz eins und Merck auf Rang drei beherrschen gleich zwei Pharmaunternehmen die Top drei. Als ältestes pharmazeutisch-chemisches Unternehmen der Welt (seit 1668) hat sich Merck von einer Darmstädter Apotheke zu einem führenden Wissenschafts- und Technologiekonzern entwickelt. Der Erfolg basiert auf drei Geschäftsbereichen: biopharmazeutische Therapien zur Behandlung von Krebs und Multipler Sklerose, wegweisende Systeme für die wissenschaftliche Forschung sowie Flüssigkristalle für Smartphones und LCD-Fernseher, wie das Chemie-Portal Chemie.de berichtet.

Während die Familie Merck ihr Vermögen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppeln konnte – ein spektakulärer Sprung von 24,5 auf 50,7 Milliarden Euro –, verzeichnete auch Andreas von Bechtolsheim (Platz sechs) einen beachtlichen Zuwachs von 18,2 auf 27,7 Milliarden Euro durch seine Beteiligungen an Tech-Unternehmen.

Auffällig sind zudem die regionalen Schwerpunkte: Nordrhein-Westfalen ist mit vier Platzierungen besonders stark vertreten, während Baden-Württemberg durch die Schwarz-Gruppe und SAP gleich zwei bedeutende Wirtschaftsgrößen beheimatet. Die traditionsreichen Einzelhandelsdynastien der Familien Albrecht bleiben mit Aldi Süd und Aldi Nord weiterhin fest in den Top Ten verankert, während die BMW-Erben Klatten und Quandt als einzige in den Top vier Vermögensverluste hinnehmen mussten. 

Insgesamt zählt Deutschland laut Manager Magazin aktuell 257 Milliardärinnen und Milliardäre – so viele wie nie zuvor. Damit stieg das Gesamtvermögen der 100 reichsten Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten um 3,4 Prozent auf knapp 784 Milliarden Euro. Die Liste erschien zum 26. Mal.