Reichensteuer vor der Rückkehr? Merz signalisiert plötzlich Bereitschaft
Autor: Nadine Wüste
Deutschland, Donnerstag, 07. Mai 2026
Friedrich Merz zeigt sich offen für eine höhere Besteuerung sehr hoher Einkommen – die Debatte um die Reichensteuer nimmt Fahrt auf.
Die Debatte um eine höhere Besteuerung sehr hoher Einkommen gewinnt in Deutschland erneut an Fahrt. Ausgerechnet CDU-Chef Friedrich Merz signalisiert nun Bereitschaft, über eine Reichensteuer zu sprechen. Damit kommt neue Bewegung in ein Thema, das lange vor allem von linken Parteien vorangetrieben wurde. Befürworter sehen darin eine Chance auf mehr Steuergerechtigkeit und zusätzliche Einnahmen für den Staat. Kritiker warnen dagegen vor negativen Folgen für Investitionen und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Was Merz genau sagt und welche Folgen eine Reichensteuer hätte, erfährst du in diesem Artikel.
Vorschlag: Reichensteuersatz auf 47 Prozent erhöhen - ab einem Einkommen von 210.000 Euro brutto jährlich
Merz bezog sich auf einen Vorschlag zweier Abgeordneter aus der Unionsfraktion. Dieser sieht vor, den sogenannten Reichensteuersatz von 45 auf 47,5 Prozent zu erhöhen - er soll zudem bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 210.000 Euro gelten.
Im Gegenzug sind umfangreiche Entlastungen im Bereich darunter vorgesehen - ein höherer Grundfreibetrag, die vollständige Streichung des Solidaritätszuschlags und der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 85.000 Euro greifen, statt wie bisher ab rund 70.000 Euro.
Von der Reichensteuer Betroffene würden laut dem Konzept der Abgeordneten Yannick Bury und Florian Dorn dabei zugleich von den Entlastungen im darunter liegenden Einkommensbereich und dem Wegfall des Solidaritätszuschlags profitieren - unter dem Strich würden damit auch sie entlastet. Die Reichensteuer greift derzeit ab einem zu versteuernden Einkommen von 277.826 Euro oder der doppelten Summe bei Ehepaaren. Alles, was über der Grenze liegt, wird dann mit 45 Prozent besteuert.
Linke will Vermögenssteuer ab einer Million Euro - so sähe der Vorschlag aus
Die Linke plädiert seit Langem für eine Vermögenssteuer. Diese ist im Grundgesetz verankert, allerdings seit 1997 ausgesetzt und nicht aufgehoben. Nach Plänen der Linken soll ausschließlich das Vermögen über einer Million Euro versteuert werden. "Eine Person, die eine Million und einen Euro besitzt, muss also nur auf diesen einen Euro Steuern zahlen", und so weiter, erläutert die Partei auf ihrer Website.
Ab der ersten Million soll ein Steuersatz von 1 Prozent gelten, ab 50 Millionen soll ein Steuersatz von 5 Prozent fällig werden. Ab einer Milliarde Euro 12 Prozent pro Jahr. "Niemand sollte mehr als 999 Millionen Euro besitzen", heißt es hier. Insgesamt müssten laut der Linken lediglich 1,5 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen eine Vermögenssteuer zahlen.
Eine Vermögenssteuer sei notwendig, um die Demokratie zu schützen und die Superreichen stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen, so die Linke. Vermögen verschiebe Machtverhältnisse und schade der Gesellschaft.