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Pokern & Schafkopf mit Freunden um Geld: Ist das illegales Glücksspiel?


Autor: Christoph Eberle

München, Sonntag, 08. November 2026

Wann ist Poker, Schafkopf oder Watten mit Freunden um Geld verboten und illegales Glücksspiel? Was Innenministerium und Staatsanwaltschaft in Bayern sagen - ein Überblick.
Eine urbayerische Tradition: Schafkopf. Aber ist es Geschicklichkeitsspiel oder Glücksspiel? (Foto Illustration)


Eine gemütliche Kartenspielrunde mit Freunden macht Spaß. Doch was ist, wenn mit Geldeinsatz gezockt wird – ab wann wird daraus eigentlich illegales Glücksspiel? Die kurze Antwort: Es hängt vor allem davon ab, ob das Spiel vom Zufall oder vom Können bestimmt wird und wie die Runde organisiert ist.

Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel: Das ist ein entscheidender Unterschied

Ob es sich um illegales Glücksspiel handelt, hängt zunächst von der Art des Spiels ab. Hängt der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall ab, handelt es sich per Definition um Glücksspiel. Das gilt laut offizieller Definition etwa für Roulette. Auch das traditionelle bayerische Kartenspiel Watten fällt laut Bayerischem Innenministerium darunter.

Bei einem Geschicklichkeitsspiel kann der Spieler den Ausgang dagegen durch seine Fähigkeiten, Erfahrung und Kenntnisse entscheidend beeinflussen. Das trifft zum Beispiel auf Schafkopf, Darts oder Billard zu. „Unerlaubtes Glücksspiel kann hier definitionsgemäß nicht vorliegen", so ein Sprecher des Innenministeriums.

Theoretisch kann also auch beim Schafkopfen um hohe Beträge gespielt werden. Das Ministerium weist jedoch darauf hin, dass sich aus einer Entgeltlichkeit der Spielteilnahme, besonders bei hohen Beträgen, "regelmäßig rechtliche Folgen ergeben können". Gemeint sind gewerberechtliche, steuerrechtliche oder sicherheitsrechtliche Aspekte.

Ist Poker noch Geschicklichkeitsspiel oder Glücksspiel?

Beim Pokern würden Profis und auch viele Amateurspieler ganz klar sagen: Ich kann als erfahrener Spieler den Spielausgang entscheidend beeinflussen - also muss es doch Geschicklichkeitsspiel sein. Oder ist es doch Glücksspiel?

Die offizielle Definition: "Die bei Pokerturnieren bevorzugt gespielte Variante "Texas Hold’em" enthält sowohl Zufalls- als auch Geschicklichkeitselemente. Da jedoch die Zufallselemente bei der Gewinnentscheidung überwiegen, ist von einem Glücksspiel und nicht von einem Geschicklichkeitsspiel auszugehen. Abzustellen ist auf den Durchschnittsspieler, nicht auf den Pokerprofi", heißt es beispielsweise bei der Landesdirektion Sachsen unter dem Punkt "Glücksspielrecht".   

Laut einer Publikation der Universität Münster geht die heutige Rechtsauslegung bezüglich Poker auf ein Gesetz aus dem deutschen Kaiserreich von 1906 zurück. Seitdem habe im Laufe der vergangenen Jahrzehnte diese Frage schon Gerichte sowohl in den USA als auch in Europa beschäftigt. 

Wann ist eine private Pokerrunde illegales Glücksspiel?

Entscheidend ist laut Bayerischem Innenministerium, ob es sich um ein öffentliches Glücksspiel im Sinne des Gesetzes handelt. Ist das der Fall und fehlt die erforderliche behördliche Erlaubnis, liegt unerlaubtes Glücksspiel vor, teilte man gegenüber der Mediengruppe Bayern mit.

Die rechtliche Bewertung hängt vom Einzelfall ab, etwa von:

  • Teilnehmerkreis
  • der Gewohnheitsmäßigkeit der Veranstaltung,
  • einem möglichen Eintritt, beziehungsweise einer Startgebühr
  • der Höhe der Einsätze.

"Deshalb kann dasselbe Kartenspiel je nach Umständen unterschiedlich bewertet werden", heißt es. Auch im privaten Rahmen könne die Grenze überschritten sein: Laut Innenministerium gilt das, wenn in einer Pokerrunde um Geld gespielt wird und die Runde "gewohnheitsmäßig" stattfindet.

Der geduldete Bereich: Watten unter Freunden

Thomas Rauscher, Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, betont, dass nicht alles kriminalisiert werden soll. Auch bei offiziell als Glücksspiel bezeichneten Kartenspielen gibt es ihm zufolge einen geduldeten Bereich. Das bayerische Watten falle grundsätzlich darunter. Bei geringen Einsätzen werde es als "Unterhaltungsspiel" gewertet und nicht strafrechtlich verfolgt. „Letztlich sollen die Spieler lediglich vor potenziell existenzvernichtenden Verlustrisiken geschützt werden“, betont er. Und das sei hier ja nicht der Fall.

Watt-Turniere: Die gesetzliche Ausnahme

Ein Watt-Turnier kann außerhalb von Spielbanken erlaubt sein, wenn es nicht gewerbsmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern nur gelegentlich stattfindet. Dabei gelten laut Innenministerium folgende Grenzen:

  • Spieleinsatz je Spieler: höchstens 20 Euro
  • Summe der ausgelobten Geld- oder Sachpreise: höchstens 500 Euro

Ein Poker-Turnier ist dagegen nicht von dieser Ausnahme erfasst.

Öffentliches Glücksspiel in Bayern: Nur in Spielbanken erlaubt

Öffentliches Glücksspiel ist in Bayern nur in Spielbanken erlaubt. Laut Innenministerium sorgen dort geschultes Personal und der Spielbankaufsichtsdienst für ein geordnetes Umfeld. 

Wer ohne behördliche Erlaubnis ein öffentliches Glücksspiel veranstaltet oder daran teilnimmt, handle hingegen rechtswidrig und könne sich strafbar machen. 

Es gibt aber Ausnahmen: Gemeinnützigen Einrichtungen kann laut Innenministerium die Veranstaltung von öffentlichen Lotterien und Ausspielungen erlaubt werden, sofern der Erlös ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendet wird. 

Kartenspiel um Geld: Wann wird es kritisch?

Das Fazit der Redaktion: Gelegentliches Kartenspiel mit kleinen Einsätzen unter Freunden ist in der Regel unproblematisch. Kritisch wird es bei Glücksspielcharakter, regelmäßigen Runden, Eintritt und hohen Einsätzen.