Pflegeversicherung: Regierung prüft Beitragserhöhung für Kinderlose
Autor: Nadine Wüste
Berlin, Montag, 01. Juni 2026
Die Bundesregierung diskutiert, den Beitragssatz für Kinderlose in der Pflegeversicherung zu erhöhen. Das geplante Vorhaben stößt auf Kritik und wirft Fragen nach fairer Finanzierung im Pflegesystem auf.
Zur Stabilisierung der finanziell stark belasteten gesetzlichen Pflegeversicherung wird offenbar über eine erneute Erhöhung des Beitragszuschlags für Kinderlose nachgedacht. Einen entsprechenden Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland bestätigten Regierungskreise gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Dem Bericht zufolge prüft Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Zuge der geplanten Reform der Pflegeversicherung, den Zuschlag für Kinderlose von derzeit 0,6 um 0,1 auf 0,7 Prozentpunkte anzuheben. Eine Bestätigung dafür gab es aus dem Ministerium auf Anfrage jedoch nicht. Stattdessen wurde auf ein noch ausstehendes Gesamtkonzept verwiesen, dessen Vorstellung bislang nicht terminiert ist.
Höhere Pflegekassenbeiträge für Kinderlose: So viel mehr sollen sie zahlen
Wie das Handelsblatt berichtet, wäre die Mehrbelastung für Betroffene zwar begrenzt, allerdings sichtbar und für den ein oder anderen auch spürbar. Demnach müsste ein kinderloser Durchschnittsverdiener nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) etwa 13 Euro mehr im Monat zahlen. Also anstatt wie bislang etwa 182 Euro dann 195 Euro im Monat. Auf das Jahr gerechnet würden sich die Mehrkosten für die soziale Pflegeversicherung auf 156 Euro belaufen.
Bei kinderlosen Versicherten, die ein Einkommen an oder oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze beziehen, stiege der monatliche Betrag von 244 Euro auf 274 Euro; also 30 Euro mehr im Monat. Aufsummiert würde so aufs Jahr gerechnet eine Mehrbelastung von 360 Euro anstehen.
Für 2027 setzt das WIP bei der Kranken- und Pflegeversicherung eine Beitragsbemessungsgrenze von 76.489 Euro an; das Jahreseinkommen von Durchschnittsverdienern veranschlagt es auf 54.281 Euro. Warken will die geplante Reform noch in diesem Jahr unter dem Arbeitstitel "Pflegeneuordnungsgesetz" (PNOG) auf den Weg bringen.
Reaktionen: Von Verständnis bis Kritik – ungewollt Kinderlose diskriminiert?
Der Koalitionspartner zeigte sich in einer ersten Reaktion offen für das Vorhaben. Angesichts der finanziellen Herausforderungen sei es "legitim, unterschiedliche Stellschrauben zu diskutieren – auch die Frage eines höheren Beitrags für Kinderlose", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ein solcher Schritt könnte ein Beitrag zur Stabilisierung sein, ersetzt aber keine umfassende Strukturreform."
Laut RND läuft die Idee darauf hinaus, dass Versicherte ohne Kinder ab einem Alter von 23 Jahren einen Beitragssatz von insgesamt 4,3 Prozent zahlen. Bei Versicherten mit Kindern bliebe es demnach bei den bisherigen Sätzen von 3,6 Prozent (ein Kind), 3,35 Prozent (zwei Kinder) beziehungsweise 3,1 Prozent (drei Kinder).
Ähnlich wie Pantazis fordert der Sozialverband Deutschland (SoVD) ein Gesamtkonzept: "Solche punktuellen Anpassungen reichen nicht aus", sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier der dpa. Weiterhin warnte sie vor der zusätzlichen finanziellen Belastung der betroffenen Beitragszahler. "Für Menschen, die ungewollt kinderlos geblieben sind, könnte sich zudem ein Gefühl der Ungerechtigkeit einstellen."